Lebensmittelkontrolle
Mangelnde Hygiene und «helvetisiertes» Fleisch: Das sind die Resultate der Lebensmittelkontrolle

Über 80 Prozent der Proteinshakes, Müsliriegel und Koffeinampullen sind nur mangelhaft deklariert. Auch bei Restaurants und Händlern stiessen die Solothurner Kontrolleure auf Mängel

Noëlle Karpf
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Ein Mitarbeiter der Lebensmittelkontrolle untersucht eine Probe im Labor. (Symbolbild)

Ein Mitarbeiter der Lebensmittelkontrolle untersucht eine Probe im Labor. (Symbolbild)

KEYSTONE

Proteinshakes, Müsliriegel und Koffeinampullen: Damit ersetzen oder ergänzen Sportler andere Nahrungsmittel. Diese Produkte kann man im Internet bestellen. Es gibt aber auch Läden, die importierte Ware anbieten. Die kantonale Lebensmittelkontrolle nahm im vergangenen Jahr Sportlernahrung dreier Händler unter die Lupe. Ein Grossteil der Produkte ist durchgefallen: Von den 17 kontrollierten Produkten wurden 14 beanstandet – das sind über 80 Prozent.

In ihrem soeben veröffentlichten Geschäftsbericht 2016 schreibt die Lebensmittelkontrolle, das sei kein überraschendes Ergebnis. Ein Grossteil der Ware käme aus dem Ausland, wo nicht dieselben Lebensmittelvorschriften wie in der Schweiz gelten. Bei 10 der 14 Produkte fehlte die Angabe genau dieses Produktionslandes. Bei anderen stimmten Eiweisswerte, Allergendeklarationen oder die empfohlene Tagesration nicht. Bei einem Produkt fehlten die obligatorischen Warnhinweise.

«Schweizer Fleisch» und «Bio»: Falsche Verpackungsangaben

Die Lebensmittelkontrolle überprüft nicht nur einzelne Produkte, sondern auch Restaurants und Lebensmittelhändler. In über der Hälfte der kontrollierten Betriebe sind die Selbstkontrollen laut den Kontrolleuren ungenügend. Das heisst: Der Betreiber achtet zu wenig darauf, ob in seinem Geschäft Vorschriften eingehalten werden.

Fünf Badis und Hallenbäder wurden beanstandet

Das Trink- und Badewasserinspektorat hat 2016 12 Hallenbäder und 7 Freibäder kontrolliert. Insgesamt wurden fünf Bäder beanstandet. Das Inspektorat beanstandete ebenfalls vier von 32 Beckenwasserproben. Gründe sind beispielsweise zu hohe Chlorwerte oder die mangelhafte Dokumentation der Wasserkontrollen.

2016 überprüfte das Inspektorat die Wasserproben auch auf Trihalogenmethane (THM). THM entsteht bei der Reaktion von Chlor und Schmutzstoffen im Badewasser und wird als «wahrscheinlich krebserregend» eingestuft. Seit Mai 2017 gelten neue THM-Höchstwerte in Bädern. Zwei Frei- und zwei Hallenbäder überschritten diese Werte leicht. (nka)

In über einem Drittel der Betriebe waren zudem Lebensmittel falsch beschriftet. So war auf Pizzen nicht wie auf der Verpackung geschrieben «hochwertiger Schinken», sondern eine einfache «Pizza-Auflage» (ein Schweinefleischerzeugnis) drin. Andere verkauften «Bio»-Produkte, die gar nicht «bio» waren. Laut dem Geschäftsbericht wird Fleisch zudem oft «helvetisiert». Das bedeutet, auf der Speisekarte steht «Schweizer Fleisch», obwohl das Fleisch aus dem Ausland kommt.

Auch die Fleischart wurde nicht immer korrekt angegeben: So stand bei untersuchten Würsten «ohne Schweinefleisch» auf der Verpackung – obwohl Schweinefleisch drin war. Bei anderen Würsten stimmten Poulet-, Huhn- und Trutenfleischangaben nicht.

Hygiene und Temperatur: Personal pfeift auf Vorschriften

Noch mehr Betriebe fielen wegen «persönlichem Fehlverhalten» durch. In rund drei Viertel der kontrollierten Betriebe werden beispielsweise Hygiene- oder Temperaturvorschriften nicht eingehalten, heisst es im Geschäftsbericht. Aus diesem Grund sei auch rund ein Drittel der vorgekochten Speisen in den kontrollierten Betrieben nicht in Ordnung, so das Fazit der Lebensmittelkontrolle. Rund ein Fünftel der kontrollierten Betriebe besserte sich auch nach einem zweiten Besuch der Lebensmittelkontrolle nicht. Diese Betriebe mussten danach mit ihren Mitarbeitenden eine Schulung durchführen lassen.

Erfreulicher sind derweil die Ergebnisse der Kontrollen der beiden Street-Food-Festivals in Solothurn und Olten. Die Mehrheit der Standbetreiber hält sich an die gesetzlichen Vorschriften. Laut den Solothurner Kontrolleuren habe es nur «vereinzelt» Ausnahmen gegeben – «genau diese Ausnahmen haben aber gezeigt, dass eine gute Überwachung dieser Anlässe unabdingbar ist».

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