Jugendanwaltschaft

Luxus-Therapie für junge Straftäter: «Ein Einzelfall – nicht Normalität»

Nicht alle passen in bestehende Programme. «Da sind individuelle Angebote durchaus denkbar», sagt Barbara Altermatt, Leitende Jugendanwältin des Kantons Solothurn.

Nicht alle passen in bestehende Programme. «Da sind individuelle Angebote durchaus denkbar», sagt Barbara Altermatt, Leitende Jugendanwältin des Kantons Solothurn.

Wohnung und Therapie eines 17-jährigen Kriminellen in Zürich kostet pro Monat 29'000 Franken. Ein solches Luxus-Therapieprogramm ist im Kanton Solothurn nicht denkbar.

Wie viel darf die Resozialisierung eines 17-jährigen Messerstechers kosten? Der Leitende Zürcher Jugendanwalt findet 29 000 Franken angebracht – monatlich, versteht sich. Das Schweizer Fernsehen hat darüber am Sonntagabend zur besten Sendezeit berichtet – allerdings einigermassen unreflektiert.

So wurde nicht wirklich hinterfragt, ob es tatsächlich angemessen ist, dass der Jugendliche zusammen mit einer Rund-um-die-Uhr-Betreuerin in einer Viereinhalb-Zimmer-Wohnung untergebracht ist, sich ein Team von rund zehn Personen (inklusive Privatlehrer) um seine Entwicklung kümmert und ihm Kurse bei einem mehrfachen Thaibox-Weltmeister finanziert werden – ohne dass der körperlich gesunde junge Mann irgendeiner Form von Arbeit nachgehen müsste.

«Beste, aber günstigste Lösung»

Der Fall wirft hohe Wellen. Und lässt hier die Frage aufwerfen, welche Praxis denn der Kanton Solothurn gegenüber solchen jungen Straftätern pflegt. «Wir suchen in jedem Fall nach der besten, aber auch günstigsten Lösung», antwortet Barbara Altermatt. Die Leitende Jugendanwältin des Kanton Solothurn will den Zürcher Fall nicht kommentieren, hält aber doch fest, dass der «Film die Frage aufwirft, was die Aufgabe des Jugendstrafvollzugs ist, ohne allerdings eine Antwort zu geben».

Gezeigt worden sei «ein Einzelfall, der den Eindruck erwecken könnte, dass das die Normalität ist». Und der Normalfall sei dies – erst recht im Kanton Solothurn – sicher nicht, macht Altermatt klar.

Es geht noch teuere

Es stelle sich immer die Frage, mit welchen Interventionen – Straf- oder Schutzmassnahmen – einem Jugendlichen am sinnvollsten begegnet werden kann: «In der Regel gibt es geeignete Institutionen. Aber tatsächlich passen nicht alle Klienten in bestehende Programme und da sind individuelle Angebote durchaus denkbar.» So seien schnell einmal mehrere Personen involviert – aber kaum in Dimensionen, wie sie im Zürcher Fall gezeigt worden sind.

Allerdings: Die Unterbringung eines Jugendlichen in der Universitären Psychiatrischen Klinik (UPK) Basel könne sogar noch teurer ausfallen. Die Kosten für den Straf- und Massnahmenvollzug seien aufzubringen, wenn die Massnahmen richtig und angezeigt erscheinen würden, hält Altermatt fest: «Wenn die Massnahmen greifen und sich dadurch wirklich Erfolge einstellen, lässt sich damit auch Geld sparen und lassen sich sogar Leben retten.»

Anderseits, so hält die Leitende Jugendanwältin auch fest, «gibt es in einigen Fällen einen Punkt, an dem man feststellen muss, dass alles Bemühen nicht greift». Dann, oder wenn jugendrechtliche Massnahmen mit der Altersstufe 22 enden, müsse man einen Klienten ziehen lassen, selbst wenn Rückfallgefahr bestehe. Dies im Bewusstsein, dass sich «absolute Sicherheit nun einmal nicht herstellen lässt».

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