Gut gelaunt und offen plaudert Manuela Meneghini, Programmleiterin psychische Gesundheit, Ernährung und Bewegung im Amt für soziale Sicherheit, bei einer Tasse Kaffee über ihren Lebensweg, über das allgemeine Beamtenklischee und über die kommenden Aktionstage psychische Gesundheit.

Erzählungen aus dem Alltag

«Ich habe in Bern Ethnologie, Religionswissenschaft und Linguistik studiert», erzählt Meneghini im Solothurner «Baseltor». Danach ist sie 2006 als Assistentin des Kantonsarztes für verschiedene Arbeiten im allgemeinen Gesundheitswesen verantwortlich gewesen. Dabei sind «vernetztes Denken und Interdisziplinarität äusserst wichtig», erklärt Meneghini.
Mit der Zeit übernahm sie die Themenbereiche Ernährung, Bewegung und psychische Gesundheit. Diese Gebiete waren im Gesundheitsamt situiert, bis 2016 der Wechsel zum Amt für soziale Sicherheit erfolgte. «Beim Kanton zu arbeiten ist spannend», lächelt Manuela Meneghini.

Ihr Alltag sei sehr abwechslungsreich und wohl nicht so starr, wie sich viele das Beamtenleben vorstellen. «Ich habe sehr viele Sitzungen, die natürlich einer Vor- und Nachbereitung bedürfen, auch muss ich viel lesen und schreiben», erzählt sie. Sie schätze es sehr, verschiedene freie Gestaltungsmöglichkeiten zu haben, etwa um nationale Pläne auf kantonaler Ebene umzusetzen. Auch die Interaktion mit verschiedenen Partnern sei eine grosse Bereicherung für ihren Alltag. «Es ist schön, eine Netzwerkfunktion übernehmen zu können», ist sich Meneghini sicher. «Das einzig wirklich Negative an meinem Beruf ist die ständige Konfrontation mit dem klischeehaften Beamtenbild», sagt sie. Die Wertschätzung für die geleistete Arbeit sei seitens der Öffentlichkeit eher gering und man müsse oftmals «Witze und Sprüche übers Beamtentum über sich ergehen lassen».

Kanton ist vorbildlich

Dabei werde im Kanton Solothurn viel geleistet, weiss Meneghini. «Für die Sensibilisierung und Prävention psychischer Krankheiten nimmt der Kanton Solothurn geradezu eine Vorbildrolle ein», so sind die bald zum neunten Mal stattfindenden Aktionstage psychische Gesundheit sogar ein Solothurner Exportprodukt. «Im 2009 war ich im Organisationsteam für die erste Durchführung der Aktionstage», so Meneghini. Damals sei die Thematisierung psychischer Krankheiten noch nicht alltäglich gewesen. «Gemeinsam mit der Solodaris Stiftung, der Pro Infirmis und den psychiatrischen Diensten der Solothurner Spitäler wurde dieses Format ins Leben gerufen» – ein Pionierprojekt.

Aktionstage zum neunten Mal

«Die Aktionstage psychische Gesundheit sind ein absoluter Erfolg, wir haben stets sehr viele Besucher und andere Kantone haben sich durch unsere Arbeit inspirieren lassen», betont Meneghini. Nicht nur bekannte Krankheitsbilder stehen während der Aktionstage im Zentrum, sondern auch «nicht gesellschaftstaugliche psychische Krankheiten», die noch stark vorurteilsbehaftet sind, wie zum Beispiel Schizophrenie.

Es sei wichtig, über psychische Krankheiten zu sprechen, da einerseits viele damit in Kontakt treten – sei es als Betroffene oder als Angehörige – und weil trotz aller positiven Entwicklungen der vergangenen Jahre viele Vorurteile an der Tagesordnung seien. «Obwohl heute eine grosse Thematisierung stattfindet, schwindet die Stigmatisierung nicht in gleichen Massen», beobachtet Meneghini. Ziel der Aktionstage sei daher eine Sensibilisierung, um Wissen zu vermitteln (Wie kann ich gesund bleiben? Wo findet sich Hilfe? Was sind psychische Krankheiten überhaupt?) und dadurch präventive Arbeit zu leisten.

«Vor einigen Jahren hätte ich nie gedacht, dass ein solches Projekt auf breiten Anklang stossen würde», bemerkt Meneghini. So wünsche sie sich für die Zukunft weiterhin ein so gutes Zusammenspiel von Fachpersonen, Publikum und Verwaltung.