«Wir leben in einem Zeitalter der Arbeitslosigkeit, ungerechten Umverteilung und der Sparpakete zu Lasten der Arbeitnehmer.» Diese Worte warf Markus Baumann, abtretender Sektionsleiter, in den vollen Saal. 200 Gewerkschafter und Gewerkschafterinnen erschienen zur Generalversammlung der Unia Sektionsgruppe Solothurn. Der Saal im Landhaus war gut gefüllt. Neben dem Referat von Politgrösse Cédric Wermuth stand die Wahl eines neuen Sektionsleiters auf dem Programm.

Die heutige Zeit sei vom Motto: «Gewinn privat, Kosten dem Staat» geprägt, führte Markus Baumann aus. «Die daraus resultierende Kantonsschuld will die Bürgerliche mit Kürzungen der Sozialleistungen ausgleichen.» Hier sei die Unia gefragt, die sich für eine gerechte Verteilung einsetzte. «Es braucht in unserem Kanton eine starke Unia.»

Baumann steigt die Leiter hoch

Der Redner und jetzige Leiter der Sektionsgruppe Solothurn, Markus Baumann, nimmt per Ende Juni den Hut, bleibt aber der Unia bis auf Weiteres erhalten. Er stelle nur seine Weiche neu, versichert Beat Jost, Regionssekretär, in seinem Namen. Baumann steigt die Unia-Leiter hoch und übernimmt die Leitung der regionalen Arbeitslosenkasse der Gewerkschaft. – In der Hoffnung, diese zukünftig bekannter zu machen. Sein Nachfolger ist bereits gefunden: Ivano Marraffino übernimmt die Pflichten des Sektionsleiters. Der 30-jährige Langendörfer und frühere Branchensekretär fürs Bauhautgewerbe wird ab Juli die Kämpfe seines früheren Chefs austragen.

Wermuth: «Stoppt Bereicherung»

Der junge Aargauer Nationalrat Cédric Wermuth erhitzte mit seinem Referat für die 1:12-Initiative die Gemüter. «Unser Kontinent wird geplündert», begann der SP-Jungpolitiker. «Die Sozialstaaten werden angegriffen und immer mehr jene bevorzugt, die es nicht nötig haben.» Dabei solle eine Politik für die Menschen angestrebt werden. «Es findet ein Raubzug am Gemeinschaftsgut statt», stellte er weiter fest. Hier ziehe die 1:12-Initiative einen Strich. «Gegen die Bereicherung – Die Schweiz gehört den Menschen, nicht den Bankern und Reichen», rief er die Gewerkschafter zum Gang auf die Strasse auf.

Kämpfend auf die Strasse

Das Jahr 2012 brachte aus Unia-Sicht politische Erfolge: Das klare «Ja» zur Abzocker-Initiative war ganz im Sinne der Gewerkschaft. Weitere politische Gefechte wie die Mindestlohn-Initiative oder die 1:12-Initiative gelte es noch auszufechten, blickte der Präsident der kantonalen Sektion, Daniel Hirt, in die Zukunft. Ebenfalls trug die Unia im vergangenen Jahr Kämpfe auf der Strasse aus. Sie mobilisierte für Warnstreiks vor Firmen wie der Papierfabrik «Saber» in Balsthal und der Kontron in Luterbach. Bei letzterer konnte die Unia bessere Bedingungen für die entlassenen Arbeitnehmer aushandeln, wie die Gewerkschaft in ihrem Jahresbericht schreibt. Beat Jost fügt hierzu an: «Wir sind nicht nur die mit der Streitpfeife, sondern bewirken auch etwas.»

«Unia ist kein Auslaufmodell»

Vom Jahr 2005 bis 2010 gingen die Mitgliederzahlen kontinuierlich zurück. Im vergangen und auch diesem Jahr konnten wieder Mitglieder gewonnen werden, wie der Jahresbericht zeigt. Die aktuellen 12 720 Unia-Mitglieder in der Region Biel-Seeland/Kanton Solothurn übertreffen alle bisherigen Zahlen. Gründe dafür kennt der frischgebackene Sektionsleiter, Ivano Marraffino: «Im Kanton Solothurn sind in den vergangenen Jahren viele Arbeitsplätze abgebaut worden.» Betroffen sei vor allem der Industrie- und Baubereich gewesen. «Die Unia ist kein Auslaufmodell», bringt es Daniel Hirt auf den Punkt. Es brauche in der heutigen Zeit immer mehr Gewerkschafter, die für benachteiligte Arbeitnehmer Partei ergreifen. Manche, wie das diesjährige Jubiläumsmitglied Ernst Richard aus Solothurn, tun das bereits seit erstaunlichen 75 Jahren.