Bei mir ist immer Alkohol im Spiel», lieferte der perfekt Mundart sprechende 31-jährige Tamile Amirtharasan B.* vor dem Amtsgericht Solothurn-Lebern einen Erklärungsversuch dafür ab, weshalb er so oft gewalttätig wurde. Diesmal war der einschlägig vorbestrafte Asiate unter anderem wegen versuchter schwerer Körperverletzung, Angriffs, einfacher Körperverletzung, Drohung und Sachbeschädigung angeklagt. Dazu kamen eine ganze Reihe Strassenverkehrsdelikte. Bei nicht weniger als sieben Vorfällen sammelten sich insgesamt 16 Anklagen gegen ihn an.

«Was tun Sie, um den Alkohol in den Griff zu bekommen?», fragte deshalb Amtsgerichtspräsident Yves Derendinger. «Ich habe bereits versucht, ohne Alkohol zu leben. Aber nach drei Monaten habe ich wieder getrunken», antwortete der Angeklagte. Er habe jetzt einen Arzttermin vereinbart. «Ich will mir Tabletten verschreiben lassen, damit ich nicht mehr trinken kann.»

Betrunken und ohne Ausweis

Wegen seines Alkoholproblems darf Amirtharasan B. seit 2007 kein Auto mehr fahren. Das hinderte ihn aber nicht daran, sich das Auto seines Vaters «auszuleihen», der gerade in den Ferien weilte. Er fuhr damit nach einem Besuch an der Mia 2011 vor der Wohnung der Mutter seiner beiden Kinder ein Verkehrsschild um. Eine Nachbarin hatte alles gesehen. «Ich war mit vier Freunden in Zürich, ich war gar nicht da», verteidigte sich der Angeklagte. Staatsanwältin Petra Grogg gab sich damit nicht zufrieden und fragte nach den Namen dieser Freunde. Dem Angeklagten kamen so auf die Schnelle keine Namen in den Sinn.

Dass er uneinsichtig ist, belegte Amirtharasan B. letztmals am 31. März dieses Jahres, als er fahrend in angetrunkenem Zustand erwischt wurde, wobei sich sogar noch seine beiden Kinder ungesichert im Auto befanden.

Wehrlose Opfer geschlagen

Wie ein roter Faden zieht sich das aggressive Verhalten durch den Lebenslauf des Angeklagten. Einmal schlug er einen älteren, gebrechlich wirkenden Mann zusammen. Gleich zweimal wählte Amirtharasan B. seinen Landsmann Devanesan P.* auf dem Grenchner Marktplatz als Opfer, wobei da auch sein bester Freund Perundhevan S.* beteiligt war. Die Schläge vom 28. März 2010 mit der Stange eines Sonnenschirms wertete das Amtsgericht als einfache Körperverletzung.

Zwei Monate später verfolgten Amirtharasan B. und Devanesan P. ihr Opfer nach einem neuen Streit über den Marktplatz. «Ich habe genau gesehen, wie er eine Whiskyflasche aus der Einkaufstasche holte und diese mit der rechten Hand dem Opfer gezielt auf den Hinterkopf schlug», sagte ein unbeteiligter Zeuge und zeigte dabei auf den Nebenangeklagten. Danach malträtierte Amirtharasan B. das Opfer mit den Füssen, bis dieses mit gebrochenem Kiefer spitalreif geschlagen war.

Devanesan P. beschrieb die Szene anders. Er habe dem Opfer nur die Tasche, in der sich die Flasche befand, seitlich an den Kopf geschlagen. «Mit der rechten Hand könnte ich das nicht, die hat einen Geburtsfehler. Ich esse und schreibe nur mit der linken Hand», erklärte er. Als die Staatsanwältin ihn dann aufforderte, eine Skizze mit den Standorten aller Leute zu machen, zeichnete Devanesan P. aber mit seiner rechten Hand.

Zeit fürs Gefängnis gekommen

Das Amtsgericht kam zwar im einen oder anderen weniger bedeutenden Anklagepunkt zu Freisprüchen, folgte aber mehrheitlich der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft. Es verurteilte Devanesan P. wegen versuchter schwerer Körperverletzung und Angriffs zu einer Freiheitsstrafe von 12 Monaten, die auf Bewährung ausgesetzt wird.

Der Hauptangeklagte wurde zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 36 Monaten verurteilt, von denen er 18 Monate verbüssen muss. Dazu kommt der Widerruf einer Vorstrafe von 9 Monaten, bei der die Bewährungsfrist noch lief. So muss Amirtharasan B. nun 27 Monate ins Gefängnis. «Als das Burgdorfer Gericht diese 9 Monate zur Bewährung aussetzte, war das Ihre letzte Chance», erklärte der Gerichtspräsident. «Leider haben Sie diese verspielt.»

*Namen von der Redaktion geändert