Die vergangenen Wochen waren geprägt von zahlreichen Ereignissen. Ich weiss gar nicht wo beginnen. In erster Linie haben mich die russische Gastfreundlichkeit, Herzlichkeit, Grosszügigkeit und Hilfsbereitschaft enorm beeindruckt. Sobald ich gesagt habe ‹Ja Schwizariz› (= Ich bin Schweizer) haben die Leute die Augen weit geöffnet, die Hand erstaunt vor den Mund genommen und mich sofort eingeladen. Zum Kaffee, zum Nachtessen oder zum Übernachten. Das Letzte ist nicht falsch zu verstehen.

Zumindest in Rostov haben viele Leute noch nie Schweizer gesehen. Erst recht nicht einer, der mit ihnen beinahe täglich arbeitet. Wenn man die russischen Volunteers nicht dazuzählt (welche die Mehrheit ausmachen), dann war ich tatsächlich der einzige Europäer. Es hatte sonst lediglich Lateinamerikaner und einige Nordafrikaner.

Freie Plätze aufgefüllt

Glücklicherweise haben Anastasia und Dimitri - die Verantwortlichen der Volunteers - ein gutes Mundwerk. Sie kennen stadioninterne Stewards/Stewardessen … Im Fünfminutentakt sind 20-köpfige Volunteergruppen förmlich ins Stadion geströmt und haben restliche Plätze gefüllt. Glücklicherweise war ich jeweils im vordersten Drittel, sodass ich höchstens zehn Minuten vom Spiel verpasst habe.

Für den Achtelfinalknüller zwischen Belgien und Japan wurde ich gefragt, ob ich Lust hätte, Teil der Volunteergruppe zu sein, welche eine der grossen Flaggen während der Spieleröffnung / Zeremonie auf’s Spielfeld trägt. Ich habe zugesagt, meine Vorgesetzte leider nicht. In der zweiten Volunteer-Woche hatten wir einige ‹days off› (freie Tage). Dies Chance habe ich genutzt und habe einen Nachtzug nach Sochi (Olympische Sommerspiele 2014) gebucht. Einige Tage habe ich also am Schwarzen Meer und beim olympischen Park verbracht. Gänsehaut.

Russland? Unbedingt!

Für Unsichere oder Zweifler, welche sich nicht sicher sind, ob sie Russland bereisen wollen, kann ich nur sagen: unbedingt gehen. In der Zwischenzeit habe ich Moskau und St. Petersburg jeweils eine Woche angeschaut und bin sprachlos. Die vier besichtigten Städte haben mich enorm beeindruckt - sowohl kulturell/historisch als auch sozial/zwischenmenschlich. Wenn man auf dem Roten Platz in Moskau oder vor dem Winterpalast in St. Petersburg steht, fühlt man sich Teil dieser historischen Orte. Teile der Geschichte der Menschheit wurden unter anderem hier geschrieben. Ich frage mich, welchen Grund es gibt, nicht russisch lernen zu wollen. Fast 150 Millionen Russen gibt’s, das sollte für ‹es Gschwätz› reichen.