Es ist Sonntagmorgen bei Meisters in Messen. Der Duft von Züpfe und Kaffee liegt in der Luft. Im Hintergrund läuft klassische Musik, von der Terrasse späht die Katze durchs Fenster und will in die warme Stube. Ruedi Meister hat seine sonntägliche Velotour hinter sich und kommt nach einer erfrischenden Dusche an den Frühstückstisch.

Dominik öffnet noch etwas verschlafen seine Zimmertür. «Warst du im Ausgang gestern? Es ist etwas spät geworden, gell», fragt Marianne Meister ihren Sohn. Schliesslich gesellen sich Tochter Lara und Marianne Meisters Mutter Trudi Burkhard dazu. Zusammen mit dem Grosi verbringt die Familie bei Zopf und Konfitüre, Fleisch- und Käseplättli gemeinsam den Sonntagvormittag. Es wird geplaudert, gescherzt und manchmal auch politisiert am Familientisch. Fast wie immer.

Dass es der grosse Tag werden soll auf Marianne Meisters Weg ins Bundesparlament, davon ist kaum etwas zu spüren. «Ich bin ganz entspannt», sagt sie. Der Wahlkampf ruht seit einer Woche. Die Frau, die für die Solothurner FDP den Ständeratssitz zurückerobern soll, wirkt sehr gelassen.

Die Aufregung, die ihr an manchen Auftritten anzumerken war, ist verflogen. Offen räumte sie schon Anfang vergangener Woche ein: «Ich rechne nicht mir einer Wahl.» Ist es bloss eine psychologische Taktik, um die Enttäuschung im Fall einer Nichtwahl abzumildern? «Keineswegs. Ich trete gegen zwei bisherige Ständeräte und einen Nationalrat an. Ich kann eigentlich nur gewinnen.»

Körperlich am Anschlag

Verloren hat sie dann doch, und zwar ihren Heimatbezirk. Den Bucheggberg wollte sie unbedingt gewinnen, am Ende liegt sie auf dem dritten Platz, hinter Roberto Zanetti und Pirmin Bischof. Als sie nach Bekanntgabe der Endresultate in die Reithalle in Solothurn kommt, ist sie enttäuscht.

Sie, die den Vorsitz der Bucheggberger Gemeindepräsidentenkonferenz innehatte, die den Denner-Laden im Dorf führt, die Kantonsrätin ist und Präsidentin des kantonalen Gewerbeverbandes. Immerhin: Messen, wo sie aufgewachsen und seit langem Gemeindepräsidentin ist, hielt ihr die Stange. «Hätte ich hier nicht reüssiert, hätte ich mir ernsthaft überlegen müssen, noch weiter zu politisieren», sagt sie zwischen dem Interviewmarathon für Zeitungen, Radio und TV.

80 Anlässe hat Marianne Meister in den vergangenen Monaten besucht, zeitweise war sie jeden Abend unterwegs. Spätestens im Mai spürte die 53-Jährige, dass der Körper darunter leidet. «Sie kam an den Anschlag», sagt Ruedi Meister. «Da haben wir im Laden den Freiraum geschaffen, damit sie sich auf den Wahlkampf konzentrieren kann.» Der Gewerbeverband habe nicht gelitten unter dem Engagement, einzig eine Gemeinderatssitzung musste sie auslassen. Marianne Meister schaut ihren Mann und die Kinder voller Dankbarkeit an. «Ohne euch wäre das alles nicht gegangen. Merci.»

Zanettis Kompliment

Selbst wenn Meister vorläufig den Schritt aufs nationale Politparkett nicht macht, habe sie sehr viel gewonnen. Sei es das Fernsehtraining in Leutschenbach mit den SRF-Profis auf Einladung der Bankiervereinigung, seien es die Sympathiebekundungen von Gösgen bis Grenchen, vom Schwarzbubenland bis ins Wasseramt. «Ich habe enorme Fortschritte gemacht in den vergangenen Wochen.» Selbst Roberto Zanetti bemerkte an einem Anlass, dass seine Konkurrentin immer stärker werde und er sich um die Wiederwahl Sorgen machen müsse. «Das waren alles positive Erlebnisse, die mich aufgebaut haben.»

Trotz allem ist Marianne Meister froh, dass dieser Wahlkampf vorbei ist. «Ich hatte zu wenig Zeit für mich und habe mich zu wenig bewegt.» Gelitten habe das Umfeld aber nicht, sagt der Sohn Dominik. Und der Ehemann unterstreicht die pragmatische und positive Grundhaltung im Hause Meister. «Gemeinsam können wir alle Probleme lösen.»

Was kommt nun? Macht sich Marianne Meister auf, um 2017 im Regierungsrat den FDP-Sitz von Esther Gassler zu erben? «Dazu kann ich jetzt wirklich noch nichts sagen.» Immerhin hat auch die Partei viel in die Kandidatur investiert. Und: Bereits hat sie angekündigt, 2017 als Gemeindepräsidentin zurückzutreten. In diesem Jahr finden die Regierungsratswahlen statt.

All das ist am Sonntagabend in Messen kaum ein Thema. In der «Sonne» kommen Freunde und Bekannte zusammen und lassen den Wahlkampf ausklingen. Gemütlich, unaufgeregt. «Die Musikgesellschaft müssen wir nun doch nicht aufbieten», frotzelt Ruedi Meister. Hier, in ihrem Heimatdorf, ist Marianne Meister ganz bei sich und den ihrigen.