Einen «erfolgreichen Schlag gegen den Drogenhandel» verkündete die Kantonspolizei Solothurn in einer Medienmitteilung vergangenen November. Im Rahmen eines mehrmonatigen Ermittlungsverfahrens wurden nebst Kokain, Ecstasy und weiteren Drogen drei Kilogramm Marihuana sichergestellt, das sich im Besitz eines Dealer-Quartetts befand. Ausserdem wurde eine mehrere hundert Hanfpflanzen umfassende Zuchtanlage ausgehoben.

Ähnliche Meldungen liess der polizeiliche Mediendienst im Juli und August verlauten. In den beiden Sommermonaten hob man einerseits mehrere Hanfanbauanlagen in Biberist, Gerlafingen, Hubersdorf und Solothurn aus. Zudem wurden 70 Kilogramm Haschisch sichergestellt, die ein Schweizer und ein Italiener von Frankreich in die Schweiz schmuggeln wollten. Die Polizeieinsätze gehen bis hin zu Dachterrassen, auf denen Nachbarn grünes «Kraut» wachsen sehen.

Gegen das Hanfverbot wird schweizweit jährlich häufiger verstossen. Trotz Verbot kiffen Herr und Frau Schweizer zahlreich und regelmässig. Gemäss Bundesamt für Statistik hat sich die Anzahl registrierter Straftaten im Zusammenhang mit Marihuana schweizweit von 2009 bis 2013 von rund 22 000 auf 27 500 erhöht. Erst im Jahr 2014 präsentiert sich die Situation schlagartig anders: Noch rund 20 000 Marihuana-Verstösse werden ausgewiesen.

Der Grund dafür liegt jedoch in einer Gesetzesänderung: Anfang Oktober 2013 wurde das revidierte Betäubungsmittelgesetz eingeführt. Seit dann werden Cannabiskonsumenten nicht mehr strafrechtlich verfolgt, sondern mit einer Ordnungsbusse von 100 Franken belegt, wird ihnen ein Konsum nachgewiesen und nicht mehr als zehn Gramm der Droge bei ihnen gefunden. 2014 wurden 14 861 solche Bussen ausgestellt, 475 davon im Kanton.

Drogenhanf aus Albanien

Rund 200 Millionen Franken geben die Schweizer Behörden jährlich für die Verfolgung Cannabis-bezogener Delikte aus, wie Mischa Hauswirth in seinem Buch «Der Cannabis-Irrsinn» schätzt.

Das Werk des in Olten geborenen «BaZ»-Journalisten ist vergangenes Jahr im auf Drogenthemen spezialisierten Solothurner Nachtschatten-Verlag erschienen. Darin hinterfragt Hauswirth die Zweckmässigkeit des Hanfverbots und liefert eine Vielzahl von Argumenten für einen anderen Umgang mit dem Gewächs, das viel mehr sein könnte als nur ein Rauschmittel.

Vorwiegend dazu wird es derzeit aber noch genutzt. Produktion und Handel von Marihuana sind dabei zunehmend in der Hand krimineller Vereinigungen, die nebst Heroin oder Kokain mit dem grünen Kraut Millionengewinne einfahren. Ein Grossteil der Importe stamme dabei aus Albanien, beteiligt sei daran auch die italienische Mafia und selbst Terrororganisationen machen damit Profite, um so ihre Kämpfe zu finanzieren.

Um den ohnehin schon beachtlichen Gewinn – im Buch ist die Rede vom rund 40- bis 80-fachen der Herstellungskosten – zusätzlich zu steigern, werde das verkaufte Cannabis gestreckt. Die dabei verwendeten Zusatzstoffe sind nicht gerade gesundheitsfördernd: Haarspray, Sand, Glas oder auch Blei werden dem Marihuana beigemischt, um das Wiegegewicht und somit den Verkaufspreis zu erhöhen, erklärt Hauswirth.

Wäre Hanf hingegen legal, könnte eine staatlich kontrollierte Abgabe stattfinden. So könnte nicht nur sichergestellt werden, dass Marihuana gewisse Qualitätskriterien erfüllt und nur an Erwachsene abgegeben wird. Auch würden durch die Besteuerung staatliche Einnahmen generiert – laut Hauswirth könnten dies mehrere 100 Millionen Franken jährlich sein.

Steuermillionen in Aussicht?

Finanzielle Vorteile hätte der Hanf auch anderswo: Vor allem für die Medizin beherberge die Pflanze grosses Wirkungs- wie auch Sparpotenzial, wie Hauswirth darlegt. Betroffenen von Krebs, Epilepsie, Schlafstörungen, multipler Sklerose, Depression, Demenz oder Arthritis könnte Cannabis als Schmerz- und Beruhigungsmittel dienen.

Dabei wären Hanfpräparate kostengünstiger als manche chemische Medikamente. Bereits heute wird Hanf teilweise medizinisch eingesetzt. Ihn zu verschreiben ist für Ärzte aufgrund seiner Illegalität allerdings schwierig und mit grossem Administrativaufwand verbunden.

Wie eine Liberalisierung konkret aussehen könnte, zeigt Hauswirth unter anderem am Beispiel von Colorado auf. Im US-Bundesstaat ist es seit 2014 erlaubt, Cannabis zu erwerben oder anzubauen, um es in geschlossenen Privaträumen zu konsumieren. Dafür bedarf es einer Lizenz, die erhält, wer über 21 Jahre alt ist und seinen Wohnsitz in Colorado hat. Die Bezugsmenge ist limitiert.

Die Bilanz nach sechs Monaten: Es kam zu keinem Anstieg des Konsums, 10 000 neue Jobs wurden geschaffen. 12 Millionen Dollar an Steuern konnte der Staat einnehmen, wobei er gleichzeitig fast ebenso viel Geld bei der Strafverfolgung einsparte. Die letztjährigen Fiskaleinnahmen aus dem Hanfverkauf sollen noch um einiges höher zu liegen kommen: Sie werden auf 125 Millionen Dollar geschätzt. 

Mischa Hauswirth: Der Cannabis-Irrsinn. Warum uns das Verbot schadet; Nachtschatten-Verlag Solothurn. Fr. 29.80.