Die Tänzerin Anja Gysin liebt magische Aufführungsorte wie letztjährig mit ihrem Stück «Die blaue Stunde» an der Aare. Am Samstag fand die Premiere der diesjährigen Produktion «Einklang» als Tanzinstallation unter freiem Himmel bei Sonnenuntergang statt. Diesmal möchte sie ihrem Publikum einen raumgreifenden, neuen Blick auf die Landschaft in und um die östlich ans Schloss Waldegg anschliessende Allee vermitteln.

Ihr Thema «Einklang» übersetzt sie mit Dramaturgin Marion Rothaar und 16 Mitwirkenden in sechs gestaltete Szenen. Hier spielen die Elemente Luft und Erde eine essenzielle Rolle. Es entstehen geheimnisvoll-berührende Bilder, welche hiesige Landschaft geradezu beseelt erleben lassen.

Märchenhafte Gestalten

Eine vierköpfige Darstellergruppe verdichtet zum Auftakt der einstündigen Kunstwanderung durch die Allee die menschliche Erdbezogenheit, welche Kraft zum schwingungsreichen Wachsen verleiht. Ein überdimensionales Windspiel nimmt Blick und Gehör gefangen, bis die erdgebundene, durch ein elastisches Textil miteinander korrespondierende Wellenbewegung zweier Tänzerinnen die Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Fast wie hochbeinige Insekten laufen beide – von der Schwerkraft befreit – davon. Wie eine märchenhafte Spukgestalt stolziert ein Stelzenmann vorbei und gibt die Sicht auf einen rotschimmernden Ort frei. Mit artistischer Beweglichkeit dreht und wendet sich dort eine Tänzerin fast schwerelos in verknoteten Tuchbahnen. Begleitet wird sie von einem gestrichenen «Waterfall»-Instrument.

Auf der sich anschliessend öffnenden Matte lockt eine Xylophon-Melodie die im Vierfüsslerstand übereinander hüpfende Tänzergruppe an: Sie agieren so leicht wie die im Feld zirpenden Grillen. Eine Cellospielerin fesselt mit zartem Klang, zu dem sich aus den Baumwipfeln eine Person löst, die unter einem gespannten Seil sicher hängend durch die Luft gleitet. Dieses lautlose Schweben übt eine unerwartete, geradezu traumhaft suggestive Wirkung vor dem Jura-Hintergrund aus.

Einfallsreichtum

Mit Einfallsreichtum und tänzerischer Virtuosität gelingt Anja Gysin mit diesem Projekt die Verschmelzung von Natur, Landschaft und Mensch. Es ist ein Erlebnis, bei welchem der Betrachtende auch zum Hörenden wird. Denn die auf Klangschalen, einer Station mit Rhythmusinstrumenten, den entfernteren, dunkel dröhnenden und den anderen Schallquellen ergibt sich ein breit gefächertes Klanggeschehen. Von diesen Impulsen werden die Szenen geprägt.

Für die Musik sind Sebastian Aegerter und Chantal Langlotz verantwortlich; für die fast mystisch wirkende Ausleuchtung der Spielorte ist Richard Henschel zuständig. Die Dramaturgie besorgte Marion Rothhaar.

Die Tanzinstallation findet an den Abenden nochmals vom 25. und 26.Juni und vom 28. Juni bis 1. Juli statt. Beginn jeweils bei Sonnenuntergang um 21.21 Uhr. Treffpunkt beim Osteingang Schloss Waldegg. Reservation empfohlen unter 076 460 08 79.