Pornografie-Verdacht
Lehrer filmte Knaben in der Garderobe - jetzt trainiert er Fussball-Junioren

Ein Lehrer, der in Mümliswil und Holderbank unterrichtete, wurde nicht ohne Grund per sofort freigestellt. Die Schulleitung hat nun die Bestätigung für ihr Handeln erhalten: Der Lehrer wurde wegen mehrfacher Herstellung von Pornografie verurteilt.

Alois Winiger
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Das Hallenbad Brühl in Mümliswil bei Tag. Als Bob mit den beiden Buben erwischt wurde, war die Beleuchtung ganz schwach.

Das Hallenbad Brühl in Mümliswil bei Tag. Als Bob mit den beiden Buben erwischt wurde, war die Beleuchtung ganz schwach.

zvg

Bob* galt sowohl in Holderbank als auch in Mümliswil als sehr engagierter Lehrer, kam mit Schülern und Eltern gut zurecht. Dann war er plötzlich weg. Am Samstag, 5. Mai 2012, wurde der heute 35-Jährige von der Schulleitung in Absprache mit den beiden Gemeindepräsidien per sofort und ohne Lohnfortzahlung freigestellt. Er musste alle Schlüssel abgeben und erhielt Hausverbot.

Die Nachricht von der Entlassung machte schnell die Runde. Viele Eltern reagierten entrüstet und deckten diejenigen Personen, die den Lehrer entlassen hatten, mit teilweise massiver Kritik ein.

Strafbefehl folgte

Doch jetzt ist bekannt geworden, dass Bob mit Datum vom 9. Oktober 2013 einen Strafbefehl der Solothurner Staatsanwaltschaft erhalten hat. Bob wird in diesem Dokument (das der Redaktion vorliegt), schuldig gesprochen wegen versuchter und tatsächlich hergestellter Pornografie.

Konkret habe er in Garderoben von Schulen in Mümliswil und Pfäffikon ZH sowie bei unbekannten Fussballclubs Aufnahmen von Knaben beim Umkleiden gemacht. Ferner habe die Polizei auf Bobs Handy Bilder mit kinderpornografischem Inhalt sichergestellt. Der Strafbefehl ist jedoch nicht rechtskräftig, weil dagegen Einsprache erhoben worden ist. «Bis zum rechtskräftigen Verfahrensabschluss gilt denn auch die Unschuldsvermutung», erklärt Sabine Husi, Stellvertreterin des Oberstaatsanwalts.

Bei schummrigem Licht erwischt

Der Stein kam ins Rollen, als Bob am Freitagabend, 4. Mai, 22.40 Uhr, im Hallenbad Mümliswil zusammen mit zwei Buben, 12- und 14-jährig, erwischt worden war. Zwar hatte die Polizei keine Hinweise auf eine strafrechtliche Handlung gefunden; die Buben stammten von auswärts, waren angeblich die Söhne von Bobs Lebenspartnerin. Die Geschichte löste Fragen aus: Was hat sich im schummrigen Hallenbad abgespielt, was hätte in der Folge noch passieren können?

Was sich in der Garderobe der Turnhalle Brühl in Mümliswil abgespielt hatte, ist im erwähnten Strafbefehl beschrieben. Der Beschuldigte habe in der Knabengarderobe ein digitales Aufnahmegerät montiert und unter einer Decke versteckt.

Nicht jedes Mal gelang das Vorhaben. Einmal wurde die Kamera entdeckt und entfernt; welchen Weg diese dann nahm und wie sie wieder zum Vorschein kam, ist nicht bekannt. Bob hat sich dann, wie Recherchen dieser Zeitung ergaben, bei Kollegen erkundigt, ob sie eine Kamera gefunden hätten. Er habe mittels Aufnahmen in der Garderobe herausfinden wollen, warum es immer wieder Radau gebe. Offenbar hat niemand Verdacht geschöpft.

Belastend für die Eltern

Die Leiterin der Schulen Mümliswil-Ramiswil und Holderbank, Cécile Kamer, ist sehr erstaunt, dass gegen den Strafbefehl Einsprache erhoben worden ist, wo doch die Situation so klar erscheint. «Trotzdem bin ich erleichtert, dass nun bekannt ist, was gelaufen ist. Die Fakten bestätigen, dass es richtig war, den Lehrer per sofort freizustellen.»

Allerdings wartet jetzt noch eine gewichtige Aufgabe auf sie. Sind doch nicht wenige Eltern involviert, indem sie Anzeige erstattet haben im Namen der betroffenen Kinder. «Diese Eltern haben den Strafbefehl gegen den Lehrer erhalten, wissen also Bescheid. Für die Eltern ist die Sache belastend, wir werden mit ihnen darüber demnächst sprechen.»

Zum Vorschein kam noch mehr

Damit nicht genug: Im Lauf der Recherchen durch diese Zeitung kam noch einiges mehr zum Vorschein, das Bob bereits geleistet hatte. Im Kanton Zürich schnappte ihn im Januar 2011 die Polizei, weil er ein Auto steuerte, obwohl ihm der Ausweis abgenommen worden war.

In einer Fachzeitschrift (swissfamily 10/2008) erklärt er, wie er im Unterricht reagiert, wenn Buben sexualisierte Wörter verwenden: «Besonders bei Ausdrücken aus der Sexualität hake ich bewusst nach und fordere den Schüler auf, mir das Wort zu erklären.» Ferner soll Bob via Internet nach Bekanntschaften zu allein stehenden Müttern gesucht haben.

Er trainiert 12- und 13-Jährige

Tatsache ist, dass Bob aktuell eine Juniorenmannschaft in der Region Solothurn trainiert. Der Vereinspräsident zeigte sich gestern von Bobs Vergangenheit völlig überrascht. Daher wollte er, bevor die Sache im Vorstand beraten worden ist, keine Stellung dazu nehmen.

Bob selber beteuerte auf Anfrage, es tue ihm alles sehr leid und er werde nie wieder solche Sachen machen. Ferner betonte er, niemals einen der Knaben berührt zu haben. Er habe auch nicht mehr im Sinn, als Lehrer zu arbeiten, sondern sei nun daran, sich eine andere Existenz aufzubauen.

*Name von der Redaktion geändert.