Kunst
«line-to-line» — die Linie wird Ausdruck

Mit neuen konzentrierten Arbeiten ist Künstlerin Susan Hodel nun zum dritten Mal in der Galerie Christoph Abbühl vertreten.

Eva Buhrfeind
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Eva Buhrfeind

Linie an Linie, wohl Tag für Tag gesetzt, filigran aneinandergereiht in der Horizontalen und als Gegengewicht in der Vertikalen. Feinste, minutiös mit dem Grafitstift regelmässig gezogene Geflechte, die sich nur knapp dem Eindruck einer strukturierten Monochromie entziehen.

Auch in diesen neueren Arbeiten von Susan Hodel liegen die Kraft und die Wirkung ihrer künstlerischen Zielsetzung in der Reduktion auf eine bewusst konzentrierte, elementare Einfachheit der Form im Kontext von Material und Zeit, stofflichem Prozess und selbstreflexiver Bildentwicklung. Dabei sind es viel mehr als einfach nur als aus den Linien heraus gezeichnete Flächen oder Materialverdichtung.

Zeichnerisches wird malerisch

Ein zentrales Thema bei Susan Hodel ist die Wandelbarkeit des Materials zur Bildwerdung, als intensive, immer neue Auseinandersetzung. Das Zeichnerische steigert sich ins Malerische wenn der unterschiedliche Abrieb des Grafitstiftes im Gewebe der grundierten Leinwand oder des Papiers seine leicht vibrierenden, brüchigen Spuren hinterlässt und das an sich Lineare latent räumliche Momente erfahren lässt.

Die Linie also als Erfahrungsmoment sowohl für die 1962 in Lostorf geborene, in Zürich lebende Künstlerin wie auch für die Betrachtenden, die Linie als künstlerische Grundbedingung, die sie kompromisslos bis zur Reduktion auslotet. Wobei der Anspruch auf die Wechselwirkung von Nähe, Distanz, Fläche und Tiefe tragend bleibt.

Die Linie wird zur Fläche

Das Thema der Veränderung des Materials zur Bildwerdung kommt eindeutiger in den farbigen Aquarellen zum Ausdruck, wenn sie zum Beispiel in «Indigo» Indigoblau und Weiss auf Büttenpapier rasterartig derart aufeinander setzt, dass sich durch die unterschiedliche Farbpräsenz der Pigmente eine textile Note einstellt. Während die dezent unregelmässigen Farbton-Modulationen in «Muschelgold» eine eher naturhafte Materialität geflochtener Binsen antönt.

Die absolute Materialverdichtung aus der Linie in die Fläche erreicht Susan Hodel in den Arbeiten «Ikarus» und «Mystery in Blue», wenn sie chinaweisse Kreide respektive Indigo auf dem quadratischen Leinwanduntergrund zu farbdichten Bildräumen konkretisiert: Dicht verschlossen, das glänzende Weiss, haptisch-stofflich das nachtdunkle Blau, beide ganz auf sich konzentriert.

Dauer der Ausstellung: 10. Januar–3. Februar 2018 Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag 14– 18.30 Uhr / Sa 14–17 Uhr und n. Vereinbarung.

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