Langendorf
Mangel an Sensibilität: Die Post gratuliert zum ewigen Umzug

«Eine aufregende Zeit neigt sich dem Ende zu und macht Platz für hoffentlich viele erholsame Momente in Ihrem neuen Zuhause», schreibt die Post in einem Werbebrief an einen Verstorbenen. Die Tochter, welche sich die Post ihres toten Vaters hat umleiten lassen, findet das gar nicht lustig.

Fränzi Rütti-Saner
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Ärger mit Werbepost von der Post – an einen Verstorbenen. Symbolbild: Poststelle in Solothurn.

Ärger mit Werbepost von der Post – an einen Verstorbenen. Symbolbild: Poststelle in Solothurn.

Anfang Juli stirbt in Langendorf Herr H. Die Tochter, die in Langenthal wohnt, ordnet alles Administrative und sucht am 16. Juli in diesem Zusammenhang die Poststelle in ihrem Wohnort auf. Dort will sie erwirken, dass künftig eintreffende Post an den verstorbenen Vater so rasch als möglich an ihre eigene Adresse umgeleitet wird.

Nach der Beratung durch die Schalterbeamtin füllt diese für die Kundin das Post-Formular «Nachsendeauftrag/Wohnungswechsel» aus, jedoch ohne schriftlich darauf zu vermerken, dass es sich hier um einen Todesfall handelt. Ein Fehler mit ungeahnten Konsequenzen.

Um die Tatsache des Todes des ehemaligen Postkunden zu untermauern, brachte die Tochter – wie von der Post verlangt – die Original-Todesurkunde des Vaters mit, und die Beamtin erstellte eine Kopie davon. Die Tochter ging also davon aus, dass diese Kopie dem Formular irgendwie beigelegt würde. Die Kosten für den Nachsendeauftrag: 42 Franken, plus 10 Franken, damit dieser per sofort, und nicht erst nach der Bearbeitung durch das Post-Kompetenzzentrum «Adressen» in Luzern, gelten soll.

Umzugsset erhalten

Die Umleitung der Post des Toten klappte, doch ein paar Tage darauf erreicht ein Brief der Post an den Verstorbenen die erstaunte Tochter. Mit «Nützliches für Ihren Umzug» ist das Schreiben übertitelt und man macht darin den Adressaten darauf aufmerksam, dass sein «Nachsendeauftrag» nun ein Jahr lang gelte und er dafür ein «Umzugsset» erhalte, worin er «zum Beispiel praktische Selbstklebeadressen, die Sie für Bestellungen und Adressänderungen verwenden können», finde.

Denn, so steht in diesem Werbebrief weiter: «Ein Umzug schafft immer auch neue Bedürfnisse. Deshalb finden Sie im Umzugsset zudem ein paar ausgewählte Angebote unserer Partner. Schön, wenn Sie davon Gebrauch machen.» Ärgerlich für die Tochter.

Post entschuldigt sich

Sie reklamierte am 29. Juli schriftlich beim Absender, und machte nochmals darauf aufmerksam, dass der Adressat verstorben sei und man diese Tatsache doch bitte zur Kenntnis nehmen solle. Auch schon am gleichen Tag wird im Post-Kompetenzcenter «Adressen» in Luzern ein Antwort-Brief verfasst, in dem sich die Teamleiterin Kundendienst sowie eine Sachbearbeiterin Kundendienst für die unliebsame Post an den Toten entschuldigen.

Sie erklären aber, dass dieses Umzugsset «automatisch» zugestellt werde, weil auf dem Post-Schalter das «Nachsendeauftrag»-Formular verwendet wurde. Verbesserung sei aber in Sicht, schreiben die Damen, denn: «Bei Umleitungsaufträgen für die Postsendungen verstorbener Personen bietet die Post CH AG neu seit Mitte Juli 2013 eine eigene Dienstleistung «Auftrag für verstorbene Person» an.

Die Kosten für diesen Auftrag seien gleich hoch wie diejenigen für einen Nachsendeauftrag/Wohnungswechsel, nämlich 42 Franken am Schalter und 30 Franken online. Zitat: «Zuvor wurde praxisgemäss ein vorübergehender gültiger Nachsendeauftrag erstellt, bei welchem höhere Kosten angefallen wären».

Ein Blick in die Gebührenliste der Post zeigt: Das wären dann 22 Franken für zwei Wochen und für jede weitere Woche zusätzlich 4 Franken. Zudem, war im Entschuldigungsbrief auch noch zu lesen, sei die zuständige Stelle noch einmal auf die korrekte Entgegennahme der Nachsendeaufträge sensibilisiert und der Nachsendeauftrag an den verstorbenen Herrn H. entsprechend angepasst worden. Um den Ärger zu mildern, wurde ein Briefmarkenpräsent beigelegt. Vielen Dank! Damit, so schien es, wäre die Angelegenheit vom Tisch.

Für die Post scheints schwierig zu sein

Doch weit gefehlt. Zwei Tage später kamwieder Post an den Verstorbenen. «Nützliches für Ihren Umzug» hiess es da nochmals im Betreff. Der gleiche Werbebrief wurde nochmals geschickt. Wiederum wurde das «Umzugsset» beigelegt, und: «Schön, wenn Sie davon Gebrauch machen.» Die inzwischen ziemlich erboste Tochter schrieb am 5. August ein Mail an die Post und fragte: «Wie oft wollen Sie meinem verstorbenen Vater noch solche Schreiben senden?» Eine Woche später, am 12. August, folgte das Antwortmail der Post.
Man entschuldigte sich nochmals für das Umzugsset, welches eben automatisch zugestellt werde, wenn ein Nachsendeauftrag/Wohnungswechsel-Formular aufgegeben wird. Man schicke es nur dann nicht, wenn explizit nicht gewünscht würde, von den «kostenlosen Umzugsdienstleistungen der Schweizerischen Post» zu profitieren.

Im Übrigen: Für verstorbene Personen könne nicht das Formular Nachsendeaufträge/Wohnungswechsel verarbeitet werden, da bei Todesfällen aus rechtlichen Gründen das Formular «vorübergehend gültiger Nachsendeauftrag» verwendet werden müsse, wurde diesmal belehrt. «Wir bedauern, sollten Sie diesbezüglich falsch informiert worden sein».

Ein völlig anderes Formular also? Die Verwirrung scheint bei der Post komplett zu sein. Und weiter schrieb diese neue Sachbearbeiterin in holprigem Deutsch: «Die Adresse von ihrem Vater wurde für Werbezwecke gesperrt. Sie werden von uns keine weiteren Werbesendungen mehr erhalten.» Wers glaubt!

Auch die Migros meldet sich

Denn gleich zwei weitere Briefe der Post erreichten den Verstorbenen Anfang September. Darin wurde diesmal das «Angebot für Ihr neues Zuhause» angepriesen, denn man nahm jetzt doch an, dass sich der Kunde nach dem Wohnungswechsel am neuen Ort langsam eingerichtet habe. So ist denn in diesen zwei fast gleichzeitig eingetroffenen Schreiben Folgendes zu lesen: «Eine aufregende Zeit neigt sich dem Ende zu und macht Platz für hoffentlich viele erholsame Momente in ihrem neuen Zuhause.»

Die Tochter wendet sich zum letzten Mal und diesmal in aller Deutlichkeit an das Kompetenzcenter «Adressen» der Post in Luzern. Am 8. September mailt sie: «Es ist kaum zu glauben! Nachdem ich nun mehrmals per Telefon und E-Mail darauf hingewiesen habe, dass mein Vater verstorben ist, erhalte ich nun nicht einmal, nein, gleich zweimal ein ‹Angebot für Ihr neues Zuhause›. Besteht wohl die Möglichkeit, dass Sie zur Kenntnis nehmen, dass mein Vater verstorben ist? Und dies definitiv!»

Als Antwort bekam sie nun ein Schreiben von der Migros an den Verstorbenen: «Herzlich Willkommen im neuen Zuhause» war dieser Brief übertitelt. «Wie kommt jetzt die Migros dazu, die Adresse meines toten Vaters zu Werbezwecken zu nutzen», fragt sich Tochter S. Das ist jetzt ja wohl eine andere Geschichte.

Fragen an die Post: Was ist im Todesfall zu tun?

Was muss man richtigerweise im Todesfall eines Angehörigen tun, dessen Post man an die eigene Adresse umleiten lassen möchte?
Nathalie Dérobert Fellay*: Bei Nachsendung im Todesfall ist ein vorübergehend gültiger Nachsendeauftrag für 42 Franken vorgesehen. Beim Schalter den Todesfall bekannt geben und die notwendigen Dokumente mitnehmen. Dem Schalterpersonal die Nachsendedauer bekannt geben.

Welche Ausweise müssen mitgebracht werden?
Am Schalter ist eine entsprechende Berechtigung vorzuweisen, dazu müssen folgende Dokumente mitgebracht werden: Erbbescheinigung, Todesschein, Ausweispapiere, Pass, Identitätskarte, Führerausweis oder Ausländerausweis. Wenn die Ausstellung der Erbbescheinigung länger dauert, so können bis zu deren Vorliegen die Postsendungen und Auszahlungen für die verstorbene Person in der Bestimmungspoststelle zurückbehalten werden (längstens während sechs Monaten).

Müssen Formulare ausgefüllt werden?
Keine.

Und was kostet das Ganze?
42 Franken.

Ist es ratsam, den Briefkasten des Verstorbenen noch einige Tage zu überwachen?
Ja. Zumindest am folgenden Werktag nach Auftragserteilung des vorübergehend gültigen Nachsendeauftrags.

Und warum, glauben Sie, hat die Post im oben erwähnten Fall Werbepost an den Toten verschickt?
Es lässt sich vermuten, dass der Nachsendeauftrag nicht korrekt erfasst wurde. Das Schalterpersonal ist angewiesen, bei einem Auftrag für eine verstorbene Person einen entsprechenden Vermerk im System zu machen. Dies stellt sicher, dass die Umzugssets nicht versendet werden. (frb)

*Nathalie Dérobert Fellay ist Mediensprecherin der Post.

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