Der tragischste Motorradunfall seit Anbeginn dieses Jahres dürfte vielen noch sehr gut in Erinnerung sein. Am 7. April prallte auf der Bielstrasse zwischen Bellach und Selzach ein junger Biker mit einem Auto zusammen und verstarb noch auf der Unfallstelle.

Zwar war dies im laufenden Jahr der bisher einzige tödliche Motorradunfall im Kanton, trotzdem zeigen allein schon die Anzahl Rega- und TCS-Helikopter-Einsätze (mindestens fünf), dass Töfffahrer auf Solothurns Strassen auch dieses Jahr wieder gefährlich leben.

Ein weiterer Beweis dafür sind auch die zwei Töfffahrer, die beide am Samstag 10. Mai an verschiedenen Orten im Kanton (Büren und Erschwil) verunfallten. Beide überlebten zwar ihre Stürze, mussten jedoch mit mittelschweren Verletzungen ins Spital gebracht werden. Die Zahlen sprechen Klartext: In den ersten fünf Monaten dieses Jahres hat die Kantonspolizei Solothurn etwas mehr als 30 Verkehrsunfälle mit Motorrad-Beteiligung registriert.

Kapo: Keine Unfall-Zunahme

Im letzten Jahr wurden auf Solothurner Strassen insgesamt 108 Verkehrsunfälle mit Motorrad-Beteiligung registriert. 20 Biker verletzten sich dabei schwer, 71 leicht und 17 blieben unverletzt - Todesfälle gab es keine. Die Motorrad-Unfallzahlen seien in der ersten Periode dieses Jahres in etwa die gleichen wie im Vorjahr, sagt Bruno Gribi, Mediensprecher der Kantonspolizei Solothurn.

Er erklärt: «Bei guter Witterung sind vermehrt Motorradlenker unterwegs und dadurch ereignen sich auch vermehrt Motorradunfälle als bei schlechtem Wetter.» Weil die Unfallursachen 2014 im Detail noch nicht ausgewertet seien, könne er dazu keine abschliessenden Aussagen machen. «Beim einen oder anderen Unfall spielt gerade im Frühling aber sicherlich die fehlende Fahrpraxis eine Rolle. Dabei muss es sich aber keinesfalls immer um einen Neulenker handeln.»

«Obwohl die Anzahl der Unfälle mit schweren Verletzungen oder Todesfolge in den letzten Jahren tendenziell rückläufig ist, bleiben Motorradfahrer gefährdete, weil stark exponierte, Verkehrsteilnehmer», sagt David Venetz, Mediensprecher des TCS.

Er liefert dazu entsprechende Zahlen: 2013 wurden auf Schweizer Strassen bei Motorradunfällen 55 Personen getötet und 1181 schwer verletzt (gegenüber 74 Toten und 1219 Verletzten im Jahr 2012). Der Experte sagt, dass die Erfahrung mehrerer Jahrzehnte gezeigt habe, dass Motorradunfälle stark witterungsabhängig sind.

Laut dem Bundesamt für Strassen (Astra) dürfte die positive Bilanz vom letzten Jahr vor allem mit den bis Ende April anhaltenden winterlichen Verhältnissen, dem nassen Herbst sowie mit dem Wintereinbruch bereits Mitte Oktober in den Alpen zu tun haben.

bfu setzt auf Präventionskampagne

Daniel Menna, Mediensprecher der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) verweist auf Anfrage auf die Präventionskampagne «Stayin' Alive». Diese wurde gemeinsam mit der Föderation der Motorradfahrer der Schweiz (FMS) lanciert und richtet sich direkt an Motorradfahrer.

Mit sogenannten Überlebensstrategien wie «Sei auf der Hut, auch Platzhirsche werden abgeschossen» oder «Pfeif auf deinen Vortritt, statt mit den Engeln zu singen», sollen Töfffahrer darauf hingewiesen werden, dass sie mit Fahrfehlern anderer rechnen müssen. Gemäss bfu sind die Motorradfahrer nämlich bloss in knapp einem Drittel aller Unfälle alleine für den Unfall verantwortlich.