Bürgerspital Solothurn

Letzte Reha-Klinik im Kanton wird geschlossen - Personalverbände sind «bestürzt»

Hier befindet sich derzeit noch die stationäre Rehabilitationsabteilung: Im Haus 9 auf dem Areal des Bürgerspitals.

Weil die stationäre Rehabilitationsabteilung am Bürgerspital Solothurn nicht rentiert, wird sie bis Mitte 2019 geschlossen – gleichzeitig wird eine Altersklinik aufgebaut. Das Reha-Zentrum im roten Gebäude war das letzte seiner Art im ganzen Kanton.

Anzahl Reha-Kliniken im Kanton Solothurn: eine. Mitte nächstes Jahr soll nun auch die letzte stationäre Rehabilitationsabteilung geschlossen werden. Es ist diejenige auf dem Areal des Bürgerspitals Solothurn, welche in einem der alten Gebäude untergebracht ist. Rund 300 Patienten werden dort jährlich behandelt. Zu wenige.

Laut der Solothurner Spitäler AG (SoH) erfüllt das Rehabilitations-Zentrum die Mindestfallzahlen «seit Jahren nicht mehr». Die Mindestallzahl in der «muskuloskelettale Rehabilitation» (Rehabilitation Bewegungsapparat) liegt bei jährlich 250 Fällen. 2016 behandelte die SoH 160. Im Bereich «Neurorehabilitation Polyindikation» (Rehabilitation Nervensystem) liegt die Mindestfallanzahl bei 400 Fällen. 2016 behandelte die SoH 138 solcher Patienten.

Deshalb soll laut Mediensprecher Gian Trionfini die stationäre Rehabilitation am Bürgerspital «zurückgefahren» und Mitte 2019 dann ganz geschlossen werden. Parallel dazu wird ab April eine Akutgeriatrie – eine Altersklinik – am Bürgerspital aufgebaut. «Mit Inbetriebnahme des Neubaus wird die Akutgeriatrie 36 Betten anbieten können», so Trionfini. Auch in der ambulanten Rehabilitation will die SoH ausbauen, wie sie bereits Anfang Monat mitteilte. Währenddessen würden in der stationären Rehabilitation bereits heute fast 90 Prozent der Patienten ausserkantonale Institutionen wählen, weshalb die SoH mit Kliniken in anderen Kantonen zusammenarbeitet.

Patienten gehen also schon heute für die Reha in die Kantone Bern, Baselland oder Aargau. Laut Trionfini sind diese Kliniken «in der Nähe der Kantonsgrenze und mit dem öffentlichen Verkehr gut erreichbar». Weitere Kooperationen mit ausserkantonalen Kliniken würden hinzukommen.

Personalverbände «bestürzt»

Am Freitag reagierten mehrere Solothurner Personalverbände der Mitarbeitenden im Gesundheitswesen auf die Schliessung des Reha-Zentrums. Die Solothurner Bevölkerung verliere nun die letzte Möglichkeit einer «wohnortsnahen Rehabilitation», die auch eine enge Einbeziehung der Angehörigen ermögliche, heisst es in einer Mitteilung. Zudem schreiben die Verbände von «breitem Fachwissen» und «Errungenschaften» des Zentrums, welche auch in der Schweizer Rehabilitations-Szene Anerkennung finden würden. Dieses Knowhow dürfe nicht verloren gehen – die Verbände fordern, «dass das aufgebaute Fachwissen nicht durch Personalabgänge verloren geht».

Laut Mediensprecher Trionfini kommt es zu keinen Entlassungen. «Die gesamte Anzahl aller Angestellten der stationären Rehabilitation ist nicht klar abzugrenzen», so Trionfini, «da einzelne Fachkräfte zusätzlich in der ambulanten Rehabilitation beschäftigt sind.» Nun sei das Ziel, das Pflegepersonal sowie die Therapeuten der Reha-Abteilung im Alterszentrum und der ausgebauten ambulanten Rehabilitation weiter zu beschäftigen.

Auch das Haus 9 – eines der roten Gebäude vor dem Parkplatz Nord, in welchem das Reha-Zentrum untergebracht ist – wird weiter genutzt. Bereits jetzt befinden sich hier Blutspende- und Gefässzentrum. Zudem soll die Gruppenpraxis für Kinder und Jugendliche in das Haus umziehen. Diese befindet sich derzeit in einem Gebäude, welches im Rahmen des Neubaus für 340 Millionen Franken abgerissen wird.

Die sieben Kinderärzte, die beim Bürgerspital eingemietet sind, sollen ein ganzes Stockwerk im roten Haus beziehen – wo sich aktuell noch Patientenzimmer des Reha-Zentrums befinden. Die Etage soll nun umgebaut werden, die Gruppenpraxis bis zur Fertigstellung des Neubaus 2020 umziehen. Bis dahin wird das Reha-Zentrum bereits geschlossen sein, die Zahl der Reha-Kliniken im Kanton bei Null liegen.

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