Gefälschte Lohnabrechnungen, fingierte Passkopien und Betreibungsregisterauszüge sowie zwei fiktive Identitäten. Vor knapp sechs Jahren hat ein heute 32-jähriger Schweizer aus dem Niederamt für drei Monate gehörig Aufwand betrieben und von drei Kreditinstituten Privatkredite im Gesamtbetrag von 185 000 Franken erhalten; Geld, das er auch für Autos ausgab. Am Mittwoch beurteilte das Obergericht den Fall von Thomas D.* Die Anklage lautete auf Betrug, Betrugsversuch, Urkundenfälschung, Geldwäscherei sowie den Versuch dazu in mehreren Fällen.

Zu seiner Person gab Thomas D., der seit Beginn des Verfahrens geständig ist, bereitwillig Auskunft. Er sei verheiratet und arbeite bei einer grossen Firma mit sehr gutem Salär. Zusätzlich zur Vollzeitstelle habe er eine eigene Informatikfirma. Seine spärliche Freizeit investiere er ins Familienleben und den Zivilschutz. Den Kredit bei der Migros Bank über 55'000 Franken, den er im Sommer 2011 mithilfe gefälschter Lohnabrechnungen im eigenen Namen erhalten hatte, habe er bereits vollständig zurückgezahlt.

«Auf grossem Fuss» trotz Schulden

Kritisch reagierte das Gericht auf die zwei geleasten Mercedes und die Wohnkosten von rund 2500 Franken monatlich. «Auf grossem Fuss» lebe das Paar. Dass für die Kredite bei den geschädigten Banken, Cashgate und Bank now, noch keine Rückzahlungen geleistet wurden, stiess den Richtern sauer auf. Für diese Kredite hatte der Angeklagte mit gefälschten Dokumenten zwei fiktive Identitäten geschaffen, wobei er für ein Alias beim damaligen Wohnhaus sogar einen Briefkasten aufstellte. «Alle drei miteinander sind schwierig zu meistern, deshalb habe ich mich auf die Migros Bank konzentriert», rechtfertigte sich D.

Sein Verteidiger, Konrad Jeker, begründete das Vorgehen mit der Ungewissheit des Urteils. Dieses sei auch für die Verwendung der beschlagnahmten Gelder im Umfang von gut 70'000 Franken entscheidend. Jeker erklärte, dass er die Motivation seines Mandanten nie verstanden habe, Mitte Zwanzig kurzzeitig eine solche kriminelle Energie zu entwickeln. D. sei kein Schwerverbrecher, betonte der amtliche Verteidiger. «Die Migros Bank hat mit der Zinsentwicklung des Kredits sogar ein Geschäft gemacht.»

Der Verteidiger beantragte folglich, den Migros Bank-Kredit vom Betrugsvorwurf auszunehmen. Zudem verlangte er den Freispruch vom Vorwurf der Geldwäscherei sowie im Fall der fingierten Lohnabrechnungen einen Freispruch von der Urkundenfälschung.

Reue stösst Tatbestand nicht um

Staatsanwalt Mike Kindler sah in Thomas D. «ein Paradebeispiel für eine falsche Abzweigung in einem eigentlich unauffälligen Leben». An der Deliktsumme von 185'000 Franken und am Vorwurf der Geldwäscherei sei festzuhalten. Reue von Kreditbetrügern könne den Tatbestand nicht umstossen. Kindler erinnerte daran, dass die Betrugsversuche, hätten sie gefruchtet, den Schaden auf 345'000 Franken vergrössert hätten.

Das Verfahren dauerte sehr lange

Als Strafmass beantragte der Staatsanwalt eine bedingte Freiheitsstrafe von 24 Monaten bei drei Jahren Probezeit und eine Geldstrafe. Das Obergericht verurteilte Thomas D. wegen Betrugs, Geldwäscherei und Urkundenfälschung zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 24 Monaten bei zwei Jahren Probezeit und zu einer Ersatzforderung des Staats (nur für den Fall, dass die ausstehenden Bankkredite nicht zurückgezahlt werden sollten).

Strafmildernd wirkte sich die «überlange Verfahrensdauer» aus. Mit dem Freispruch im Fall Migros Bank bestätigte das Obergericht das Urteil der ersten Instanz. Die beschlagnahmten Gelder kommen den geschädigten Banken zugute.

*Name von der Redaktion geändert.