Günsberg
Manpower für den Balmberg: Wieso Freiwillige den Wald pflegen

20 Freiwillige leisteten in zwei Wochen Gutes für den regionalen Bergwald.

Simon Berger
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Stiftung Bergwaldprojekt
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Daniela Gurtner (grüne Jacke), Kreisförsterin der Region Solothurn.

Stiftung Bergwaldprojekt

Hanspeter Bärtschi

«Diese Buche war krank», sagt Daniela Gurtner und zeigt auf einen Baumstumpf. Unterhalb des Stumpfes geht das Gelände steil nach unten. «Die darunter liegenden Bäume hätte diese alte Buche mitgerissen.» Deshalb musste sie gefällt werden. Daniela Gurtner ist Kreisförsterin der Region Solothurn. Im Rohrgraben, einem Waldstück östlich von Günsberg, wurde im Namen der Stiftung Bergwaldprojekt mit aller Kraft gearbeitet. 20 Freiwillige verschiedenen Alters, Herkunft und beruflichen Hintergründen arbeiteten die letzten zwei Wochen in Wäldern am Balmberg. Darunter sind drei Gruppenleiter mit dem nötigen Know-how sowie zwei Zivildienstleistende.

Im Jura ist dies der erste Einsatz des Bergwaldprojektes. «Der Jura hat eine wichtige Rolle in der biologischen Vielfalt der Schweiz», sagt Gurtner. Die Stiftung wurde 1987 gegründet. Seither haben rund 55'000 Freiwillige in Bergwäldern der Schweiz, Österreichs, Deutschlands, Kataloniens und Lichtensteins gearbeitet.

Den Zweck der freiwilligen Einsätze definiert Daniela Gurtner folgendermassen: «Einerseits haben Menschen die Möglichkeit, sich in der Natur körperlich zu betätigen. Die Arbeit im Wald benötigt viel Manpower.» Auf der anderen Seite seien die Einsätze mit einem klaren Bildungsauftrag verbunden. Die Freiwilligen lernen die Funktion und die Wichtigkeit des Ökosystems Bergwald kennen, sowie die Handhabung von Werkzeugen. «Man lernt es am besten, wenn man selber Dreck an den Händen gehabt hat», sagt Gurtner. So wurde in den letzten zwei Wochen am Balmberg Waldrandpflege betrieben, um die Biodiversität des Waldes zu stärken.

Im Wald nahe Hubersdorf wurden neue Eichen und Edelkastanien auf Burglindflächen gepflanzt und im Rohrgraben nahe Günsberg wurden Bäume gefällt. «Das Ziel ist eine gute Durchmischung des Alters des Waldes», sagt Gurtner. Der Rohrgraben hat die Form eines kleinen Thales, durch welches ein Bach fliesst. Aufgrund der steilen Hänge sei eine gute Durchwurzelung des Bodens wichtig. Bei starkem Wind und Regen könnten Bäume umgeworfen werden. Der Bach würde das Laub und die abgebrochenen Äste in die unterhalb liegenden Gemeinden Kammersrohr und Hubersdorf schwemmen, wo die Bachläufe verstopft und Überflutungen verursacht werden könnten. Deshalb wurden mit einem Seilkran alte Bäume gefällt. Die Freiwilligen sind nun dabei, den Bach von Ästen zu befreien.

Natur als Ausgleich

«Als ich hörte, dass zum ersten Mal ein Projekt im Jura stattfindet, war ich begeistert», sagt eine Gruppenleiterin. Die Frau kommt aus Basel und arbeitet in der IT-Branche. Zum Ausgleich arbeitet sie durchschnittlich vier bis sechs Wochen im Jahr für das Bergwaldprojekt. «Die Einsätze sind wie Ferien für mich.» Internationaler Touch erhält die Gruppe zudem von einen Mann aus Chile und einem jungen Eventtechniker aus Deutschland. «Ich hatte Freizeit und suchte Natur. Zudem freut es mich, neue Leute kennenzulernen. Deshalb kam ich hier her», sagt er. Nebst freiwilligen aus Zürich und Bern ist auch ein Zivildienstleistender aus Solothurn im Einsatz. Der Elektroinstallateur mit Weiterbildung macht seit 13 Wochen seinen Einsatz für das Bergwaldprojekt. «Ich muss wohl nach dem Einsatz meine Berufswahl neu überdenken», sagt der junge Mann. «Ich liebe es, im Wald zu arbeiten.»

Ob in absehbarer Zeit ein weiteres Projekt durchgeführt wird, ist noch unklar. «Wenn es nach mir geht schon», sagt Daniela Gurtner. Die Arbeit der Freiwilligen sei in der Region sehr geschätzt worden. Vor allem die umliegenden Landwirte nahmen das Projekt sehr positiv auf. «Die freiwilligen Teilnehmer waren sehr dankbar für diese Erfahrung», sagt Gurtner abschliessend. «Sie lobten zudem die schöne, abwechslungsreiche Landschaft der Region Solothurn.»