Assistenz Gesundheit und Soziales
Lhamo Taktsang ist eine der ersten, die die Gesundheits-Attestlehre abschliessen

Die Ausbildung Assistenz Gesundheit und Soziales wird noch nicht lange angeboten. Die ersten Lernenden im Kanton schliessen demnächst die zweijährige Ausbildung ab. Dabei ist auch Lhamo Taktsang. «Arbeit mit Betagten macht viel Freude», sagt sie.

Elisabeth Seifert
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Lhamo Taktsang unterstützt eine Bewohnerin im Altersheim Thüringerhaus in Solothurn.

Lhamo Taktsang unterstützt eine Bewohnerin im Altersheim Thüringerhaus in Solothurn.

Hanspeter Bärtschi

Mit sanften und gekonnten Bewegungen unterstützt Lhamo Taktsang die Heimbewohnerin dabei, aufzustehen und sich auf den Rollator zu stützen. Begleitet von einem sympathischen Lachen gibt die junge Frau «ihrer» Patientin hilfreiche Tipps. Und immer wieder ist da auch Platz für kleine Spässchen.

Man spürt sofort, dass die beiden sich gut verstehen. «Ich kümmere mich gerne um kranke und betagte Menschen», bekennt Lhamo Taktsang. «Schon als kleines Kind wollte ich immer im Krankenhaus arbeiten», sagt die bald 22-Jährige.

In ihrer alten Heimat Tibet hatte sie vor, Ärztin zu werden. Ein Berufswunsch, der dann aber aufgrund ihrer Flucht in die Schweiz vor einigen Jahren nicht in Erfüllung ging. Dem Gesundheitsbereich gehört aber weiterhin ihre grosse berufliche Leidenschaft. Nach einem Praktikum ermöglichte ihr vor zwei Jahren das Alters- und Pflegeheim Thüringenhaus in Solothurn den Einstieg in die damals ganz neue Berufsausbildung Assistenz Gesundheit und Soziales (AGS).

Jetzt gehört die junge Frau zu den ersten Lernenden im Kanton, die demnächst den zweijährigen Lehrgang mit Eidgenössischem Berufsattest (EBA) abschliessen werden.

Im August 2012 haben kantonsweit 27 junge Leute – vor allem Frauen – die Attestlehre in Angriff genommen. Letztes Jahr waren es etwas weniger. Im August werden bereits über 30 Lernende die Ausbildung zur Assistentin Gesundheit und Soziales beginnen. Weitaus die meisten absolvieren – wie Lhamo Taktsang – diese in einem Alters- und Pflegeheim.

Eine ehrgeizige junge Frau

Zu den typischen Aufgaben von Lhamo Taktsang und ihren Berufskolleginnen gehört es etwa, den Bewohnerinnen und Bewohnern am Morgen beim Aufstehen und der Morgentoilette behilflich zu sein. Nicht ganz ohne ist es auch, die Betagten sicher zu den Mahlzeiten und wieder zurück aufs Zimmer zu begleiten oder sie beim Essen zu unterstützen. Daneben gilt es, auf die Sauberkeit in den Räumen zu achten oder die Wäsche zu verteilen. Jetzt gerade ist Lhamo Taktsang mit dem grossen Frühlingsputz beschäftigt.

An den Nachmittagen bleibe dann immer auch etwas Zeit für die «Aktivierung» der Bewohner, wie sich die junge Berufsfrau gekonnt des Fachjargons bedient. Bei milden Temperaturen bietet ein Spaziergang im nahegelegenen Park Abwechslung. Die Tibeterin kennt sich mittlerweile auch bestens aus mit typisch schweizerischen Gesellschaftsspielen wie Jassen, Lotto und Uno.

Das Berufsbild: Helfen und Begleiten

Die zweijährige Attestausbildung zur Assistentin Gesundheit und Soziales qualifiziert in ambulanten und stationären Institutionen zur Unterstützung von Menschen aller Altersstufen, die für die Bewältigung ihres Alltags auf Hilfe angewiesen sind. Sie wirken bei der Gesundheits- und Körperpflege mit und begleiten Klienten und Klientinnen, indem sie zum Beispiel im Haushalt Unterstützung bieten. Weiter erledigen sie einfache administrative und logistische Arbeiten. Voraussetzung ist eine abgeschlossene Volksschulbildung, schriftliche und mündliche Deutschkenntnisse sowie das Verstehen des schweizerischen Dialekts. (esf)

Und was gehört zu ihren Lieblingsaufgaben? Lhamo Taktsang denkt kurz nach und meint dann: «Ich mache eigentlich alles gerne. Vor allem höre ich gerne zu, wenn die Bewohner Geschichten von früher erzählen.»

So sehr sie ihre jetzige Tätigkeit liebt, lässt sie dennoch eine gehörige Portion beruflichen Ehrgeiz erkennen. Schon jetzt steht fest, dass Lhamo Taktsang nach Abschluss der Attestlehre mit der Ausbildung zur Fachangestellten Gesundheit (Fage) weiterfährt – auch im Thüringenhaus. «Neben der Betreuung und Unterstützung interessiert mich die medizinische Seite.» Sie bombardiert das Fachpersonal im Thüringenhaus denn auch regelrecht mit Fragen.

«Ich will meine Ziele erreichen», sagt sie selbstbewusst – und schmiedet bereits konkrete Pläne für die weitere Zukunft. Nach der Fage-Ausbildung möchte sie ihr medizinisches Wissen an der Höheren Fachschule vertiefen – und dann dereinst als Rettungssanitäterin oder als Operationsschwester arbeiten.

Eine Ausbildung mit Perspektiven

«Gemäss Rückmeldungen sind die Betriebe zufrieden mit der neuen Ausbildung», sagt Verena Hert, Ressortverantwortliche Bildung der Gemeinschaft der Solothurnischen Alters- und Pflegeheime (GSA). Ein Vorteil der Attestlehre sei, dass sie gerade auch lernschwächeren Schülerinnen und Schülern oder Migranten den Zugang zu den Gesundheitsberufen ebnet.

Dieser Vorteil bedeute aber gleichzeitig auch eine Herausforderung für die Berufsbildner. «Auch die Attestlehre stellt hohe Anforderungen, etwa im sprachlichen Bereich.» Besonders wertvoll sei die Attestlehre als Vorstufe der Ausbildung zur Fachangestellten Gesundheit (Fage) mit Eidgenössischem Fähigkeitsausweis, betont Verena Hert. Auf Stufe Assistenz stehe die Assistentin Gesundheit und Soziales nämlich in einer gewissen Konkurrenz zur Pflegehelferin des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK).

Infotag zu Attestlehren

Bereits zum fünften Mal findet am Donnerstag, 27. März, im Alten Spital in Solothurn von 9 Uhr bis 18.30 Uhr ein Infotag statt zum Angebot an Attestlehren im Kanton Solothurn. An einer Tischmesse stellen Betriebe und Verbände unterschiedlicher Branchen ihr Angebot an Ausbildungen mit Eidgenössischem Berufsattest (EBA) vor. (esf)

Im Unterschied zu den Alters- und Pflegeheimen bietet die Solothurner Spitäler AG (soH) kaum Ausbildungsplätze zur Assistentin Gesundheit und Soziales an. Jetzt und in Zukunft sind es – alle zwei Jahre – gerade mal drei. Die drei Attest-Lehrstellen sind zudem nicht im Akutbereich angesiedelt, sondern in den Abteilungen für Langzeitpflege. «Im Akutspital erfordert oft bereits die einfache Unterstützung von Patienten eine hohe Fachkompetenz», sagt Gudrun Hochberger, Direktorin Pflege der soH. Auch für sie ist die neue Attestlehre im Übrigen vor allem ein Sprungbrett für die Ausbildung zur Fachangestellten Gesundheit.

Auch die Spitex-Organisationen bilden kaum Assistentinnen Gesundheit und Soziales aus – jedenfalls nicht direkt nach der obligatorischen Schulzeit. «Den jungen Lernenden fehlt die nötige Lebenserfahrung, damit wir sie alleine zu den Klienten schicken können», meint Rita Mosimann, Ressortverantwortliche Bildung im Spitex-Verband Kanton Solothurn. Im Rahmen der Nachholbildung für ältere Lernende sieht Mosimann aber durchaus Potenzial für die neue Attestausbildung.