Kanton Solothurn
Manövriert sich der Kanton als Standort für Forschung und Entwicklung ins Abseits?

Diese Frage drängt sich auf, da sich Solothurn als einer der wenigen Kantone nicht aktiv als Standort für einen von mehreren geplanten Innovationsparks beworben hat. Zur Zusammenarbeit mit einem Innovationspark ist der Kanton aber durchaus bereit.

Franz Schaible
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Kein Innovationspark auf dem kantonseigenen Südareal der Borregaard in Luterbach, dafür startet die aktive Vermarktung.

Kein Innovationspark auf dem kantonseigenen Südareal der Borregaard in Luterbach, dafür startet die aktive Vermarktung.

Hansjörg Sahli

So will beispielsweise der Kanton Bern in Biel mit einem Standort für Industrietechnologien punkten. Die Denkschmiede soll neben dem geplanten Campus Technik der Berner Fachhochschule zu stehen kommen.

Die beiden Basel und Jura wollen in Allschwil ein Forschungs- und Entwicklungszentrum mit Schwergewicht Life Sciences aufbauen und der Kanton Aargau bewirbt sich mit einem «pfannenfertigen» Projekt, welches direkt beim Paul-Scherrer-Institut (PSI) in Villigen angesiedelt werden soll.

Kontakte sind geknüpft

Nun, die Gefahr eines verpassten Anschlusses an die «neue Denkfabrik Schweiz» sieht Volkswirtschaftsdirektorin Esther Gassler nicht. Der Kanton Solothurn habe an der Ausschreibung zwar tatsächlich nicht mitgemacht.

«Solothurn ist aber offen für eine Zusammenarbeit mit einem Innovationspark in alle geografischen Richtungen, ob nun in Biel, im Raum Nordwestschweiz oder Aargau.» Sobald der Bund die Standortentscheide gefällt habe, werde man eine Zusammenarbeit vertieft prüfen.

Dazu stehe Solothurn schon heute in Kontakt mit den Verantwortlichen der Projekte in den Nachbarkantonen. «Für uns entscheidend ist, dass die Solothurner Unternehmen Zugang zu neu entstehenden Innovationsparks haben», meint Gassler.

Und zwar «unabhängig davon, ob der Kanton Solothurn irgendwo in der Trägerschaft erscheint». Denn ein solches Forschungszentrum zeichne sich nicht primär durch die beteiligten Kantone aus, sondern durch die Innovationsträger, bestehend einerseits aus den Unternehmen und andererseits den Forschungsakteuren wie Hochschulen, Wissenschaft sowie private Forschungs- und Entwicklungstreiber.

Bedürfnisse der Unternehmen

Massgebend ist zudem, so Gassler weiter, dass die Forschungsschwerpunkte auf die Technologiebedürfnisse der Solothurner Firmen ausgerichtet sind. Aber das wäre doch in Biel mit dem Thema «Industrietechnologien» gewährleistet? «Die Ausrichtung würde sicher auf unsere Industrien zutreffen, vor allem im westlichen Kantonsteil», bestätigt Gassler. Deshalb würden insbesondere in diesem Fall unterschiedliche Zusammenarbeitsformen geprüft.

«Finanzielle Konsequenzen»

Bei allen Überlegungen zum Thema Innovationspark spielt für die Solothurner Regierung das Geld offenbar eine wichtige Rolle. Gassler jedenfalls stellt sich die Frage nach den «finanziellen Konsequenzen.»

Schweiz als Denkfabrik

Ein nationaler Innovationspark soll die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz langfristig sichern. Dazu sollen Areale in der Nähe von Hochschulen für die Ansiedlung von Forschungsinfrastrukturen international tätiger Firmen bereitgestellt werden, um Spitzenforschung mit unternehmerischer Innovationstätigkeit zu vereinen. Gesetzt sind zwei Hub-Standorte um die ETHs in Zürich und Lausanne. Mit weiteren regionalen Standorten soll ein landesweites Netzwerk entstehen. Eingereicht wurden elf Projekte. Im Juni trifft die Volkswirtschaftsdirektorenkonferenz eine Auswahl von drei bis fünf Standorten. Das Parlament wird 2015 darüber befinden. (FS)

«In der vergangenen Woche haben wir im Kantonsrat ein sehr grosses Massnahmenpaket besprochen und verabschiedet.» Dieses habe Auswirkungen auf verschiedene Lebensbereiche. «Es ist deshalb wohl nicht angebracht, bereits wieder über neue, erhebliche Ausgaben nachzudenken; auch wenn diese als wünschbar erscheinen.»

Zumindest am Platz für einen Innovationspark hätte es nicht gemangelt. In Luterbach verfügt der Kanton ja über ein riesiges Areal der ehemaligen Borregaard (siehe Kasten). Das Areal sei zwar ein Kriterium, aber nicht das Wesentlichste, entgegnet die Volkswirtschaftsdirektorin. «Viel wichtiger ist die Nähe der Forschungsstätten und eben die finanzielle Machbarkeit.»