Marschmusikparade
Marschmusikparade wurde schon wieder abgeblasen

Zum zweiten Mal in Folge fällt die kantonale Marschmusikparade ins Wasser, was bei den Veranstaltern und dem kantonalen Blasmusikverband Zweifel aufkommen lässt, ob der Anlass überhaupt noch seine Daseinsberechtigung hat.

Patrick Furrer
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Marschmusikparade 2008 in Grenchen

Marschmusikparade 2008 in Grenchen

Hansjörg Sahli

Gerade mal 8 von 85 Musikgesellschaften hatten sich für die diesjährige Durchführung - welche diesen Freitag auf dem Grenchner Marktplatz hätte stattfinden sollen - angemeldet. «Damit eine Durchführung aber Sinn macht, braucht es wenigstens zwölf», erklärt Kantonalpräsident Ueli Nussbaumer. Fränzi Braga, Präsidentin der Stadtmusik Grenchen, ist ebenfalls enttäuscht. «Das macht uns sehr traurig. Die ganzen Vorbereitungen waren umsonst», meint sie desillusioniert.

Alternierend in den Städten

Wie kam es so weit? Traditionellerweise findet die Marschmusikparade alljährlich alternierend in Olten, Solothurn und Grenchen statt. Olten hat sich schon früher wegen des zu grossen Aufwandes zurückgezogen. 2011 war Grenchen am Zug, doch weil es aufgrund des Eidgenössischen Musikfestes an Anmeldungen mangelte, wurde der Anlass abgesagt. Heuer wäre die Reihe wieder an Solothurn gewesen, wo die Parade stets am Donnerstag vor dem Märetfest über die Bühne geht, damit von dessen Infrastruktur profitiert werden kann. Doch weil das Märetfest verschoben wurde und der Austragungstag für die Parade mit dem Musiktag in Zuchwil zusammenfiel, wurde Grenchen als Alternative gewählt. Hier legte man sich tüchtig ins Zeug, wie Ueli Nussbaumer sagt. «Am Einsatz der Grenchner liegt es nicht.» Was beispielsweise Ursula Tschanz von der Stadtmusik Solothurn bestätigt, welche ihren Verein angemeldet hatte: «Die Grenchner geben sich immer viel Mühe mit der Festwirtschaft und allem. Die haben fast noch das bessere Angebot als wir.» Und doch: Der Anlass wurde abgeblasen.

Weniger Solidarität
Aus den Rückmeldungen der Vereine weiss Kantonalpräsident Ueli Nussbaumer, dass der Standort Grenchen von vielen als zu wenig attraktiv eingestuft wird. Hinzu kommt, dass das Interesse an Marschmusik abnimmt und sich die Anlässe immer mehr konkurrenzieren. Die Vereine seien träger geworden. Die Solidarität unter den Musikanten schwindet.
Ähnlich sieht das Fränzi Braga. Natürlich sei Grenchen bezüglich Ambiente nicht mit Solothurn vergleichbar. Was sie aber ärgert, ist, dass die anderen Vereine nicht mitziehen. So sehr, dass nach Olten jetzt auch Grenchen darüber nachdenken will, ob man sich künftig überhaupt noch für den Grossanlass bewerben wird.

Existenzfrage stellen
Ueli Nussbaumer, Präsident des kantonalen Blasmusikverbands, wird das Thema an der nächsten Präsidentenkonferenz aufwerfen. Zum einen die Frage, ob der Anlass in Grenchen noch eine Zukunft hat, zum anderen auch die nach der Daseinsberechtigung der Parade selbst. Nächstes Jahr soll die Marschmusikparade in Solothurn stattfinden. Sollte selbst dort eine Enttäuschung folgen, wäre es möglich, dass die Tage des Traditionsanlasses bald gezählt sind. Schwarzmalen will Nussbaumer aber nicht.