Es war gut gemeint. Die Musiker – und eine Musikerin – des Rekrutenspiels 16-3-/2016 sollten aus erster Hand erfahren können, wie ein Trompeter der Weltklasse in seinem Alltag arbeitet, wie er es geschafft hat, so weit zu kommen, und natürlich, welche Tipps er den jungen Musikern geben kann, um noch besser spielen zu können.

Und so packten die Verantwortlichen der Schweizer Militärmusik die Gelegenheit, in Zusammenarbeit mit einem Musikhaus den Trompeter Thomas Gansch, Mitbegründer des österreichischen, seit 25 Jahren weltweit erfolgreichen Septetts Mnozil Brass, für einen Workshop und das Mitwirken als Solist bei einem Konzert zu gewinnen.

Dieses Konzert fand vergangene Woche im Trimbacher Mühlemattsaal statt und das Publikum war völlig begeistert. Die gut 50 Rekruten auf der Bühne waren voll motiviert und gaben ihr Bestes. Wen wunderts? So bald werden sie nicht mehr dazu kommen, einen Solisten zu begleiten, der Nummern wie «Concerto for Trumpet» von Harry James oder «And Then She Stopped» von Dizzy Gillespie so mitreissend spielt wie Thomas Gansch.

Welch ein Gegensatz

Beim abendlichen Konzert in Trimbach – so schien es – liess das Mitwirken von Thomas Gansch die jungen Musiker bisweilen über sich selbst hinauswachsen. Ganz im Gegensatz zum Workshop noch am Vormittag. Dessen Verlauf beschrieb Gansch anschliessend als «gebremst». Beim Einspielen mit Dreiklängen rauf und runter – gespickt mit allerlei nicht vorhersehbaren Rhythmen – halten die Rekruten tapfer mit.

Dabei bietet die Szene ein sehr ungewöhnliches Bild: Die Rekruten in Uniform sitzen im Halbkreis. Vor ihnen steht Gansch in lässiger Kleidung, in der linken Hand die Trompete, mit den Fingern der rechten Hand schnippt er swingend den Takt und spielt die nächste Übung vor. «Locker bleiben», betont er immer wieder. Da wäre die Frage angebracht: Locker bleiben im Militär – wie geht das?

Schweigen in den Reihen

Doch als Gansch seine Trompete weglegt und sagt: «So, jetzt könnt ihr mich ausfragen», passiert gar nichts mehr. «Na, wenn keine Fragen mehr sind», meint Gansch nach gefühlten drei Minuten, «dann danke ich euch, dass ihr alle gekommen seid, und wünsche einen guten Tag.» Der Leiter des Rekrutenspiels, Oberleutnant Roger Hasler, verhindert mit einer Frage den vorzeitigen Abbruch des Workshops, und schliesslich kommen dann doch noch Fragen aus den Reihen der Rekruten.

Drei Militärmusiker aus der Region (v.l.) Roger Vogt, Aedermannsdorf, Stefan Fluri, Rumisberg, und Nicola Bernhard, Attiswil, posieren mit Thomas Gansch.

Drei Militärmusiker aus der Region (v.l.) Roger Vogt, Aedermannsdorf, Stefan Fluri, Rumisberg, und Nicola Bernhard, Attiswil, posieren mit Thomas Gansch.

Gansch zeigt nun, dass er nicht nur als Musiker auf der Bühne überzeugend improvisieren und mit Humor auf die Situation eingehen kann, sondern auch in einem Workshop. Er baut seine Antworten mit Anekdoten und Informationen so weit aus, dass die Rekruten letztlich reichlich mit Tipps dazu versorgt sind, worauf es ankommt beim Einspielen und Atmen oder bei der Wahl des Mundstücks. Oder was zu tun ist, wenn man vor dem Auftritt nervös ist. Und als Fazit: Wie der Ton zur Musik wird.

«Einfach geil!»

Was hat dieser Workshop den Rekruten gebracht? «Ehrlich gesagt, wusste ich gar nicht, was mich erwartet, denn ich habe noch in keinem Workshop mitgemacht», antwortet Stefan Fluri (Rumisberg), er spielt Cornet in der Oberaargauer Brass Band und der Musikgesellschaft Farnern. «Aber es war natürlich schon eindrücklich, mal so direkt zu hören, wie es bei einem Profi läuft.»

Roger Vogt aus Aedermannsdorf, Es-Hornist in der «Konkordia», pflichtet seinem Kameraden bei und fügt an: «Wie der Mann Trompete spielt: Einfach geil!» Genau das ist auch für den frisch zum Leutnant beförderten Nicola Bernhard (Attiswil) das Faszinierende an Thomas Gansch. Für Bernhard wird vor allem das Konzert in ganz besonderer Erinnerung bleiben, durfte er doch auf seiner Trompete die Dizzy-Gillespie-Nummer gemeinsam mit Gansch spielen.

Für den Spielführer Roger Hasler ist der Tag mit Thomas Gansch trotz des «gebremsten» Workshops ein Erfolg. «Wäre doch schade gewesen, wenn wir die Gelegenheit nicht genutzt hätten.» Und er sei überzeugt davon, dass jeder Rekrut etwas für sich mitbekommen hat. «Vielleicht wäre es besser gewesen», so vermutet er, «den Workshop nach dem Konzert durchzuführen. Die Rekruten hätten besser Bescheid gewusst, mit wem sie es zu tun haben; wie unkompliziert, offen und witzig er ist.»