Notfall
Mädchen verletzt sich im Bürgerspital – wieso muss es aber nach Grenchen?

Ein zweieinhalbjähriges Mädchen verletzt sich bei einem Patientenbesuch im Bürgerspital Solothurn am Kopf – und muss zur notfallmässigen Behandlung nach Grenchen. Das versteht der Vater gar nicht.

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In der Notfallstation des Bürgerspitals Solothurn ist vor allem am Wochenende Hochbetrieb.

In der Notfallstation des Bürgerspitals Solothurn ist vor allem am Wochenende Hochbetrieb.

Hansjörg Sahli

Als sich seine zweieinhalbjährige Tochter bei einem Besuch eines Bekannten im Bürgerspital Solothurn an einem Stuhl den Kopf stiess und Blut floss, war Mike Exposito aus Horriwil im ersten Moment froh, «bereits im Spital und somit quasi an der Quelle der helfenden Hände» zu sein. So beschreibt er den Aufenthalt vor zirka zwei Wochen in einem Leserbrief, der am Montag abgedruckt wurde.

«Als wir dann den Notfall aufsuchten, wurden unsere Hoffnungen auf schnelle Heilung rasch getrübt», sagt er. Die Ärzte hätten ihm gesagt, dass in Solothurn kleine Kinder «nur im äussersten Notfall», behandelt würden. In Grenchen aber könne ihm geholfen werden.

So fuhr der verwirrte Vater mit seiner «noch immer blutenden Tochter» nach Grenchen zum Kinderarzt. Dort konnte die drei Zentimeter lange Platzwunde geklebt werden. Dennoch ärgert ihn der Gedanke «an die offensichtlich bedenklich unflexiblen Reglementarien im Notfall des Bürgerspitals.»

Die Solothurner Spitäler AG (soH) könne den Unmut des Vaters gut verstehen, wie soH-Mediensprecher Eric Send in einer Antwort auf den Leserbrief schreibt. «Für die meisten Eltern ist es unverständlich, weshalb im Bürgerspital Solothurn oder am Kantonsspital Olten keine Kleinkinder behandelt werden können.»

Es brauche die Erfahrung eines Kinderarztes, um ein Kind beurteilen und behandeln zu können – vom ersten Kontakt zum Kind bis zur Vorbereitung der Wunde und der Dosierung der Medikamente. «Gerade wenn sich Kleinkinder am Kopf verletzen ist es sehr wichtig, dass neurologische Abklärungen bezüglich Hirnerschütterung oder Hirnblutung von einem erfahrenen Pädiater vorgenommen werden, der aus den Symptomen die richtigen Schlüsse ziehen kann», so Send.

Ein Kinderarzt sei täglich im Dienst – jedoch in seiner eigenen Praxis. «Kinder unter 3 Jahren werden prinzipiell an die Kinderärzte verwiesen, damit ihnen eine kindgerechte Behandlung zuteilwird», erklärt Send. Ab 3-Jährig würden die Kinder auf der Notfallstation dann meistens in telefonischer Absprache mit Kinderärzten «nach bestem Ermessen» beurteilt und je nachdem behandelt oder auch an pädiatrische Fachärzte weitergewiesen.

Trotz richtigem Entscheid, das Kind zum diensthabenden Kinderarzt zu schicken, gesteht Send einen Fehler vonseiten des Bürgerspitals ein. «Es wurde leider verpasst, dem Vater des Kindes zu erklären, weshalb es medizinisch angesagt war, den Kindernotfall an einen Pädiater weiterzuweisen.» Die Beschwerde von Mike Exposito werde – wie jede andere auch – ernst genommen. «Wir leiten Massnahmen in die Wege, damit solche Fälle künftig sorgfältiger kommuniziert und die Eltern besser begleitet werden», schliesst Send.

Falls der Vater übrigens kein Auto für die Fahrt nach Grenchen zur Verfügung gehabt hätte, hätte ihm der Notfall-Empfang ein Taxi gerufen. Im schlimmsten Fall wäre auch ein Ambulanzeinsatz Thema, sagt der soH-Mediensprecher. Aber dann wäre sowieso eine Einweisung ins Kinderspital vonnöten.

Notfallnummer führt zu den Diensthabenden

Dass sich Eltern nicht direkt ins Bürgerspital begeben sollen, darauf weist selbst die Gruppenpraxis für Kinder und Jugendliche hin, die ihre Behandlungsräume direkt im Bürgerspital hat. «Bitte gehen Sie nicht direkt ins Bürgerspital», steht auf der Homepage. Dort gebe es ausser der Praxis keine Kinderärzte und man würde riskieren, «wieder zum diensttuenden Kinderarzt geschickt zu werden.» Es wird darauf hingewiesen, auf jeden Fall zuerst die Notfallnummer zu wählen. «Sie ersparen sich Umwege. »

Grundsätzlich ist es im Kanton Solothurn so geregelt, dass der behandelnde (Kinder-)Arzt auch bei Notfällen kontaktiert werden kann. Wenn dieser – oder sein Stellvertreter – nicht erreichbar ist, sollte die Notfallarzt-Nummer gewählt werden (Telefon 0848 112 112). Diese einheitliche Nummer besteht seit Januar 2003 und verbindet den Anrufenden mit der Alarmzentrale der Polizei Kanton Solothurn. Dort wird der Name und die Telefonnummer des zuständigen Notfallarztes mitgeteilt. (ldu)