Leitung ist komplett
Ein Tessiner kommt nach Solothurn: Niccolò Castelli wird neuer künstlerischer Leiter der Solothurner Filmtage

Der Vorstand der Solothurner Filmtage wählt den Regisseur Niccolò Castelli zum neuen künstlerischen Leiter. Er übernimmt das Amt per 1. August 2022. Niccolò Castelli wird zusammen mit der administrativen Leiterin Monica Rosenberg die neue Co-Leitung im dualen Führungssystem bilden.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Niccolò Castelli zu Besuch an den 57. Solothurner Filmtagen.

Niccolò Castelli zu Besuch an den 57. Solothurner Filmtagen.

zvg

Niccolò Castelli wird neuer künstlerischer Leiter der Solothurner Filmtage, wie der Vorstand am Dienstagmorgen mitteilt. In dieser Funktion übernimmt er gemäss Mitteilung die Verantwortung für die konzeptuelle sowie inhaltliche Leitung und Gestaltung in den Bereichen Pro­gramm, Kommunikation und Medien. Ausserdem werde er die strategische Ausrichtung des Festivals mitgestalten.

Castelli bildet zusammen mit der ebenfalls neu gewählten administrativen Leiterin Monica Rosenberg die neue Co-Leitung im dualen Führungssystem.

Der aus dem Tessin stammende Filmschaffende studierte in Bologna und Zürich, wo er 2008 einen Film-Master an der ZHdK abschloss. Als Regisseur feierte er internationale Erfolge und durfte sein Langfilmdebüt «Tutti Giù» am Locarno Film Festival zeigen, wie es in der Mitteilung der Filmtage heisst.

«Wir freuen uns sehr, Niccolò Castelli in Solothurn willkommen zu heissen», sagt der Präsident des Vereins Schweizerische Gesellschaft Solothurner Filmtage, Thomas Geiser.

Die Querelen hätten keinen Einfluss gehabt

Man habe eine schöne Anzahl guter Bewerber und Bewerberinnen für das Amt erhalten. «Zum Schluss wählte der Vorstand aus vier verbliebenen Kandidaten von hoher Qualität. Castelli stach dann doch als der beste der Kandidaten heraus. Der Tessiner stiess bei uns auf sehr viel Sympathie.»

Thomas Geiser, Präsident des Vereins Schweizerische Gesellschaft Solothurner Filmtage.

Thomas Geiser, Präsident des Vereins Schweizerische Gesellschaft Solothurner Filmtage.

Peter Klaunzer / KEYSTONE

Erstaunlicherweise, so Geiser, hätten sich die Querelen rund um den Weggang der Vorgängerin von Castelli, Anita Hugi, kaum auf die Kandidaten ausgewirkt.

«Man hätte schon die Angst haben können, dass sich deshalb der eine oder die andere qualitativ geeignete Personen nicht melden mochte. Doch haben wir davon nichts gespürt – im Gegenteil.»

Niccolò Castelli bringe «vielfältige Erfahrung und eine gute Vernetzung in der Filmbranche mit». Neben seiner Haupttätigkeit als unabhängiger Regisseur und Drehbuchautor von Kurz-, Dokumentar- und Spielfilmen produziert er regelmässig für RSI Radiotelevisione svizzera. Seit Jahren ist er auch in der Schweizer Filmpolitik aktiv.

Bemerkenswertes Amt

Zurzeit leitet Castelli die Ticino Film Commission, was er parallel beibehalten wird. Bemerkenswert ist, dass er Vorstandsmitglied bei ARF/FDS (Schweizerischer Verband der Filmregisseure und Drehbuchautoren) ist, des Verbandes, der an der vergangenen ausserordentlichen GV der Solothurner Filmtage für einige Kritik an der schliesslich verabschiedeten Statutenrevision sorgte.

Castelli ist zudem Mitglied bei Suissimage (Schweizerische Genossenschaft für Urheberrechte an audiovisuellen Werken) sowie in verschiedenen anderen branchennahen Verbänden tätig. Er verfügt über ein solides Netzwerk von Fachleuten aus allen filmischen Bereichen und verbindet die vielfältigen Interessen der verschiedenen Akteure. Niccolò Castelli spricht fliessend italienisch, französisch, deutsch und englisch.

Kein Unbekannter in Solothurn

Auch in Solothurn ist Niccolò Castelli kein unbekanntes Gesicht. Sein letzter Spielfilm «Atlas» eröffnete die 56. Ausgabe der Solothurner Filmtage. Zuvor war er zweimal Teil der Auswahlkommission für das Filmprogramm.

Die Geschäftsstelle und der Vorstand freuen sich sehr auf die Zusammenarbeit, so Geiser und er präzisiert: «Castelli wird in einem 60-Prozent-Pensum in Solothurn arbeiten. Er nimmt neu Wohnsitz in Bern.»

Thomas Geiser selbst wird sein Präsidium noch bis zum nächsten Jahr inne haben. «Es scheint uns ungünstig, wenn nebst der neuen Co-Leitung gleich auch noch das Präsidium ausgewechselt würde. Deshalb trete ich nach Ende der regulären Amtsperiode, im kommenden Jahr zurück.» Auch für sein Amt müsse dann wieder ein Findungsprozess einsetzen, so Geiser.

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