Rabiat, plump und primitiv, so lesen sich seine Handlungen in der Anklageschrift. Der heute 42-jährige Kamer D.* begrapschte zu Herbstbeginn vor anderthalb Jahren mehrmals eine damals 15-jährige Lehrtochter, als er als Maler mit ihr auf einer Baustelle in Solothurn arbeitete. Zum Beispiel packte er sie im Firmenfahrzeug an den Haaren, hinderte sie so am Aussteigen, zog ihren Kopf zu sich auf den Schoss und fasste sie teils unter dem T-Shirt und dem BH an die Brüste.

Er sagte: «Komm kuscheln.» Oder: Im als Pausenraum genutzten Meetingraum der Überbauung hob er die Jugendliche hoch, setzte sie auf den Tisch und stellte sich so zwischen ihre Beine, dass sie nicht mehr weggehen konnte. Anschliessend fasste er ihr mit der Hand in ihre Hose, wo er sie schliesslich mit den Fingern in der Vagina penetrierte. Dabei fasste er wiederum an ihre Brüste.

Als sie aus dem Lift aussteigen wollte, hinderte er sie daran, stieg ein und drückte einen Halte-Knopf im Keller. Während der Fahrt presste er die Lehrtochter an die Wand und befummelte ihr über und unter der Kleidung ihre Brüste. Im Keller angelangt, hinderte er sie am Aussteigen und sorgte dafür, dass der Lift nach oben und wieder nach unten fuhr, immer begleitet mit den sexuellen Übergriffen. Das junge Mädchen versuchte sich stets zu wehren, verbal und physisch, doch sie war dem um 25 Jahre Älteren unterlegen.

Immerhin konnte sie dem Lüstling am dritten und letzten Tag der Übergriffe in die Finger beissen, nachdem er ihr im Pausenraum die Privatkleider vor dem Umziehen weggenommen hatte und sie auf den Boden drückte. Als er aggressiver wurde, trat sie ihm zwischen die Beine, konnte ihre Kleider ergreifen und entkam. Erst nach dem dritten Tag erstattete das Mädchen Anzeige.

Kontaktverbot zu Minderjährigen

Der in der Region wohnhafte Mann stand am Donnerstag vor dem Amtsgericht Solothurn-Lebern. Da erfuhr man jedoch kaum mehr, als in der Anklageschrift stand, denn es war ein abgekürztes Verfahren, weil sich die Parteien im September letzten Jahres auf einen Vergleich geeinigt hatten. Der Schweizer balkanischer Abstammung bekannte sich vollumfänglich für schuldig und akzeptierte die Strafen.

Er wurde von den Richtern Claude Schibli, Christoph Mathys und Rosmarie Châtelain wegen mehrfacher sexueller Nötigung, mehrfacher sexueller Handlungen mit Kindern und mehrfacher sexueller Belästigung verurteilt. Das Opfer erhält von ihm eine Genugtuung von 4000 Franken, einen Schadenersatz von 7000 Franken (es brach die Lehre beim Stadtsolothurner Malerbetrieb ab) sowie Entschädigung für Anwaltskosten von 2500 Franken.

Er muss weiter eine Busse von 1000 Franken bezahlen und erhält eine bedingte Gefängnisstrafe von 24 Monaten, bei einer Probezeit von zwei Jahren. Mindestens während der Probezeit muss er sich einer Gewaltberatung unterziehen und ihm wird Bewährungshilfe angeordnet. Schliesslich wird ihm für zehn Jahre jede berufliche und jede organisierte ausserberufliche Tätigkeit, die einen regelmässigen Kontakt zu Minderjährigen umfasst, untersagt.

Deal: Acht Monate weniger

Während Staatsanwältin Petra Grogg vor Gericht bemerkte, dass der Angeklagte sein Geständnis erst zögerlich ablegte, fand Verteidiger Daniel Gehrig: «Das zurückhaltende Aussageverhalten lässt sich schlicht mit Scham erklären. Mein Mandant schämt sich extrem.» Und: Er könne sich seine Taten selbst nicht erklären. «Er weiss nicht, was für ein Teufel ihn geritten hat.» In diesem Moment lief Kamers Gesicht rot an und er begann zu weinen. Bis zum Ende der kurzen Verhandlung wischte er immer wieder erneut auftauchende Tränen weg.

Der bisher unbescholtene, verheiratete Familienvater hätte Grogg zufolge für seine Taten acht Monate mehr kassiert, doch weil er in ein abgekürztes Verfahren eingewilligt hatte, wurde die Strafe reduziert. Es wurde mehrmals hervorgehoben, dass es zwar keine Bagatelle war, dass die Handlungen jedoch in einem kurzen Zeitraum erfolgten. Gehrig merkte noch an, dass sein damaliger Arbeitgeber über Kamer sagte, dass er ein «Musterbeispiel eines ausländischen Mitarbeiters» gewesen sei und sich sehr gut eingelebt habe. Das missbrauchte Mädchen war nach Abbruch der Lehre einige Zeit stellenlos und konnte dann eine «Notlösung» finden.

* Name geändert.