sterbende Tiere
Littering-Busse vom Nationalrat abgelehnt – Solothurner Bauernverband versteht Entscheid nicht

Im Kanton Solothurn werden Abfallsünder seit einigen Jahren gebüsst, doch schweizweit fehlt ein einheitliches Gesetz. Der Solothurner Bauernverband warb schon mit Plakaten, um gegen Littering vorzugehen, hat aber noch immer mit derartigen Problemen zu kämpfen.

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Wer seinen Abfall liegen lässt, muss auch künftig nicht überall mit einer Busse rechnen. (Archivbild)

Wer seinen Abfall liegen lässt, muss auch künftig nicht überall mit einer Busse rechnen. (Archivbild)

KEYSTONE/GEORGIOS KEFALAS

Immer wieder werfen Menschen achtlos Abfall auf die Strasse oder auf Felder, aber sie bedenken nicht, dass Littering fatale Folgen haben kann. Besonders das Vieh der Bauern hat unter liegengebliebenen Aluminiumdosen, Zigarettenstummeln oder Glasscherben auf den Feldern zu leiden. Gelangen Fremdkörper ungesehen ins Futter, können sie von den Tieren gefressen werden. Im schlimmsten Fall endet dies tödlich.

Der Unrat auf den Feldern macht den Bauern schwer zu schaffen. Deshalb setzten sich Schweizer Landwirte – allerdings vergebens – für eine entsprechende Gesetzesvorlage ein. Der Nationalrat lehnte am Donnerstag die Einführung einer schweizweiten Littering-Busse ab. Mit 96 zu 86 Stimmen bei 5 Enthaltungen sprach sich diese gegen ein bundesweites Gesetz aus. In einigen Kantonen, darunter ist auch der Kanton Solothurn, erteilen die Behörden bereits Bussen.

Auch der Solothurner Bauernverband (SOBV) setzt sich vehement gegen das Littering auf den Feldern ein und findet das Ablehnen der parlamentarischen Initiative nicht nachvollziehbar: «Wir verstehen den Entscheid des Nationalrates nicht», sagt Bauernsekretär Peter Brügger auf Anfrage. Es sei «durchaus sinnvoll» das Thema national anzugehen, auch wenn die Wirkung von Bussen relativ bescheiden sei.

Dem Solothurner Bauernverband ist das Littering seit längerer Zeit ein Dorn im Auge. Bereits vor vier Jahren lancierte der SOBV gemeinsam mit dem Landwirtschaftlichen Informationsdienst (LID) die Plakatkampagne «Abfall tötet Tiere», um Abfallsünder auf ihr Vergehen aufmerksam zu machen. Die provokativen Bilder von einem toten Kalb, zerstückelten Aludosen, Vorbeifahrenden, die Abfall aus dem Fenster werfen und einer vor Abfall grasenden Kuh, sorgten damals für Furore.

Bauer Juerg Knörr, Markus Rediger, Andreas Vögtli, Peter Brügger stellen 2012 die Littering-Kampagne vor
7 Bilder
Abfall schadet den Tieren, deshalb soll nun gehandelt werden.
Landwirt Jürg Knörr mit Abfall, den er auf seinen Feldern eingesammelt hat
Diese Plakate will der Bauernverband aufhängen
Auf jedem steht «Abfall tötet Tiere»
Die Plakate sollen bis zu 2 Wochen an einem Ort hängen, um die Bevölkerung auf das Problem aufmerksam zu machen.

Bauer Juerg Knörr, Markus Rediger, Andreas Vögtli, Peter Brügger stellen 2012 die Littering-Kampagne vor

Hanspeter Bärtschi

Auf die Frage, ob Probleme mit Littering seit der Kampagne seltener geworden sind, antwortet Peter Brügger: «Es gibt keine statistische Erhebungen, aber Littering ist nach wie vor ein grosses Problem und ein Dauerthema.» Es habe aber seit der Plakatkampagne viele positive Rückmeldungen von Bauern gegeben.

Auch von Lehrpersonen, die präventiv wirkten, habe es gutes Feedback gegeben: «Sie haben uns berichtet, dass die Plakate den Schülern die Augen geöffnet haben», sagt Brügger. Dennoch sei Aufklärungsarbeit weiterhin nötig, denn noch immer würden dem Verband Fälle bekannt, bei denen Tiere an den Folgen des Litterings sterben.

So hatte der Grenchner Landwirt Ernst Schnyder im Jahr 2012 sechs Kühe verloren. Die Tiere sind wegen dem gefressenen Abfall erkrankt, starben anschliessend oder mussten notgeschlachtet werden. Seither sind noch mehr Tiere verendet. (nac)