Immer mehr ältere Menschen werden in ihren eigenen vier Wänden professionell gepflegt und betreut. Solange wie möglich in der vertrauten Umgebung leben zu dürfen, entspricht dem Wunsch vieler Betagter. Zudem geht – aus Kostengründen – auch die politische Planung in diese Richtung. «Ambulant vor stationär» heisst die Devise.

Statt im Spital oder einem Alters- und Pflegeheim wird im Kanton Solothurn wie in der ganzen Schweiz die Pflege zu Hause gefördert. Damit aber sind gerade auch die 30 öffentlichen Spitexorganisationen gefordert. Sie haben immer mehr zu tun, was die Kosten für die Gemeinden in die Höhe treibt. Zudem wachsen die Ansprüche an ihr Angebot.

Um für all diese Anforderungen gewappnet zu sein, braucht es mehr Transparenz und Einheitlichkeit. Der kantonale Spitexverband (SVKS) und der Verband der Solothurner Einwohnergemeinden (VSEG) erarbeiten derzeit deshalb einen Rahmenleistungsvertrag.

Auch Palliative Care gehört dazu

Wie bereits in vielen Kantonen soll auch in Solothurn ein für die Spitexorganisationen möglichst verbindlicher Grundleistungskatalog entstehen und zudem die Kosten für diese Leistungen definiert werden.

Auch wenn sich Spitex und Gemeinden im Grundsatz über die Ziele der Leistungsvereinbarung einig sind, dürfte die konkrete inhaltliche Ausgestaltung einige Knackpunkte bieten. Die entsprechenden Verhandlungen werden laut VSEG-Geschäftsführer Thomas Blum im Oktober starten.

Spitexpräsidentin Sigrun Kuhn gibt im Gespräch mit dieser Zeitung bereits jetzt Einblick, mit welchen Vorstellungen sie in diese Verhandlungen steigen wird. Ausgearbeitet hat diese der Vorstand des Spitexverbands. 

«Aus der Sicht unserer Kunden ist es wichtig, dass die Spitex überall gleiche Leistungen anbieten kann», unterstreicht Sigrun Kuhn. Diese müssten sich darauf verlassen können, dass ihnen auch bei einem Wohnortwechsel das gleiche Angebot zur Verfügung steht. Ein für alle Spitexorganisationen verbindlicher Grundleistungskatalog sei zudem für eine gute Zusammenarbeit mit den Spitälern von zentraler Bedeutung, ist die Spitexpräsidentin überzeugt. «Ohne umfangreiche Abklärungen treffen zu müssen, wissen die Spitäler, mit welchen Dienstleistungen sie rechnen können.» Und schliesslich erleichtere ein einheitliches Angebot die Kommunikation mit der Öffentlichkeit.

Der verbindliche Leistungskatalog muss gemäss Sigrun Kuhn dabei mehr umfassen als eine einfache Pflege und Betreuung. Der Bedarf nach spezialisierten Leistungen im Bereich Palliative Care und Psychiatrie nehme stetig zu. Psychiatrie-Pflege werde bei vielen Spitexorganisationen, wenn überhaupt, aber nur in einem sehr kleinen Umfang angeboten. Und die Pflege und Betreuung von schwerst kranken Menschen ist in den Gemeinden einzig für den Notfall sichergestellt.

Sigrun Kuhn: «Es braucht aber in diesem Bereich speziell ausgebildetes Pflegepersonal.» Die Spitexpräsidentin ist sich dabei sehr wohl bewusst, dass nicht jede Spitex über Spezialisten in der Psychiatrie oder der Palliative Care verfügen kann. Über Kooperationen mit einer Nachbarspitex können aber auch kleinere Organisationen diese Dienstleistungen sicherstellen, ist sie überzeugt.

Eine andere Möglichkeit bestehe darin, diese Leistung jeweils einzukaufen, wenn ein Bedarf besteht. Das gleiche Vorgehen schlägt Sigrun Kuhn für den 24-Stunden-Bereitschaftsdienst vor. Auch dieser gehöre zum Grundleistungsangebot jeder Spitex, unterstreicht sie.

Weg von der Defizitgarantie

Neben einem einheitlichen und den aktuellen Bedürfnissen angepassten Grundleistungskatalog fordert die Spitexpräsidentin eine transparente Finanzierung des Angebots durch die öffentliche Hand. Heute herrsche gleichsam ein Wildwuchs in den Gemeinden, was der gewünschten Vergleichbarkeit entgegenstehe. «Eine Defizitgarantie, die manche Gemeinden ihrer Spitexorganisation gewähren, ist nicht mehr zeitgemäss.»

Für besonders geeignet erachtet sie stattdessen das Modell der Subjektfinanzierung, bei der jede Pflegestunde mit einem bestimmten Beitrag der öffentlichen Hand subventioniert wird. Im jeweiligen Betrag eingeschlossen sind auch die Kosten für Administration und Investitionen. Die Aushandlung der Höhe dieser Beträge mit den Gemeinden werde nicht ganz einfach sein, weiss Sigrun Kuhn. «Aus unserer Sicht dürfen diese nicht zu tief ausfallen, die Gemeinden aber wollen natürlich ihre Steuerzahler schonen.»

Ohne sich bereits jetzt auf ein bestimmtes Finanzierungsmodell festlegen zu wollen, erachtet auch VSEG-Geschäftsführer Thomas Blum die Abschaffung der Defizitgarantie für zentral. «Die einzelnen Betriebe müssen über gleich lange Spiesse verfügen.» Und wie hält es der VSEG mit einen einheitlichen Leistungskatalog über alle 30 Spitexorganisationen hinweg? «Es braucht verschiedene Kategorien», sagte er, «zum Beispiel für städtische und ländliche Regionen». Im Vorfeld der Verhandlungen mit dem Spitexverband, will er sich aber – noch – nicht näher dazu äussern.