Lüsslingen
Soll den Ärzten der Kirschblütengemeinschaft die Bewilligung für die Berufsausübung entzogen werden?

Der Druck auf die Kirschblütengemeinschaft bleibt hoch, weil diese weiter rechtmässig über die Krankenversicherungen abrechnen dürfen.

Balz Bruder
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2011 demonstrierte die Gemeinschaft in Solothurn, weil sie, so der Vorwurf, gemobbt werde.

2011 demonstrierte die Gemeinschaft in Solothurn, weil sie, so der Vorwurf, gemobbt werde.

Felix Gerber

Ein Zufall war es mit Sicherheit nicht: Dass das sogenannte Schweizer Bündnis für Patientensicherheit am Wochenende medialen Druck auf die Kirschblütengemeinschaft ausübte, hatte zweifellos mit einem gleichentags stattfindenden Kongress derselben zu tun. Diese führte in Lüsslingen-Nennigkofen den «fünften internationalen Kongress für Echte Psychotherapie, Psycholyse und ­Alternative Psychiatrie für Therapeuten, Patienten, Experten, Betroffene und alle Interessierten durch».

Ein Anlass, der öffentlich angekündigt und abgehalten wurde. Und der Wortführerin des Bündnisses für Patientensicherheit, der in Hägendorf in ihrer eigenen Praxis für Psychosomatik, Psychiatrie und Psychotherapie tätigen Alexandra Horsch, ihrerseits Anlass gab, auf bereits früher gemachte Anliegen den Finger zu legen.

Zur Erinnerung: Auf Anfang Jahr wurde die Krankenkassenleistungsverordnung vom Eidgenössischen Departement des Innern in dem Sinn geändert, dass für die von der Kirschblütengemeinschaft vertretene «Echte Psychotherapie» keine Leistungspflicht für die Krankenkassen mehr besteht. Dies, nachdem die Eidgenössische Kommission für allgemeine Leistungen und Grundsatzfragen eine einschlägige Umstrittenheitsabklärung durchgeführt hatte und tatsächlich zum Schluss gekommen war, die «Echte Psychotherapie» entspreche den Anforderungen an die Leistungspflicht nicht.

Horsch fordert Entzug der Berufsausübungsbewilligung

Nun doppelte Horsch nach und kündigte an, die Umsetzung des Bundesentscheides durch die kantonale Aufsichtsbehörde und letztendlich den Entzug der Berufsausübungsbewilligungen für die Ärztinnen und Ärzte der Kirschblütengemeinschaft zu fordern. Denn seit Jahren sorge diese «für unrühmliche Schlagzeilen». Ganz abgesehen von den «behördlichen Massnahmen und Unterlassungen» in der Sache, die ebenfalls thematisiert werden müssten.

Ein Vorgehen, das Sebastian Weidenbach namens der Kirschblütengemeinschaft nicht nachvollziehen kann. Denn bei der «Echten Psychotherapie» handle es sich nicht um eine psychotherapeutische Methode, sondern um eine Grundhaltung. Laut Weidenbach handelt es sich schlicht und ergreifend um ein «Missverständnis». Selbst der Kranenversicherungsverband Santésuisse habe gegenüber dem Bund zum Ausdruck gebracht, dass die «Echte Psychotherapie» nicht als eigenständige Methode verstanden werden könne, die sich von andern unterscheide.

Was nicht verhinderte, dass einzelne Krankenversicherer den Leistungspflicht-Entscheid zum Anlass nahmen, in den Praxen der Ärztegesellschaft Avanti, wo Therapeuten auf der Basis der «Echten Psychotherapie» tätig sind, Abklärungen vorzunehmen. Das sei das gute Recht der Krankenversicherer, sagt Weidenbach. Und fügt an:

«In sämtlichen Fällen wurden unsere Behandlungen für regelkonform befunden und entsprechende Kostengutsprachen für eine Weiterführung der Therapien erteilt.»

Lediglich in einem Fall kam es zu einer Verweigerung, die allerdings nach einer juristischen Intervention in einem vorgerichtlichen Einlenken der Kasse mündete.

Für Weidenbach und die Kirschblütengemeinschaft ist klar: Die vorgebrachten Behauptungen und Vorwürfe entbehren der Grundlage. Dies bewiesen die Untersuchungen der Staatsanwaltschaft ebenso wie die Überprüfung der Praxen durch die Aufsichtsbehörden.