Amtsgericht

Mann lädt Kinder zum «Geheimdoktorspiel» ein – Mutter kommt rechtzeitig dazwischen

Der Mann soll die Kinder in einen Geräteschuppen gelockt haben. (Symbolbild)

Der Mann soll die Kinder in einen Geräteschuppen gelockt haben. (Symbolbild)

Das Amtsgericht Solothurn-Lebern sprach am Montag einen 22-jährigen Schweizer der versuchten sexuellen Handlungen mit Kindern schuldig. Er hatte im März 2019 in Grenchen zwei Geschwister zum «Geheimdoktorspiel» in einen Schuppen eingeladen, doch die Mutter kam noch rechtzeitig dazwischen.

«Beim Joggen habe ich zwei Kinder angetroffen, die mich gefragt haben, für was ich trainiere. Die Kinder wollten mir einen Töff in einem Schuppen zeigen», beschrieb Kurt D.* den Ablauf jenes Frühlingsabends.

An viel mehr könne er sich heute nicht mehr erinnern. «Haben Sie den beiden Kindern den Vorschlag gemacht, man könnte Geheimdoktor spielen?», fragte Amtsgerichtsstatthalter Matthias Steiner. Als eine Antwort ausblieb, hakte der Richter nach: «Ist es für Sie schwierig, darüber zu sprechen?» «Ich weiss nur noch, dass ich ihren Kopf sanft berührt habe. Ich glaube, ich habe sie noch am Bauch berührt», wurde der Beschuldigte konkret.

Angeklagte ist kein unbeschriebenes Blatt

Als die Mutter ihre beiden Kinder zu sich rief, bemerkte sie die suspekte Situation. Das Mädchen habe danach ausgesagt, der Mann habe sie unter den Kleidern mit ganz kalten Händen berührt. «Sind sie absichtlich in den Schuppen gegangen, damit es niemand sieht?», wollte der Richter wissen. «Ich glaube, Sie haben schon recht. Aber ich bin nicht sicher», druckste sich der Angeklagte.

Gutachten wegen sexueller Neigung liegt vor Kurt D., der eine IV-Rente bezieht und in einer betreuten Wohnform lebt, ist kein unbeschriebenes Blatt und seine Neigung, sich zu kleinen Mädchen hingezogen zu fühlen, aktenkundig. So wurde in einem ähnlichen Fall bereits vor zwei Jahren ein forensisch-psychologisches Gutachten erstellt und eine Therapie angeordnet, weil er ein «sexualbezogenes Leben führt».

Nur bedingt schuldfähig

Aufgrund kognitiver Einschränkungen wird Kurt D. im Gutachten als nur bedingt schuldfähig eingestuft. «Die Doktorspiele stehen aus Sicht der Staatsanwaltschaft klar in sexuellem Kontext», war in der Anklageschrift zu lesen. Staatsanwältin Petra Grogg forderte darin angesichts der hohen Rückfallgefahr eine Verurteilung zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von fünf Monaten. Nur so könne erreicht werden, dass sich der Beschuldigte in Zukunft wohl verhalte.

«Objektiv ist der Tatbestand der sexuellen Handlungen mit Kindern nicht erfüllt, weil es nur zu Berührungen am Kopf und Bauch gekommen ist», sagte Fürsprecher Beat Zürcher. «Hätte mein Mandant vorgehabt, sexuelle Handlungen mit dem Mädchen vorzunehmen, hätte er den kleinen Bruder weggeschickt. Da er auch an sich selber keine sexuellen Handlungen vornahm, sind objektiv keine Fakten erkennbar, die zu einem sexuellen Übergriff hätten führen können.» Der Verteidiger forderte Freispruch.

Das Amtsgericht war anderer Meinung. «Das Gericht stützt sich dabei auf die glaubhaften Aussagen des Opfers ab, die teilweise durch den Angeklagten bestätigt wurden», so der Amtsgerichtsstatthalter. Angesichts der speziellen Situation wurde der Angeklagte zu einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen à 10 Franken verurteilt, die dieser mit dem Lohn aus der Arbeit im betreuten Wohnen abzahlen kann. Dann wandte sich Steiner direkt an den Beschuldigten: «Das war das letzte Mal, dass eine Geldstrafe ausgesprochen wird. So etwas darf nicht mehr vorkommen, sonst wird sehr wahrscheinlich eine Freiheitsstrafe ausgesprochen.»

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