Naturschutz
Littering am Burgäschisee: Mit der Bevölkerung wächst auch der Druck auf die Natur

Das Naturreservat rund um den Burgäschisee ist ein beliebter Ausflugsort. Manche Besucher aber hinterlassen einen Abfallberg. Was die Wirtin des Restaurants Seeblick stört, ist für den Burgseeverein vernachlässigbar.

Gülpinar Günes
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So sah es vergangenes Wochenende an einem Grillplatz am Burgäschisee aus.

So sah es vergangenes Wochenende an einem Grillplatz am Burgäschisee aus.

zvg

Neben dem überlasteten Verkehr ist wohl Littering ein Thema, das viele Leute schnell in Rage versetzen kann. Insbesondere, wenn dieses Littering in der Natur passiert. Der Corona-Sommer hat der Wirtin vom Restaurant Seeblick am Burgäschisee, Evi Schweizer, beispielsweise sowohl mehr Schweizer Gäste, aber auch mehr Abfall und verschmutzte Sanitäranlagen als in den Vorjahren beschert.

Das Restaurant genoss in den vergangenen Jahren viel Präsenz beim Schweizer Fernsehen und zieht dementsprechend auch mehr Gäste in die Region an, wie auch die Wirtin glaubt. Das sei gut, denn sie beschäftige derzeit etwa doppelt so viele Mitarbeiter wie sonst. «Es ist wichtig, dass Leute diesen schönen Ort sehen», sagt sie auf Anfrage.

Aber sie ärgere sich über Besucher, die sich nicht an die Regeln halten. «Es sind ganz bestimmt keine Siedlungs- oder Restaurantgäste», sagt sie mit Verdacht auf Jugendliche, die sich an den Wochenenden einen Plausch gönnen, sei es auf dem Parkplatz des Restaurants oder an den Grillstellen rund um den See. Sie wünsche sich stärkere Kontrolle in der Region.

«Momentan herrscht kein Problem am See»

Der Präsident des Burgseevereins und Inhaber der Bootsvermietung am See, Daniel Luterbacher, sieht aber keinen Handlungsbedarf. «Momentan herrscht kein Problem am See», sagt er entschieden. Entfacht wurde die Diskussion durch einen Abfallberg an einer öffentlichen Grillstelle vergangene Woche.

Sie ist durchaus berechtigt: Denn der See und die Moorlandschaft um ihn sind kantonale Naturreservate, sowohl im Kanton Solothurn als auch in Bern, wo der See zur Hälfte liegt. Seit einigen Jahren wird das Gebiet im Rahmen eines Projektes wieder aufgewertet und infolgedessen seien einige Brutvogelarten und der Biber in die Region zurückgekehrt, wie Luterbacher weiss.

Der Burgseeverein ist nämlich in Zusammenarbeit mit dem Kanton auf und um den See herum aktiv: Er kümmert sich beispielsweise um die Wideransiedlung des Schilfs, die Stege und Wege um den See, als auch um die Abfallentsorgung. Rund 15 Abfalltonnen stellt er dort zur Verfügung. «Ohne die würde es natürlich viel schlimmer aussehen hier», sagt Luterbacher. Der Abfall an der Grillstelle sei daher nicht lange liegengeblieben, der «Fischaufseher» habe ihn am nächsten Morgen wieder aufgenommen.

Der idyllische Burgäschisee ist umgeben von sensibler Natur.
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An den Ufern und im Schilf nisten unterschiedliche Tiere.
Die Besucher müssen diesen Lebensraum der Tiere respektieren.
Es wird mehrmals darauf hingewiesen, keine Abfälle liegen zu lassen.
Es wird mehrmals darauf hingewiesen, keine Abfälle liegen zu lassen.
Die Besucher werden auch darüber informiert, dass sie sich in einem Naturreservat befinden.
Die Besucher werden auch darüber informiert, dass sie sich in einem Naturreservat befinden.
Dennoch ist mancherorts Abfall zu finden. Aber bei Weitem nicht so viel wie am letzten Wochenende.
Dennoch ist mancherorts Abfall zu finden. Aber bei Weitem nicht so viel wie am letzten Wochenende.
Auch nicht bei den Abfallcontainern.
Normalerweise geht es am Burgäschisee ruhig und respektvoll zu und her.
Normalerweise geht es am Burgäschisee ruhig und respektvoll zu und her.

Der idyllische Burgäschisee ist umgeben von sensibler Natur.

Thomas Ulrich

Heute sind die Menschen sensibilisierter

Früher habe der Mensch die sensible Umwelt am See viel stärker belastet, sagt Luterbacher. Vor 20 Jahren seien die Menschen noch nicht auf den Umgang mit der Natur sensibilisiert gewesen. Er erinnert sich an Zeiten, wo mehrere leere Bierdosen im See schwammen oder Bikerbanden das Ufer unsicher machten. «Das sieht man alles nicht mehr.» Auch mit unbefugtem Betreten der geschützten Landschaft habe man keine Probleme. «Die Vegetation ist so dicht, da kommt man gar nicht durch.»

Die Besucherlenkung mit Wegen und der Vegetation spiele da eine grosse Rolle. Beispielsweise versuche man bewusst schöne Nischen für Besucher frei zu machen, damit sie sich nicht an anderen Orten niederlassen. Das gehe ganz gut mit dem Schilf am Ufer.

Dass manche trotz der guten Infrastruktur ihren Abfall rücksichtslos liegen lassen, komme halt einfach vor. «Man muss die Jugendlichen ab und zu auch einfach ermahnen, ihren Abfall wieder mitzunehmen, wenn sie wiederkommen wollen», sagt er schmunzelnd. Das habe bisher meistens funktioniert. Mit der wachsenden Bevölkerung steige aber unweigerlich auch der Druck auf die Natur, betont Luterbacher. Der See sei nun einmal ein touristischer Magnet und damit müsse man leben.

Das sagt Pro Natura Solothurn zum Thema:

Pro Natura und Pro Natura Solothurn engagieren für das Naturreservat und das Moorgebiet «Chlepfibeerimoos» sowie den Bruchwald Erlenschachen am Bugäschisee. Wir haben die Geschäftsleiterin von Pro Natura Solothurn, Ariane Hausammann, die nur beschränkt erreichbar war, um eine Stellungnahme zu folgender Frage gebeten:

Im Zusammenhang mit der steigenden Bekanntheit des Restaurants Seeblick, ist es aus Ihrer Sicht in Ordnung, Werbung für ein Gebiet zu machen, das als Naturreservat gilt?

Ariane Hausammann: Der Besucherandrang während dem Lockdown und auch später, verstärkt den Druck auf Schutzgebiete – so auch bei verstärkter Werbung eines Restaurants. Pro Natura sieht in dieser Situation auch Chancen: Menschen, die sich in der Natur aufhalten, erhöhen die Wertschätzung für die Natur und können über deren Bedürfnisse aufgeklärt werden. Andererseits setzen die vielen Besuchenden unsere Schutzgebiete unter Druck und können Konflikte verursachen. Denn es sind nicht nur mehr Leute draussen unterwegs, sondern ganz offensichtlich auch viele, die das sonst kaum tun. Diese Menschen sind mit der Natur, deren Bedürfnissen und den allenfalls geltenden Regeln nicht vertraut. Diese wenig «Naturaffinen» Menschen zu erreichen, ist besonders schwierig. Mehr denn je müssen deshalb die Menschen sensibilisiert werden, ihre Freizeitaktivitäten naturverträglich auszuüben. Dazu gehört, auf den Wegen zu bleiben, den Hund an die Leine zu nehmen, keine Feuer zu entfachen, wo es nicht erlaubt ist – und jeglichen Abfall mitzunehmen.