Solothurn-Moutier-Bahn

Lommiswiler will Leuthard überzeugen: Das ist nicht bloss ein «Stumpengleis»

Solothurn-Moutier-Bahn im Bahnhof Solothurn (Archiv)

Solothurn-Moutier-Bahn im Bahnhof Solothurn (Archiv)

Daniel Cattin lässt nicht locker: Der Raumplaner zeigt Bundesrätin Doris Leuthard in einem Brief auf, wie schnell eine «totgesagte» Bahnlinie wie die Solothurn-Moutier-Bahn plötzlich wieder grössere Bedeutung haben kann.

Als Beispiel dient Cattin die Schmalspurlinie Bulle-Broc, bei der das Bundesamt für Verkehr (BAV) «eine überraschende Kehrtwende vollzogen» habe: Statt der Schliessung werde nun gar ein Ausbau der 4,5 Kilometer langen Linie auf Normalspur vorgeschlagen – mit Kosten von 50 Mio. Franken, wie der Lommiswiler festhält.

Die beiden Bahnen würden durchaus Vergleiche zulassen, schreibt Cattin Verkehrsministerin Doris Leuthard: «Noch vor kurzem war die Schmalspurlinie Bulle-Broc mit einem Kostendeckungsgrad von gar unter 20 Prozent vom BAV für eine Schliessung vorgeschlagen. Da gibt es nun aber das Schokolademuseum «La Maison Cailler» mit 400 000 Besuchern jährlich – etwa so vielen, wie unsere schöne neue Gondelbahn Weissenstein anziehen wird».

Eine weitere Gemeinsamkeit zwischen der SMB-Linie und dem «Schoggi-Bähnli» zeige sich beim Gütertransport: «Früher machte der Zuckertransport zur Schokoladefabrik in Broc den grössten Teil des Verkehrs aus – bei der SMB wurde vor der Schliessung der Linie Delle-Belfort eine ansehnliche Gütermenge durch den Weissensteintunnel transportiert.»

Aussicht auf höhere Frequenzen

Höhere Passagier- und Transportfrequenzen als heute und eine Steigerung des zuletzt mageren Kostendeckungsgrades von 22 Prozent seien durchaus realistisch, argumentiert der Raumplaner. Nicht nur würden seit der Eröffnung der neuen Weissenstein-Gondelbahn Ende letzten Jahres viele Passagiere per Bahn zu deren Talstation Oberdorf anreisen. Cattin verweist auch darauf, dass «Ende 2017 die Strecke Delle-Belfort wieder eröffnet und damit ein alter Güterverkehrskorridor wiederhergestellt» werde.

Offiziell werde diesem Korridor zwar gegenwärtig nur eine mässige Nachfrage prognostiziert, doch da könnte man sich täuschen, meint der Lommiswiler. Drei der neuen europäischen Güterkorridore würden gänzlich oder teilweise über Basel laufen; in Basel Nord und Weil (D) würden noch vor 2030 neue Hafenkapazitäten für den Containertransport gebaut, die entsprechend mehr Schienengüterverkehr auslösen würden und dann werde es erst noch gelten, weitere Fahrplanverdichtungen im Personennah- und -Fernverkehr zu bewältigen.

Dies werde zu einem «veritablen Flaschenhals Basel» führen, prognostiziert Cattin: Dann könnte bei Überlast-Situationen die Solothurn-Moutier-Linie «als Ausweichroute eine wenn auch bescheidene Bedeutung für den Gütertransport von Frankreich via Belfort ins zentrale Mittelland und zum Gotthard erlangen».

Nicht bloss ein «Stumpengleis»

Im Gegensatz zur Linie Bulle-Broc, so betont der Kämpfer für die bedrohte Bahnlinie, handle es sich bei der Moutier-Bahn nicht bloss um ein längeres «Stumpengleis», sondern um eine Bahn mit Netzfunktion für die Grossregion nördlich und südlich des Juras. Sowohl im Güterverkehr, als auch im Personenverkehr (mit Anschluss zum TGV-Netz bei Belfort) erlange die Linie künftig gar noch zusätzliche Bedeutung. Wenn das BAV denn schon für eine «netzmässig unbedeutende Linie 50 Mio. Franken aufzuwenden» bereit sei, dann müssten dem Bund die für die Weissenstein-Tunnelsanierung geschätzten Kosten von 170 Mio. Franken erst recht wert sein.

Dem Thal droht die Isolation

Schliesslich drohe der Region Thal mit der Schliessung der Bahnlinie «die regelrechte Isolation von der Kantonshauptstadt, mit entsprechend grossen Nachteilen für die betroffene Bevölkerung». Im Vergleich dazu, so Cattin, wäre die Gemeinde Broc (2200 Einwohner) ohne Bahn in keiner Weise abgeschnitten, sondern könnte gar noch komfortabler mit einem Busverkehr erschlossen werden.

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