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Louis Bögli: «Gute Pneus sind die beste Versicherung»

Louis Bögli

Louis Bögli

Louis Bögli ist der Herr der schwarzen Ringe, von denen unser Leben abhängt. Herr und Frau Schweizer seien ausgesprochen qualitäts- und sicherheitsbewusst, weiss der 65-Jährige.

Seit 35 Jahren sorgt Louis Bögli mit seinem mittlerweile 20-köpfigen Team dafür, dass die Autofahrer in der Grossregion Solothurn ihre Strassenkilometer möglichst wie auf Schienen abspulen können. Der 63-Jährige hat es zu seiner Lebensaufgabe gemacht, dass wir nicht nur im Sommer, sondern auch im Winter unsere Bodenhaftung nicht verlieren.

Das muss ihm erst einer nachmachen: Der Inhaber des gleichnamigen Pneu-Montagebetriebs in Zuchwil zeigt nicht die geringsten Ermüdungserscheinungen. Er eilt wie ein 20-Jähriger vom Büro durch die Werkstatt ins Reifenlager hinauf und erzählt über seinen Alltag mit der Begeisterung eines Glückspilzes, der eben die ersten Schritte in seinem Traumberuf absolvieren darf.

«Ein Knochenjob»

Dabei ist das Reifengeschäft alles andere als Tummelfeld für Traumtänzer. «Das ist ein Knochenjob, der körperlich enorm viel abverlangt. Das kann man nicht genug betonen. Wer hier neu anfängt, ist nach den ersten Tagen am Abend völlig geschafft», schmunzelt Bögli und zeigt gleichzeitig Hochachtung für die Leistung seiner Leute. Die meisten seien langjährige Mitarbeiter, die in der Hochsaison mit einer Selbstverständlichkeit jeden Samstagmorgen am Montagelift stünden. Gefragt seien Effizienz und Zuverlässigkeit.

Obwohl die Autos zunehmend mit leichtern Alufelgen ausgeliefert werden, sind die Räder als Ganzes schwerer geworden. Breiter und Grösser lautet die Devise. «Dieser Trend führt dazu, dass die Kunden ihre Pneus nicht mehr nach Hause nehmen, sondern gleich bei uns einlagern. Wir übernehmen dann auch gleich die Reinigung und überwachen den Verschleiss.» Und damit können Sie mehr Reifen verkaufen? Bögli zieht die Augenbrauen hoch: Nein, darum gehe es nicht. «Wir haben sehr viele langjährige Kunden und die schätzen es, wenn wir die Verantwortung für ihre Bereifung übernehmen. Ich sage immer, gute Pneus sind die beste Versicherung.»

Schweizer sind qualitäts- und sicherheitsbewusst

Wird denn nicht gerade bei diesem Zubehör gespart, also eher viel Geld in eine teure Stereoanlage investiert und dann mit abgefahrenen «Latschen» herumgefahren? Louis Bögli antwortet mit einem entschiedenen Nein. Herr und Frau Schweizer seien ausgesprochen qualitäts- und sicherheitsbewusst. Wir hätten zwar in der Schweiz kein Winterreifenobligatorium und trotzdem überwiege das Wintergeschäft deutlich. «Die Leute wissen eben, dass sie schlecht aussehen, wenn sie mit mangelhafter Bereifung einen Unfall bauen.» Dann fügt er an: «Mit einem Topreifen wird der Bremsweg auf Eis und Schnee markant kürzer, das zeigen Tests mit schöner Regelmässigkeit.»

Mit aufgummierten Pneus und solchen aus China ist demnach kein Staat zu machen? Der Fachmann doziert: Das mit dem Aufgummieren sei passé, das mache lediglich noch bei Nutzfahrzeugen einen Sinn und die Produkte aus dem Reich der Mitte seien unter dem Strich gar nicht viel günstiger als europäische Spitzenprodukte. Und ein weiteres Mal verweist der Reifenspezialist auf die Bedeutung seiner Produkte: «Die Fahrsicherheit und damit viele Menschenleben hängen davon ab, ob die vier Postkarten grossen Flächen, die auf der Strasse aufliegen, tatsächlich in Takt sind.»

Pneus bleiben schwarz

Noch ist in unseren Lagennichts vom Winter zu spüren, und trotzdem haben die Fahrzeuge draussen vor der Werkstatt eine lange Schlange gebildet. Stress? «Nein, wir sind das gewohnt. Von O bis O gehört das zu unserer Arbeit.» Wie bitte? «Ja, von Oktober bis Ostern», lächelt Bögli und fährt fort: «Die Kunden können warten und einen Kaffee trinken oder derweil Besorgungen machen. Manche stellen das Auto einfach hin und holen es abends wieder ab.»

Und wenn ich im Frühling und Herbst nicht ständig hin- und herwechseln will, können Sie mir dann nicht einfach einen Ganzjahresreifen anbieten? «Das ist letztlich ein Kompromiss, der nicht zu befriedigen vermochte und sich daher am Markt nicht durchgesetzt hat. Da würde ich bei sehr niedriger Kilometerleistung vorher die Winterreifen drauflassen. Diese sind ja heute wesentlich laufruhiger als früher.»

Wie viel Profiltiefe ist denn eigentlich erforderlich? 1.6 Millimeter seien das gesetzliche Minimum, sagt Bögli und verweist gleichzeitig darauf, dass zudem auch das Alter ein Faktor sei. Nach drei Wintern nehme die Haftung einfach ab.

Hand aufs Herz, Herr Bögli, weshalb sind eigentlich alle Reifen so fantasielos schwarz? Würde den tristen Dingern etwas Farbe nicht gut tun? «Keine Chance», meint er und lacht. Man habe diesbezüglich schon alles probiert, ohne Erfolg. «Pneus sind und bleiben schwarz, unser Alltag in diesem Geschäft ist farbig genug.»

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