Amtsgericht Thal Gäu

Liste der Anklagepunkte zu lang: Sieben Jahre für Berufsverbrecher gefordert

Gottloser Dieb: Haupttäter einer Einbruchsbande steht wegen mehr als 30 Einbrüchen vor Gericht. Sogar vor der Kirche schreckte er nicht zurück.

Gottloser Dieb: Haupttäter einer Einbruchsbande steht wegen mehr als 30 Einbrüchen vor Gericht. Sogar vor der Kirche schreckte er nicht zurück.

Für die Staatsanwaltschaft ist der 26-jährige Balsthaler, der am Freitag vor Gericht stand, ein Berufsverbrecher. Die Liste der Delikte war 46 Seiten lang, doch für den Verteidiger ist der Mann psychisch krank.

Kaum wurde Riccardo U.* wegen Diebstahls auf Bewährung aus dem Gefängnis entlassen, brach er in der Region Thal wieder in Kirchen, Gewerberäume, Modegeschäfte, Hotels und Privatwohnungen ein. Er schloss Handyverträge ab und mietete teure Fernseher, nur um die Smartphones und die HD-Bildschirme umgehend zu verkaufen.

Er belastete die Kreditkarten von Bekannten mit Zehntausenden Franken, plünderte das Bankkonto einer Ex-Freundin und benutzte heimlich das Telefon anderer, um sein Online-Pokerkonto mit Geld aufzuladen. Obwohl der heute 26-jährige Sozialhilfeempfänger und zweifache Vater überschuldet und einschlägig wegen Diebstahls vorbestraft war, gelang es ihm sogar, sich mit falschen Angaben einen Privatkredit über 20 000 Franken zu ergaunern.

So musste sich Riccardo U. am Freitag vor dem Amtsgericht Thal-Gäu wegen des mehrfachen bandenmässigen und gewerbsmässigen Diebstahls, mehrfachen Betrugs, Hehlerei, Sachbeschädigung, Zechprellerei und einer ganzen Reihe weiterer Straftaten verantworten.

Heroinsüchtige Eltern, die Jugend in Heimen verbracht: Der Angeklagte hatte einen schweren Start ins Leben. «Wie sehen Sie Ihre Zukunft, wenn Sie aus dem Gefängnis kommen werden?», fragte Gerichtspräsident Guido Walser zu Beginn der Verhandlung.

«Das wird schwierig, da mache ich mir nichts vor», antwortete Riccardo U. «Ich möchte in die WG Treffpunkt auf dem Hauenstein und dort eine Anlehre als Schreiner machen. Wenn man mich ins kalte Wasser wirft, kommt das nicht gut.»

«Nur beim Einladen geholfen»

Zwei Anklageschriften – dazwischen sass er in Untersuchungshaft – mit zusammen 46 Seiten galt es abzuarbeiten. «Wenn wir jeden einzelnen Anklagepunkt herunterbeten, dann werden wir heute nicht mehr fertig», fuhr der Gerichtspräsident fort. «Wir gehen deshalb nur auf die bestrittenen Anklagepunkte ein.»

«Ich habe nur beim Einladen der Fernseher geholfen», verteidigte sich Riccardo U. in einem Fall. Er habe die Lohnabrechnung nicht selber gefälscht, sagte er bei einem anderen Anklagepunkt. «Ich habe sie nur gebraucht, um zum Kredit zu kommen.»

Auch seine Ex-Frau habe er nie bedroht. «Ich habe ihr nur gesagt, dass ich dafür sorgen werde, dass man ihr das Kind wegnimmt, weil sie nicht imstande ist, zu ihm zu schauen. Sie ist massiv alkoholsüchtig und trinkt sogar Brennsprit. Das war keine Drohung, da ging es ums Wohl des Kindes.»

«Er hat mit seiner Bande 32 Einbrüche begangen, die Deliktsumme beträgt 75 000 Franken und der Schaden 23 000 Franken», fasste Staatsanwältin Kerstin von Arx die Tätigkeiten des Angeklagten zusammen. Mit den Elektronikartikeln habe er eine Deliktsumme von 64 000 Franken und mit dem Kleinkredit eine solche von 20 000 Franken ergaunert. Sie bezeichnete Riccardo U. als Berufsverbrecher. «Dazu kommen zwei einschlägige Vorstrafen. Es ist keine Einsicht und Reue erkennbar.» So forderte sie eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren.

«Geständnisrabatt» gefordert

Der Pflichtverteidiger, Rechtsanwalt Daniel Gehrig, forderte in den bestrittenen Anklagepunkten Freisprüche. «Er war während der ganzen Untersuchung kooperativ und hat sämtliche Delikte, an denen er beteiligt war, unumwunden zugegeben. Deshalb ist er glaubwürdig, wenn er gewisse Punkte bestreitet», argumentierte der Verteidiger. Zudem forderte er bei der Strafe einen «Geständnisrabatt».

«Er ist kein Berufsverbrecher, sondern er ist psychisch krank. Er wurde von seiner Spielsucht angetrieben.» Anhand der bereits rechtskräftigen Urteile gegen die anderen Bandenmitglieder bezeichnete die Verteidigung eine vergleichbare Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren als angebracht.

Wegen Ferienabwesenheit der Anwälte sah es das Amtsgericht Thal-Gäu nicht als nötig an, eine öffentliche Urteilsverkündung anzusetzen, wie sie durch die Strafprozessordnung eigentlich vorgesehen wäre. Mit dem schriftlichen Urteil ist erst Mitte Oktober zu rechnen.

*Name von der Redaktion geändert.

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