Region Solothurn Tourismus
Licht und Schatten lagen an der Generalversammlung nahe beisammen

Es rufen der Berg und das Hotel Krone: Trotz Frankenstärke und erschwerten Rahmenbedingungen glauben die Verantwortlichen von Region Solothurn Tourismus an die Zukunft.

Wolfgang Wagmann
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Welcher Weg führt auf dem Weissenstein ans Ziel?

Welcher Weg führt auf dem Weissenstein ans Ziel?

Wolfgang Wagmann

Der Aufschrei im Januar nach dem Entscheid der Nationalbank, die Kursuntergrenze zum Euro aufzugeben, sei gross gewesen, «ich persönlich habe Vertrauen in eine unabhängige Nationalbank», betonte Präsident René Hohl vor der Generalversammlung im Landhaus. Beim Tourismus seien zwar «gewisse Bremsspuren eingetreten, doch es gibt auch Chancen». Die angetönten Bremsspuren sieht Hohl auch für die regionale Hotellerie aufziehen, nicht zuletzt auch wegen der Marketing-Anstrengungen von Schweiz Tourismus zugunsten der grösseren Schweizer Destinationen. Doch stimmen ihn und Tourismusdirektor Jürgen Hofer die jüngsten Übernachtungszahlen zuversichtlich: Mit 87 337 Logiernächten übertraf die Hotellerie das Vorjahresergebnis um 2,5 Prozent, die Jugendherberge (2,7 Prozent mehr Übernachtungen) und der Campingplatz (plus 8,3 Prozent) sorgten für ein Gesamtergebnis von zusammen fast 125 000 Logiernächten oder einer Zunahme von 3,7 Prozent. «Und das, obwohl das Hotel Krone noch immer fehlt», wies René Hohl auf einen Wermutstropfen im Tourismuskelch hin. Der andere: Die 1401 Stadtführungen bedeuteten nach einem guten Start und einem witterungsbedingten Einbruch einen Rückgang um 4,4 Prozent auf das letztjährige Rekordergebnis. Immerhin kann das aktuell 39 Köpfe zählende Stadtführungs-Team nach einem Ausbildungslehrgang mit neun Teilnehmenden noch diesen Sommer verstärkt werden.

Mach öppis!»

Für René Hohl wie Jürgen Hofer war der Start der Gondelbahn auf den Weissenstein am 20. Dezember das wichtigste Ereignis des Jahres. Gespannt warten die Touristiker jetzt auch, was die neuen Eigentümer des Kurhauses vorhaben. Immerhin ist dieses eines der neun Mitglieder der Vermarktungsorganisation Solothurn Services. Diese «erstellte letztes Jahr 458 Offerten und generierte damit 244 Anlässe», so der Präsident. In seinen Ergänzungen zum Jahresbericht verwies Jürgen Hofer auf die begrenzten Ressourcen von 700 Stellenprozent in seinem Tourist-Office. Oft heisse es, wenn sich niemand so richtig zuständig fühle: «Mach öppis!», meinte der Tourismusdirektor auch in Bezug auf das Marketing am Weissenstein. «Auf dem Berg läuft viel», verwies er auf vergangene wie künftige Aktionen – so habe der von Region Solothurn Tourismus lancierte Postautobetrieb in seinem letzten Jahr ein Rekordergebnis eingefahren. Trotz eines gut gefüllten Anlass-Kalenders auf dem Weissenstein sieht Hofer vor allem Finanzierungsprobleme beispielsweise beim geplanten Loipen-Betrieb nächsten Winter, den er auf 40 000 Franken veranschlagt. Auch liege der Masterplan Grenchenberge – Weissenstein – Balmberg umsetztungsreif «auf dem Tisch», betonte Hofer. «Wir geben Gas, aber zaubern können wir nicht.»

Stadtpräsident Kurt Fluri

Auftritt gegen die Engstirnigkeit

Die Stadt Solothurn ist bereit, bei der Vermarktung des Weissensteins ihren Anteil zu leisten. Aber es muss die ganze Region mitmachen», betonte Stadtpräsident Kurt Fluri zum Versammlungsschluss. Und geisselte damit die «Engsicht», ja Engstirnigkeit jener Kreise in der Region, die nur immer bei einem Projekt sehen, was zu zahlen sei. «Profitieren ist in, sich engagieren nicht», hielt Fluri weiter fest, auch vor dem Hintergrund, dass die Repla Solothurn derzeit versucht, die (kulturellen) Beitragsleistungen der Regionsgemeinden an die Zentrumslasten der Stadt neu festzusetzen und damit zu verstetigen. Insbesondere hofft der Stadtpräsident auf eine Wiederbelebung des Classic Openairs, auf das «ich sehr oft angesprochen werde». Ebenso gab er der Hoffnung Ausdruck, dass nach der zweiten Verhandlungsrunde vor dem Verwaltungsgericht nun bald die eineinhalbjährige Umbauzeit des Hotels Krone mit seinen künftig 30 Zimmern beginnen könne. Nebst der Werbung für die Fusion «Top 5» streute Fluri auch Dankesgrüsse an Region Solothurn Tourismus ein – machte sich aber auch Sorgen über die Regulierungspolitik in Bern. (ww)

Kopfschütteln über Kanton

Trotz eines 1,5-Mio.-Budgets gelte es immer wieder Prioritäten zu setzen. Umso schwerer fällt für Jürgen Hofer ins Gewicht, dass der Kanton ab 2016 die 350 000 Franken für Neue Regionalprojekte des Bundes NRP gestrichen habe – «das hat mir fest wehgetan». Eine Kritik, die auch Stadtpräsident Kurt Fluri teilte, hätte man doch mit dem Geld eine Million für neue Projekte erhalten. Immerhin habe man nach rund 20 Jahren Wartezeit endlich die touristischen Autobahntafeln für den Kanton Solothurn realisieren können, eine leidige Angelegenheit, die schon Hofers Vorgänger Erich Egli und den ehemaligen Präsidenten Ruedi Rust intensiv beschäftigt hatte. Nach der Installation der ersten sechs Tafeln sind noch weitere drei vorgesehen. Grosse Bedeutung nimmt weiterhin die Kooperation mit der Destination Jura & Drei-Seen-Land ein, mit ihr wurde ein Masterplan zur touristischen Entwicklung der ganzen Region verabschiedet. Zunehmend spiele darin Grenchen mit dem neuen Velodrome eine Rolle, wie überhaupt die Nachbarstadt an der Generalversammlung ein grosses Thema war. So erklärte auch Stadtpräsident Kurt Fluri: «Wir haben mit Grenchen keinerlei Berührungsängste.»

Finanziell solide

Im Ausblick aufs laufende Jahr fallen eine neue Kooperation mit dem Stadttheater für Führungen und sonstige Nutzungen ausserhalb der Vorstellungen auf, dann aber auch eine Postkartenaktion gemeinsam mit der Stadt Chur. Bei gegenseitigen Besuchen der Städte werden vergünstigte Eintritte gewährt. Weiter will Region Solothurn Tourismus drei seiner Websites i-phone- und i-pad-tauglich machen, «ein absolutes Muss in der heutigen Zeit», wie die Verantwortlichen betonten. Und ein grosses Augenmerk gilt dem Kerngeschäft, den Stadtführungen und den Logiernächten in der Hotellerie und Parahotellerie.

«Finanziell ist der Verein gesund», hielt Kassier Carlos Vidal angesichts eines Gewinns von 1839 Franken und gleichzeitigen Rückstellungen von über 41 000 Franken fest. Budgetiert sind nächstes Jahr knapp 6000 Franken Gewinn bei Einnahmen von knapp 1,433 Mio. Franken,

Bestätigt wurden im Wahl-Traktandum Vereinspräsident René Hohl und die bisherigen Vorstandsmitglieder Hansjörg Boll (Vizepräsident), Roland Furrer, Beat Rüfli, Chris van der Broeke, Hans Weber und Anita Panzer.