Junioren

Mannschaftszusammenhalt oder Tenue-Zwang? Der Knatsch ums Dress

Beim FC Solothurn müssen bereits die Kleinen in einem einheitlichen Tenü zum Training erscheinen.

Beim FC Solothurn müssen bereits die Kleinen in einem einheitlichen Tenü zum Training erscheinen.

Fast 390 Franken kostet es die Eltern der F-und G-Junioren des FC Solothurns, weil sie neu ihre Kinder mit einem Tenue ausrüsten müssen. Der Verein will, dass die Tschütteler einheitlich zum Training erscheinen. Wie sieht es bei anderen Vereinen aus?

Die neu eingeführte Tenue-Pflicht für die F- und G-Junioren des FC Solothurn hat bei vielen Eltern für reichlich Aufsehen gesorgt. Denn künftig müssen dort auch die Jüngsten im einheitlichen Tenue zum Training antreten. Für die Eltern bedeutet das Kosten von fast 390 Franken.

Durch das gemeinsame Tenue sollen das Mannschaftsgefühl und der Zusammenhalt der Junioren gestärkt werden. Eine Umfrage bei anderen Fussballclubs und Vereinen anderer Sportarten zeigt: Der FC Solothurn steht mit dieser Trainings-Tenue-Pflicht alleine da. Billiger wirds für die Eltern aber dennoch nicht.

Remo Kissling, Präsident des FC Subingen, kann dabei die Idee hinter einem einheitlichen Tenue durchaus nachvollziehen. «Ich fände es auch schön, wenn unsere Junioren alle einheitlich daherkommen würden.» Es stelle sich aber die Frage, ob eine Tenue-Pflicht schon bei den ganz Kleinen verhältnismässig sei. «Gerade in diesem Alter kann es sein, dass ein Spieler nach kurzer Zeit den Verein wechselt, oder das Interesse am Fussball verliert.» Eine Tenue-Pflicht für die Jüngsten sei beim FC Subingen bisher nicht Thema gewesen.

«Wir bereiten aber momentan ein Angebot an Vereinskleidern vor, welche die Nachwuchsspieler freiwillig kaufen können.» Eine Tenue-Vorschrift fürs Training werde es aber weiterhin nicht geben. Für die Spiele sei das Mannschaftsdress hingegen obligatorisch. «Dieses wird vom Verein zur Verfügung gestellt. Kaufen müssen es die Junioren nicht.»

Bei Spielen gilt Tenue-Pflicht

Dass die Spiele im einheitlichen Tenue bestritten werden müssen, ist auch in anderen Sportarten die Regel. Doch wie sieht es mit den Bekleidungsvorschriften für das Training der Jüngsten aus? «Bei uns trainieren sowohl die Junioren als auch die meisten anderen Sportler hauptsächlich in ihren eigenen Sportkleidern», meint Thomas Stüdeli, Ausbildungschef bei der Kunstturner-Vereinigung des Kantons Solothurn. Vorschriften gibt es allerdings trotzdem: «Die Sportler müssen Kunstturner-Kleider tragen. Dies ist auch wegen der Sicherheit wichtig», erklärt Stüdeli. «Lediglich für Wettkämpfe muss das Vereinstenue getragen werden.»

Stüdeli betont aber, dass es deshalb nicht automatisch viel billiger sei zu turnen, als beim FC Solothurn Fussball zu spielen. «Bei uns fallen an anderen Stellen mehr Kosten an. Je nach Trainingsvolumen kann der Jahresbeitrag schnell im vierstelligen Bereich sein.» So zeigt sich der Ausbildungschef kaum empört über die neue Regelung beim FC Solothurn.

Im eigenen Verein eine Tenue Pflicht für die Trainings einzuführen, komme für ihn allerdings nicht infrage. Turner seien Einzelsportler und weniger auf einen guten Mannschaftszusammenhalt angewiesen.

Empörung hält sich in Grenzen

Auch bei Daniel Willi, dem Präsidenten des Handball-Regionalverbands Bern-Jura-Solothurn, hält sich die Empörung in Grenzen. «Die Junioren müssen so oder so mit Sportkleidung ausgerüstet werden und brauchen auch ohne Tenue-Zwang alle zwei Jahre neue Kleider», so Willi. Unter dem Strich könne es mit den neuen Tenue-Vorschriften für die Eltern sogar günstiger werden, weil der Verein die Ausrüstung zu besseren Konditionen beziehen könne. «Das trifft natürlich nicht mehr zu, wenn der Junior bereits alles hat», räumt Willi ein.

Auch die Junioren des Handballvereins TV Solothurn dürfen in ihrer eigenen Sportbekleidung trainieren. Geschäftsführer Stefan Blaser meint: «Den Junioren schreiben wir nicht vor, in welchem Tenue sie trainieren müssen. Schliesslich soll für die Kleinsten vor allem auch der Spass im Zentrum stehen.» TenueVorschriften für Trainings gebe es beim TV Solothurn generell erst ab der ersten Liga. «Was dort vorgeschrieben ist, wird zum grössten Teil vom Verein zur Verfügung gestellt», so Blaser.

300 Franken zum Einstieg

Die Junioren des Basketballclubs Solothurn dürfen ebenfalls in den eigenen Sportkleidern trainieren. «Für die Trainings gibt es bei uns keine Vorschriften», so Nicolas Kofmehl, Sportverantwortlicher des Clubs. «Lediglich für die Spiele müssen sie einheitlich gekleidet sein. Diese Kleider werden aber vom Club zur Verfügung gestellt.» Zusätzliche Kosten für ein Vereinstenue entstehen also keine.

Ein wenig kostspieliger kann es für einen jungen Eishockeyeinsteiger werden. «Wenn der Junior mit Eishockey anfangen will, muss man mit rund 300 Franken für die Ausrüstung rechnen», meint Markus Graf, Ausbildungschef beim Schweizerischen Eishockeyverband «Swiss Icehockey». «Viele Vereine bieten für die Einsteiger Hockeybörsen an oder geben das Ausrüstungsmaterial leihweise ab. So können die Anfänger ihr Material günstig beziehen.»
Ob die Junioren bei den Trainings das Vereinstenue tragen müssen, gebe der Verband allerdings nicht vor. «Es ist Sache der Vereine, zu regeln, ob im Vereinstenue trainiert wird oder nicht. Wir geben diesbezüglich keine Regeln vor», so Graf. Im Fall des EHC Olten dürfen die Junioren in ihren eigenen Sachen trainieren. «Wir schreiben den Junioren nicht vor, in welchem Tenue sie trainieren müssen», meint Heinz Brändli, sportlicher Leiter des EHC Olten.

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