Kantonsrat
Leistungschecks in Solothurner Schulen sollen reduziert werden: Aber welche?

In den Schulen wird zu viel getestet, findet der Kantonsrat. Doch worauf konkret verzichtet werden soll, darüber gehen die Meinungen auseinander.

Urs Moser
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Eine von viele Leistungschecks an Schulen: Die Pisa-Studie.

Eine von viele Leistungschecks an Schulen: Die Pisa-Studie.

Keystone

Überprüfung der Grundkompetenzen, Pisa-Tests, Checks P3, P6, S2 und S3. Ein System von Leistungsmessungen soll klassenunabhängig und interkantonal vergleichbar aufzeigen, wo die Solothurner Schüler stehen bzw. welchen Lernerfolg der Unterricht an Solothurner Schulen zeitigt. So berechtigt das Anliegen im Grundsatz sein mag: Das Fuder werde mit dieser «masslosen Prüferei» überladen, befand SVP-Kantonsrat Beat Künzli (Laupersdorf) und forderte vom Regierungsrat eine nachhaltige Reduktion bis zum Schuljahr 2019/20.

Künzli war selber etwas überrascht von der breiten Zustimmung, die sein Anliegen am Mittwoch im Kantonsrat erfuhr. Es wird tatsächlich ein übertriebener Prüfungsaufwand betrieben, befanden fast alle Kantonsräte, die sich an der Diskussion beteiligten. Damit hatte es sich dann allerdings auch schon mit der Einigkeit. Wie dieser Aufwand zu reduzieren ist und worauf man nun konkret verzichten soll, darüber gehen die Meinungen weit auseinander.

SP-Mann (und Lehrer) Mathias Stricker (Bettlach) zum Beispiel findet, auf den Test P3 in der dritten Primarklasse könne man auch verzichten und der Test P6 mache nur Sinn, wenn er von der sechsten auf das Ende der fünften Primarklasse vorgezogen wird. Er und weitere Lehrkräfte im Parlament wie Franziska Roth (SP, Solothurn) oder Simone Wyss Send (Grün, Biberist) stellen aber vor allem den Check S3 für das Abschlusszertifikat zum Ende der obligatorischen Schulzeit in Frage.

Gerade auf diesen Check will man aber seitens der Wirtschaftsverbände auf keinen Fall verzichten. Er sei für die späteren Lehrbetriebe der Schüler ebenso wichtig wie der Check S2 in der zweiten Sekundarklasse, wo sich die Schüler um Lehrstellen bewerben, erklärte Josef Maushart (CVP, Solothurn). Hätten die Schüler nämlich erst einmal einen Lehrvertrag in der Tasche, würden sie sich ohne den Check S3 im Letzten Schuljahr nicht mehr ins Zeug legen und es fehle ihnen dann praktisch der ganze Stoff dieses neunten Schuljahrs, so Maushart.

Beat Künzli schwante ob der kontroversen Debatte über seinen Auftrag Böses. Und vor allem ob dem Schwenker der Regierung, die sich anfänglich dagegen aussprach, nach dem zustimmenden Antrag der Bildungskommission dann aber doch bereit war, den Auftrag entgegenzunehmen. Er stelle keinen Prüfungsauftrag, sondern verlange verbindlich eine Reduktion der schulischen Überprüfungen, insistierte Künzli.

Bildungsdirektor Remo Ankli zeigte sich davon allerdings nicht sonderlich beeindruckt. Schliesslich sei er auch für den Sport verantwortlich, meinte er salopp zum «Salto rückwärts», wie Künzli den Meinungsumschwung nannte. Zuvor hatte der Regierungsrat bloss in Aussicht gestellt, sich im Bildungsraum Nordwestschweiz für einen geringeren Aufwand bei der Überprüfung der Grundkompetenzen einzusetzen und keine kantonale Sonderauswertung zu den Pisa-Tests mehr einzufordern.

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