«Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit!» Die Forderungen der Französischen Revolution haben bis heute überdauert, sei es als Teil der Französischen Verfassung, als Zierde der 1-Euromünze oder als eine der wenigen Erinnerungen an den Geschichtsunterricht. Die Ideen der Revolution haben Europa langfristig tiefgreifend verändert.

Die unmittelbaren Folgen waren ein massiver Umsturz in Frankreich und Kriege in ganz Europa. Mitten in diesen Wirren findet sich ein Mitglied des Solothurner Adels wieder: Ludwig Robert Franz Josef von Roll kämpfte zwei Jahrzehnte lang gegen Napoleon Bonaparte.

Vom Freund zum Feind

Das Bürgerrecht der Stadt Solothurn erlangten die von Roll Ende des 15. Jahrhunderts. Durch Erbschaften und politisches Geschick stiegen sie rasch zu einer der einflussreichsten Familien der Stadt empor. Eng verschmolzen ist der Name bis heute mit den von Roll’schen Eisenwerken. Sie wurden 1813 von Franz Peter Ludwig Leo von Roll gegründet und existieren als Stahl Gerlafingen bis heute.

Während Franz Peter und seine Brüder bewusst zu Staatsmännern erzogen wurden, machte ihr Grosscousin Ludwig Robert Karriere im Militär. Geboren wurde er 1750 in Solothurn. Zu dieser Zeit verdienten zahlreiche Schweizer ihren Lebensunterhalt als Söldner im Ausland. Die Eidgenossen hatten sich im 15. Jahrhundert gegen die Habsburger behauptet und galten seither als diszipliniert und militärisch geschickt.

Wichtigster Vertragspartner war zwischen 1453 und 1830 Frankreich und so diente auch Ludwig Robert der Monarchie. Bis 1789 war er Hauptmann der Schweizergarde unter Ludwig XVI. Mit Ausbruch der Revolution und der Hinrichtung des Königs war das Ende der Monarchie besiegelt.

Ludwig Robert kehrte Frankreich den Rücken und sollte fortan seinem grössten Gegner dienen. Fast alle europäischen Monarchien erklärten der neugegründeten Französischen Republik in den folgenden Jahren den Krieg, Frankreich und England standen sich ab 1793 als Kriegsgegner gegenüber.

König Georg III. verstärkte daraufhin die englischen Truppen – auch mittels Schweizer Söldnern. Die Eidgenossen bildeten innerhalb des britischen Militärs acht Truppen, das Regiment von Roll «Royal Etranger» war eine davon. Es bestand anfangs aus 1800 Männern und war nach Ludwig Robert von Roll benannt, dem Regimentsinhaber. Den Befehl hatte bis 1802 Oberstleutnant Jost Dürler aus Luzern inne, danach übernahm Oberst Thüring von Sonnenberg das Kommando.

20 Jahre im Dienste Englands

Die enge Bindung zwischen der Eidgenossenschaft und Frankreich erwies sich als Erschwernis bei der Regimentsbildung. Der damalige Ambassador François de Barthélémy verbot von Solothurn aus die Werbung für das Regiment von Roll, weshalb Ludwig Robert zwei Depots im nahen Ausland errichtete.

In Villingen und Waldshut warb er Söldner an, in der Folge dienten im Regiment von Roll neben Eidgenossen auch Deutsche und Österreicher. Eingesetzt wurden sie zwischen 1795 und 1816 im Mittelmeerraum. Dieser war hart umkämpft und die Seemacht England musste ihre Vormachtstellung immer wieder aufs Neue verteidigen, nicht nur gegen Frankreich. Eine wichtige Funktion erfüllte die Region als Kommunikationsweg zwischen England und Indien.

Genau diesen wollte Napoleon nach seinem erfolgreichen Italienfeldzug stören und gleichzeitig die Warenströme rund um Ägypten kontrollieren. Unter anderem deshalb startete er 1798 die «Ägyptische Expedition». Das Regiment von Roll war zu dieser Zeit an der britischen Rückeroberung der vormals spanischen Insel Menorca beteiligt.

Von dort wurde es 1801 vorzeitig abgezogen und als kleiner Teil des 17'000 Mann starken Expeditionskorps der Generäle Abercrombie und Hutchinson nach Ägypten übergesetzt. Tatsächlich konnte die britische Armee einen Sieg über Napoleons Truppen erringen, der 1802 in den Frieden von Amiens mündete.

Das Ende der sogenannten Koalitionskriege war damit aber nicht erreicht, hielt der Frieden doch nur rund ein Jahr lang. Das Regiment von Roll kehrte bereits 1807 wieder nach Ägypten zurück, um gegen die osmanisch-französische Allianz zu kämpfen. Weitere Einsätze erfolgten in Italien und auf den Ionischen Inseln. Das Regiment sollte erst 1816 aufgelöst werden, nachdem Napoleon vernichtend geschlagen und verbannt worden war.

Ludwig Robert erlebte diese Ereignisse nicht mehr, er verstarb 1813 unverheiratet und kinderlos im Alter von 63 Jahren in England. Auf dem Wiener Kongress 1815 verhandelten die Grossmächte die verschobenen Grenzen Europas schliesslich neu.

Es kann nur spekuliert werden, wie Robert Ludwig von Roll auf die Entscheidungen bezüglich Frankreich reagiert hätte: Die vorrevolutionären Zustände wurden nämlich in jenen Monaten wiederhergestellt und Frankreich existierte bis 1830 wieder als Monarchie.