Notfallplan
Diese Massnahmen trifft Solothurner Regierung, um steigende Hospitalisationen und Personalausfälle auffangen zu können

Jetzt handelt der Solothurner Regierungsrat: Zur Bewältigung der angespannten Lage in den Solothurner Spitälern lanciert der Kanton einen Notfallplan. Zudem wird die erneute Unterstützung durch den Zivilschutz vorbereitet. Die Kantonsvertreter informierten am Dienstag vor den Medien.

Christoph Krummenacher
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Medienkonferenz der Solothurner Regierung am 18.1.2022.

Medienkonferenz der Solothurner Regierung am 18.1.2022.

Hanspeter Bärtschi / SZ

Das Wichtigste in Kürze:

Die epidemiologische Lage ist im Kanton Solothurn wie in der ganzen Schweiz: Die Fallzahlen sind sehr hoch, die Hospitalisationen nehmen zu. Dazu kommen krankheitsbedingte Personalausfälle im Spitalbereich.

Um eine Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern, will der Kanton mit einer Notfallplanung sicherstellen, dass auch zusätzliche Hospitalisationen oder Personalausfälle bewältigt werden können. Zudem arbeitet die Solothurner Spitäler AG (soH) bei Bedarf mit der Pallas Klinken AG und der Privatklinik Obach zusammen.

Ein 3-Phasen-Modell zur Schaffung von zusätzlichen Bettenkapazitäten gibt es neu auch für die allgemeinen Abteilungen (ein ähnliches Modell existiert bereits für die Intensivpflegeplätze). Das Konzept sieht folgende Stufen vor:

Phase 0 / Normalphase: Die soH ist verpflichtet, möglichst viele Betten und personelle Ressourcen für die Behandlung von Covid-19-Patientinnen und -Patienten bereitzustellen. Dies durch interne Massnahmen und der Reduktion von nicht unbedingt notwendigen Operationen.

Phase 1: Diese Stufe gilt, wenn mehr als 60 Covid-19-Patienten in Spitalpflege sind. Hier muss die Privatklinik Obach bis zu 20 Patienten aus dem Bürgerspital Solothurn aufnehmen. Allerdings nur Patienten, keine intensive Behandlung mehr benötigen. Die Pallas Kliniken AG dagegen muss dem Kantonsspital Olten Gesundheitsfachpersonal zur Verfügung stellen.

Phase 2: Ab 90 Covid-19-Patienten stellen alle Spitäler den Betrieb ein – Ausnahme: Covid-19-Patienten und Notfälle. Die Privatklinik Obach steht gänzlich für die Verlegung von Patientinnen und Patienten aus der soH zur Verfügung (maximal 60 Patienten). Die Pallas Kliniken AG stellt dem Kantonsspital Olten ihr Personal zur Verfügung.

Die für das 3-Phasen-Modell notwendige Allgemeinverfügung tritt am 18. Januar 2022 in Kraft und gilt längstens bis am 31. Dezember 2022.

Weiter hat der Regierungsrat beschlossen, den Zivilschutz zur Unterstützung der Gesundheitseinrichtungen einzusetzen, insbesondere zur Unterstützung der Spitäler sowie Alters- und Pflegeheime. Gemäss Notfallplanung würde in den Spitälern der Zivilschutz bei Bedarf ab der Phase 2 zum Einsatz kommen.

Regierungsrätin Susanne Schaffner an der Medienkonferenz vom 18.1.2022.

Regierungsrätin Susanne Schaffner an der Medienkonferenz vom 18.1.2022.

Hanspeter Bärtschi / SZ

Die Medienkonferenz zum Nachlesen: Das sagten die Vertreter des Kantons

Anwesende Personen:

- Remo Ankli, Landammann, Vorsteher Departement für Bildung und Kultur (DBK)

- Susanne Schaffner, Vorsteherin Departement des Innern (DDI), dem das Gesundheitsamt angehört

- Brigit Wyss, Vorsteherin Volkswirtschaftsdepartement (VWD), dem das Amt für Militär und Bevölkerungsschutz angehört

- Yvonne Hummel, Kantonsärztin

14:07 Uhr

Bildungsdirektor Remo Ankli kommt zum Schluss auf die Schulen zu sprechen. Er bedankt sich für das Engagement der Schulen, der Lehrer, der Eltern. Er appelliert daran, dass die Massnahmen gemeinsam umgesetzt werden. Die Schule sei nicht freiwillig; jeder und jede habe daher Anrecht auf Schutz, verteidigt Ankli die verschärften Regeln an Schulen. Die Schule sei kein Skirennen, an das man freiwillig gehe. Je mehr die Massnahmen getragen würden, desto grösser sei der Effekt.

Regierungsrat Remo Ankli.

Regierungsrat Remo Ankli.

Tom Ulrich
13:59 Uhr

Regierungsrätin Brigit Wyss erklärt, dass der Kanton Solothurn bis 31. März 2022 ein zusätzliches Zivilschutz-Kontingent von 100'000 Diensttagen aufbiete. Damit könne man rasch reagieren und zur Entlastung des Gesundheitswesens beitragen. Pflege, Gastronomie, Logistik, Fahrdienste, Verlegung von Patienten, Administration - die Einsatzmöglichkeiten seien breit, so Wyss.

Regierungsrätin Brigit Wyss.

Regierungsrätin Brigit Wyss.

Tom Ulrich

Maximal 90 Zivilschützer pro Tag in drei Schichten seien möglich. Allfällige Einsätze seien stets subsidiär. Die erste Schicht sei innerhalb von 72 Stunden nach dem Aufgebot einsatzbereit. Man rechne auch bei den Zivilschützern mit Ausfällen.

13:55 Uhr

Die Solothurner Spitäler AG (soH), die Pallas Kliniken und die Obach Klinik arbeiten für die Planung mit dem Kanton zusammen. Die Notfallplanung solle nun erweitert werden auf Betten auf den allgemeinen Abteilungen. Ziel: Zusätzliche Bettenkapazitäten schaffen und personelle Unterstützung.

Die Spitäler und Kliniken im Kanton Solothurn unterstützen sich gemäss dieser Planung gegenseitig. Die Verfügung trete heute in Kraft, so Schaffner. Die Organisation hat neu drei Phasen, aktuell gelte Phase 0.

So sieht das 3-Phasen-Modell aus:

Phase 0: In der Normalphase ist die soH verpflichtet, möglichst viele Betten und personelle Ressourcen für die Behandlung von Covid-19-Patientinnen und -Patienten bereitzustellen. Dies erfolgt mittels interner Massnahmen und der Reduktion von elektiven Operationen.

Phase 1: Ab 60 Covid-19-Patienten beginnt die Phase 1: Die Privatklinik Obach ist verpflichtet, bis zu 20 Patienten aus dem Bürgerspital Solothurn aufzunehmen. Es handelt sich dabei um Patientinnen und Patienten, welche bis zu ihrem Austritt keine intensive Behandlung mehr benötigen. Zudem wird die Pallas Kliniken AG verpflichtet, dem Kantonsspital Olten Gesundheitsfachpersonal zur Verfügung zu stellen.

Phase 2: Ab 90 Covid-19-Patienten stellen alle Spitäler den Betrieb - mit Ausnahme der Behandlung von Covid-19-Patienten und von Notfällen - ein. Die Privatklinik Obach steht dann gänzlich für die Verlegung von Patientinnen und Patienten aus der soH zur Verfügung (bis zu 60 Patienten) und die Pallas Kliniken AG stellt dem Kantonsspital Olten ihr Personal zur Verfügung.

13:51 Uhr

Regierungsrätin Susanne Schaffner übernimmt. In normalen (also Nicht-Corona-) Zeiten werden 40 Prozent der Behandlungen ausserhalb des Kantons vorgenommen. Das habe mit dem Leistungsauftrag zu tun und funktioniere gut. Der Kanton Solothurn arbeite bezüglich Intensivpflegebetten mit anderen Kantonen zusammen. Im System der nationalen Koordination der Intensivstationen sei man der Region Bern unter Führung des Inselspitals angeschlossen.

Regierungsrätin Susanne Schaffner.

Regierungsrätin Susanne Schaffner.

Michel Lüthi

Trotzdem sei man auf eine Notfallplanung angewiesen. Man mobilisiere jene Ressourcen, die man könne. Personalausfälle sollen damit aufgefangen werden, ebenso wie die hohe Belastung der Spitäler. Die Gesundheitsversorgung solle sichergestellt sein.

13:44 Uhr

Hummel kommentiert auch das Szenario der Task Force des Bundes. Diese Prognosen seien mit grossen Unsicherheiten verbunden. Dennoch seien sie Grundlage für die Anpassung der Planung im Kanton Solothurn. Die Realität, vor allem das Verhalten der Menschen, sei aber komplexer.

Kantonsärztin Yvonne Hummel.

Kantonsärztin Yvonne Hummel.

Fabio Baranzini

Yvonne Hummel geht davon aus, dass sich sehr viele Menschen (6000-8000 Personen im Kanton Solothurn pro Tag) innert kürzester Zeit infizieren. Die Auswirkungen auf die Spitäler hänge davon ab, wie viele der Infizierten tatsächlich einen schweren Verlauf erleiden.

Doch auch die Ansteckungen hätten Konsequenzen: 10-15 Prozent der Mitarbeitenden könnten im Zuge dieser Infektionswelle ausfallen, rechnet der Kanton. Zum Schluss macht Hummel deshalb noch mal den Aufruf: Alle die können, sollen sich unbedingt impfen lassen.

13:42 Uhr

Die Impfung schütze etwas weniger vor Omikron. Doppelt geimpfte haben bis 70 Prozent Schutz vor einer Infektion in den ersten 6 Wochen. Nach 3 Monaten ist der Schutz noch bei höchstens 20 Prozent. Mit dem Booster ist der Schutz in den ersten 6 Wochen auf bis 80 Prozent (allerdings nicht im eigenen Haushalt).

Der Schutz vor einer Hospitalisierung ist für doppelt Geimpfte nach 3 Monaten noch immer bei 70 Prozent und schütze zu bis 85 Prozent vor der Pflege auf der Intensivstation. Deshalb stellt Hummel klar: die Impfung schützt vor Infektion, Hospitalisation und IPS-Aufenthalt.

13:39 Uhr

Bei Omikron zeigen die Nasen-Rachen-Abstriche etwa zwei Tage später erst ein positives Resultat als Speichel-PCR-Tests. Deshalb eigne sich letzterer eher für die Früherkennung. Bei symptomatischen Patienten sei der Nasen-Rachen-Abstrich aber immer noch sinnvoll.

Die Eingrenzung der sozialen Kontakte sei der einzige Weg, die Fallzahlen runter zu bringen, so Hummel. Homeoffice wo möglich, Fernunterricht, Masken tragen, regelmässig Lüften, Hygienemassnahmen und regelmässiges Testen seien weiterhin sinnvolle Massnahmen.

13:36 Uhr

Die Hospitalisationszahlen seien bei Omikron nicht mehr so hoch wie in früheren Wellen, erklärt Hummel. Seit einigen Tagen steige die Kurve wieder an. Man könne noch nicht sagen, ob der Anstieg zufällig sei. Die Intensivpflegebetten seien voll. Alle IPS-Patienten seien ungeimpft, betont die Kantonsärztin. Die Todesfälle sind im Vergleich ebenfalls tiefer als in früheren Wellen.

13:32 Uhr

Kantonsärztin Yvonne Hummel beschreibt die gegenwärtige Coronasituation im Kanton Solothurn. Die Situation ist ähnlich wie im Rest der Schweiz: der Anstieg der Fallzahlen ist sehr deutlich. Dabei registriere man eine sehr hohe Positivitätsrate: Statt unter 10 sei der Wert bei weit über 40 Prozent. Das bedeute, dass die Dunkelziffer hoch sei, führt Hummel aus. Wahrscheinlich seien die tatsächlichen Fallzahlen daher etwa doppelt bis zwei Drittel mal so hoch.

13:30 Uhr

Regierungsrat Remo Ankli eröffnet die Medienkonferenz. Es gehe nun darum, wie die gegenwärtige und kommende Situation zu bewältigen ist. Und es gehe darum, rechtzeitig vorauszuplanen.

Regierungsrat Remo Ankli.

Regierungsrat Remo Ankli.

Tom Ulrich

Ausgangslage am 18. Januar 2022

Die Belegung der Intensivpflegeplätze ist seit Wochen sehr hoch. Mehrmals wurden die Kapazitätsgrenzen erreicht. Covid-Patientinnen belegten zeitweise fast alle IPS-Betten im Kanton Solothurn. Das Aufrechterhalten des Betriebs konnte nur deshalb gewährleistet werden, weil nicht unbedingt notwendige Operationen aufgeschoben werden.

Pflegende auf einer Intensivstation.

Pflegende auf einer Intensivstation.

Keystone

Zudem werden Covid-Patienten innerhalb der überregionalen Zusammenarbeit zwischen Schweizer Spitälern verschoben: So kann die Auslastung zwischen verschiedenen Intensivstationen (IPS) ausgeglichen werden.

Die Solothurner Spitäler betreiben 17 IPS-Betten gemäss Leistungsauftrag des Kantons. Eine Erhöhung der Kapazität sei wegen des Fachkräftemangels nicht möglich, hiess es bei Kanton und Spitälern.

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