Lausanne
Lichthupe und zu nahe aufgefahren – drei Monate «Billett» weg

Um eine 91-jährige Frau aus einem Lift zu befreien, benützte ein Solothurner Lenker die Lichthupe und schloss einem Fahrzeug zu nahe auf. Das Bundesgericht zeigt keine Gnade und bestätigt den dreimonatigen Ausweisentzug.

Urs-Peter Inderbitzin
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Der Autolenker benutzte die Lichthupe und kam sehr nahe. (Symbolbild)

Der Autolenker benutzte die Lichthupe und kam sehr nahe. (Symbolbild)

imago

Der Vorfall hatte sich am 1. Dezember 2014, morgens um 06:41 Uhr bei nasser Fahrbahn und regem Verkehr auf dem Autobahnzubringer von Pratteln in Richtung Birsfelden zugetragen. Um eine 91-jährige Frau möglichst schnell aus einem Lift zu befreien, hielt sich der Lenker eines Personenwagens nicht an die Verkehrsregeln.

Er fiel dabei einer Polizeipatrouille der Polizei Basel-Landschaft in einem zivilen Fahrzeug auf, weil er ihr mit der Lichthupe Signale gegeben hatte. Die Polizisten folgten dem Lenker und stellten fest, dass dieser den Sicherheitsabstand zum vorausfahrenden Fahrzeug massiv unterschritt. Die Messung ergab, dass er bei einer Geschwindigkeit von 70 km/h über eine Strecke von rund 360 m einen Abstand von lediglich 0,56 Sekunden eingehalten hatte.

Gnädige Strafe

Die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft zeigte sich gnädig und verurteilte den fehlbaren Lenker lediglich wegen einfacher Verletzung der Verkehrsregeln sowie missbräuchlicher Benutzung der Lichthupe zu einer Busse von 340 Franken.

Kein Pardon zeigte demgegenüber die Motorfahrzeugkontrolle seines Wohnortkantons Solothurn. Diese erkannte auf eine schwere Widerhandlung gegen die Verkehrsregeln und entzog dem Lenker den Führerausweis für drei Monate. Als das Verwaltungsgericht des Kantons Solothurn den dreimonatigen Entzug bestätigte, rief der Lenker das Bundesgericht an. Allerdings ohne Erfolg.

Bitterer Ausweisentzug

In ihrem Urteil weisen die Bundesrichter darauf hin, dass gegenüber allen Strassenbenützern ein ausreichender Abstand einzuhalten ist. Als Faustregel gilt ein Abstand für Personenwagen von zwei Sekunden oder aber «halber Tacho». Wer lediglich einen Abstand von 0,6 Sekunden zum vorderen Fahrzeug hat, begeht laut langjähriger Rechtsprechung des Bundesgerichts eine grobe Verletzung von Verkehrsregeln, was einen dreimonatigen Ausweisentzug nach sich zieht.

Im konkreten Fall hatte der Lenker lediglich einen Abstand von 0,56 Sekunden. Zudem herrschte reger Verkehr, es war noch dunkel und die Strasse war nass. Angesichts des Umstandes, dass der Lenker dadurch die Verkehrssicherheit unmittelbar ernstlich gefährdet hat, geht für das Bundesgericht der dreimonatige Ausweisentzug in Ordnung.

Laut dem Urteil aus Lausanne spricht zwar für den Lenker, dass er schnell an seinen Einsatzort gelangen wollte, um eine 91-jährige Frau aus dem Lift zu befreien. Dies vermag allerdings die Gefahr für Leib und Leben, die er durch seine verkehrswidrige Fahrweise für andere Verkehrsteilnehmer schuf und in Kauf nahm, nicht zu rechtfertigen. Der Lenker muss die Gerichtskosten von 2000 Franken bezahlen.