Südafrika
«Lionsrock»: Hier könnten René Stricklers Katzen leben

Die Cheftierpflegerin vom Tierasyl «Lionsrock» in Südafrika berichtet von ihrer Arbeit.

Urs Byland
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Viel Platz im «Lionsrock» in Südafrika.

Viel Platz im «Lionsrock» in Südafrika.

AZ

Die zürcherische Tierschutzorganisation Vier Pfoten hat ihre Hilfe angeboten. Sie würde René Strickler bei der Räumung des Tierparkes helfen und allenfalls einige Tiere umsiedeln. Was bedeutet das konkret? Auskunft gibt die Österreicherin Hildegard Pirker.

Hildegard Pirker, die meisten Tiere von René Strickler sind über 18 Jahre alt. Ist das bei einem Transport ein Problem?

Transporte sind aufwendig

Die Stiftung für Tierschutz «Vier Pfoten» möchte eine Lösung für alle Tiere finden, falls es zu einer Zwangsräumung kommen würde. «Wie genau diese Lösung aussieht,
wissen wir aber zurzeit nicht», erklärt Valenda Penne, zuständig für Kommunikation. Vier Pfoten würde ihr gesamtes Netzwerk aktivieren, um die Tiere in ihren bestehenden Gruppen platzieren zu können. Bevor Entscheide getroffen würden, wohin die Tiere gehen könnten, müssten der Gesundheitszustand
sowie die Eigenheiten der einzelnen Tiere und Verhalten in den bestehenden Gruppen bekannt sein. Wie Hildegard Pirker in Südafrika kann auch Valenda Penne in Zürich zur Zeit keine Aussage zu den Kosten machen. «Solche Transporte sind aber grundsätzlich sehr aufwendig –
finanziell sowie personell.» Die Tiere würden während der gesamten Reise von Personal betreut. Zur Frage, wer solche Übersiedlungen bezahlt,
antwortet Penne: «Vier Pfoten wird zu 100 Prozent von
Spendern finanziert. Auch
solche Transporte finanzieren also unsere Spender. Wir
informieren unsere Spender über verschiedene Kanäle von unserem Vorhaben und halten sie dann auch über die
sozialen Netzwerke so gut wie möglich auf dem Laufenden.» Natürlich würden sie sich auch über Unterstützung von Eigentümer oder Behörden freuen. (uby)

Hildegard Pirker: Nein. Das Alter ist kein Problem. Wichtig ist, dass die Tiere gesund sind, damit sie den strapaziösen Transport machen können.

Haben Sie schon Tiere in diesem Alter in die Grosskatzenstation übersiedelt?

Ja. Die Gesundheit muss von einem Tierarzt festgestellt werden. Zudem müssen, je nachdem wo die Tiere hingehen, verschiedene Vorschriften eingehalten werden. Dazu werden Dokumente benötigt, die rechtzeitig beschafft werden müssen.

Wie werden Grosskatzen transportiert?

Wir haben für diese Tiere Transportkisten mit ausreichend, aber nicht zu viel Platz, die auch sicher für die Aussenwelt sind. Die Luftzufuhr muss gewährleistet sein.

Wie muss man sich einen Transport vorstellen?

Es kommt etwas darauf an, wie der Besitzer der Tiere mithilft. Ohne Mithilfe müssen die Tiere im Beisein eines Tierarztes kurz betäubt werden, damit sie in die Transportkisten verladen werden können.

Sie werden dort sofort wieder aufgeweckt, denn transportieren darf man nur wache Tiere. Hilft der Besitzer mit, könnte der Verlad möglicherweise auch ohne kurze Narkose funktionieren.

Beim Lastwagen-Transport müssen Pausen eingehalten werden, das Tier muss genügend Wasser haben und die Luftzufuhr muss überprüft werden.

Werden längere Strecken mit Schiff oder Flugzeug zurückgelegt?

Normalerweise mit dem Flugzeug, weil die Tiere so kurz wie möglich unterwegs sein sollten. Das ist mit grossen Maschinen kein Problem. Natürlich muss die Temperatur im Laderaum stimmen.

Hildegard Pirker.

Hildegard Pirker.

AZ

Wie teuer ist der Transport für ein Tier?

Das kann ich so nicht beantworten.
Das ist abhängig von der Infrastruktur und natürlich auch von der Entfernung. Der Flug nach Südafrika ist sicher teurer. Wir hoffen jeweils auf einen Rabatt der Fluggesellschaften.

Könnten Sie Tiere von René Strickler aufnehmen?

Ich arbeite seit über 20 Jahren mit Grosskatzen in Gefangenschaft. Da kann nicht eine Lösung von einem Tag auf den anderen geschehen. Das Tier braucht die richtige Anlage. Wir können nicht schnell mal 20 Tiere aufnehmen.

Diesen Platz hätten wir gar nicht. Wir würden aber helfen mit unserem Know-how, eventuell mit Material wie Transportkisten und unserem Netzwerk.

René Strickler und andere behaupten, die Tiere würden einen Transport nicht überleben. Wie beurteilen Sie die Situation?

Es ist sicher nicht so, dass die Tiere an gebrochenen Herzen sterben würden. Es ist aber auch klar, dass eine Übersiedlung einfacher ist, wenn der Tierbesitzer
mithilft. Wir haben schon oft Tiere übernommen, die auf einen Menschen fixiert sind.

Das ist absolut kein Problem, gesundheitlich schon gar nicht. Die Tiere von Strickler haben ja nicht nur ihn, sondern können die Gehege wechseln, sie haben also auch Kontakt mit anderen Grosskatzen, mit der Gruppe.

Eine Übersiedlung wäre also möglich?

Vier Pfoten hat inzwischen schon über 60 Grosskatzen übersiedelt. Viele hatten intensiven Kontakt mit Menschen. Natürlich ist es einfacher, wenn die Bezugsperson beim Transport mit dabei ist. Das ist auch professioneller. Aber sollte das nicht der Fall sein, heisst das nicht, dass eine Übersiedlung nicht funktioniert.

Die Grosskatzen-Spezialistin

Die ausgebildete Tierpflegerin Hildegard Pirker leitet das Grosskatzentierheim «Lionsrock» in Südafrika, 300 Kilometer südlich von Pretoria.

Seit acht Jahren führt die 49-Jährige das Team der Station, koordiniert die Versorgung der Grosskatzen und plant Gehege und Anlagen.

Die von «Vier Pfoten» gekaufte ehemalige Wildtierzucht-Farm ist 1200 Hektaren gross. Aktuell werden in über 50 Gehegen auf 60 Hektaren Land Grosskatzen gehalten.

Die Gehege sind mit einem 4 Meter hohen Maschendrahtzaun eingezäunt und zwischen 1 bis zu 6 Hektaren gross. In den Gehegen hat es Unterstände, Aussichtsplattformen sowie Innenräume, welche aber nur tiermedizinisch genutzt werden.

Zudem finden sich Futtergehege. Auf der Anlage wird gleichzeitig eine Lodge geführt. Gestartet hat Hildegard Pirker im Tierpark Gänserndorf in Österreich im Büro, absolvierte aber berufsbegleitend eine Tierpflegerausbildung und arbeitete sich bis zur Chef-Tierpflegerin hoch.

«2004 musste der Tierpark Konkurs anmelden. Es war die schlimmste Zeit in meinem Leben. Ich blieb, bis alle 700 Tiere einen neuen Platz bekommen hatten. Es war herzzerreissend.»

Gemeinsam mit Kollegen kaufte sie einige der Tiere frei und bezahlte das Futter. Die Tierschutzorganisation «Vier Pfoten» nahm sich der verbliebenen 14 Löwen an und brachte sie 2007 in die damals neu gegründete Raubkatzenauffangstation «Lionsrock» nach Südafrika.

Hildegard Pirker bekam von «Vier Pfoten» das Angebot, als Spezialistin mitzukommen.

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