In Lyss ist ab nächster Woche jeweils der Donnerstag fleischlos. Die Gemeinde führt den Vegi-Tag in den Restaurantbetrieben der Schulen und Heimen auch aus Klimaschutzgründen ein. «Wenn es kein Fleisch auf dem Teller hat, dann reklamieren die Leute», weiss Kurt Soland. Ein fixer Tag mit fleischlosen Menüs sei deshalb für das in Zuchwil von der SV Schweiz betriebene Personalrestaurant der Scintilla AG kein Thema, sagt Chef Soland: «Wenn unsere Gäste wollen, dann können sie aber täglich fleischlos essen.»

Das Personalrestaurant biete stets entsprechende Menüs an. Nicht nur ein Salatbuffet, sondern ein breites Angebot. Laut Soland werden in seinem Betrieb täglich zwischen 800 und 900 Menüs zubereitet. Zu den Kunden zählten auch Firmen wie die Stryker AG, Selzach, Schaffner AG, Luterbach und Ewag AG, Etziken.

«Nur Mode»

Er habe vom Vegi-Tag zugunsten des Klimas gehört, sagt Daniel Burkhalter, Leiter des Alters- und Pflegeheims Bucheggberg in Lüterswil und vom Seniorenhof in Iffwil. Er zweifle an der Ehrlichkeit der Idee, etwas das man bereits tue, plötzlich mit dem Etikett Klimaschutz zu schmücken. In Lüterswil gebe es einen Tag mit Fisch oder Wähe. «Ich beabsichtige nicht, etwas einzuführen, nur weil es gerade Mode ist», sagt Burkhalter. Trotzdem werde er den fixen Vegi-Tag an einer Teamsitzung zur Sprache bringen. Die Heimbewohnerinnen und -bewohner hätten aber kaum Freude, wenn ihnen ein Tag ohne Fleisch vorgesetzt würde, glaubt Burkhalter. «Die Leute wollen selber entscheiden. Das ist für sie wichtig.» Die von ihm geführten Heime kauften die meisten Produkte in der Region ein. «Das ist ökologisch.»

Es komme ab und zu vor, dass jemand nur fleischloses Essen wünsche, sagt Sonja Thaler, Geschäftsleiterin der Spitex Bucheggberg. Der Mahlzeitendienst beziehe die täglich zwischen 20 und 25 benötigten Menüs vom Altersheim in Lüterswil.

Drei von 65 sind Vegetarier

«Persönlich könnte ich mir das zwar vorstellen, doch bei uns ist ein fixer Vegi-Tag kein Thema», sagt Pierre Marescal, Leiter des Bereichs Verpflegung im Alters- und Pflegeheim Derendingen-Luterbach. Die Bewohner könnten jedoch aus einem vegetarischen Angebot auswählen. «Von unseren 65 Bewohnern sind drei Vegetarier.» Auch einige Mitarbeitende verzichteten auf Fleisch. Die Nachfrage sei rege.

«Bei uns gibt es nicht jeden Tag Fleisch», sagt Esther Bachmann vom Kinderhaus Momo in Bellach. Zum Ausgleich würden den täglich zwischen 14 und 16 Kita-Kindern Speisen mit Käse oder Eiern serviert. «Wir achten auf eine ausgewogene Ernährung.» Ein fixer Vegi-Tag sei auch deshalb nicht möglich, weil dann stets die gleichen Kinder betroffen wären.

«Ich finde die Idee nicht gut. Übertrieben. Man soll jeden machen lassen, wie er will», sagt Peter Oesch (Stüsslingen), Präsident von Gastro Solothurn, dem kantonalen Hotel- und Wirteverband. Es gebe bereits genügend Vorschriften und Einschränkungen. Er habe schon ein ganzes vegetarisches Bankett gemacht. «Wir Gastro-Unternehmer sind kreativ genug.» Auch die Metzgereien stehen einem Vegi-Tag skeptisch gegenüber: «Es ist nicht richtig, wenn man anderen seine eigene Überzeugung aufzwingen will», kritisiert André Scholl (Selzach) die Initianten. Der Präsident des Solothurner Kantonalverbandes setzt auf den «gesunden Menschenverstand der Leute».