Lebensmittelkontrolle
Legales Gras oder Drogenhanf? Die Hälfte der untersuchten Proben fällt durch

Die Lebensmittelkontrolle des Kantons Solothurn überprüft, ob in Produkten, wie sie in Hanf-Shops verkauft werden, auch wirklich nur so viel THC enthalten ist, wie erlaubt. Die Ergebnisse der Analysen sind überraschend.

Noëlle Karpf
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Wie viel THC in einer Hanfprobe steckt, kann nur eine Untersuchung im Labor genau zeigen.

Wie viel THC in einer Hanfprobe steckt, kann nur eine Untersuchung im Labor genau zeigen.

Keystone

Tetrahydrocannabinol – THC. Die drei Buchstaben sind entscheidend in der Frage, ob Hanf legal konsumiert werden darf – oder eben illegal ist. Der Konsum von CBD-Produkten ist seit 2016 erlaubt, diese enthalten nicht mehr als 1 Prozent THC und sind deshalb auch nicht psychoaktiv. Sie berauschen nicht, im Gegensatz zum illegale Gras.

Ob in Produkten, wie sie in Hanf-Shops im Kanton verkauft werden, auch wirklich nur so viel THC enthalten ist, wie erlaubt, überprüft die kantonale Lebensmittelkontrolle. Einerseits in regulären Kontrollen, wie sie etwa auch in Restaurants oder bei Lebensmittelproduzenten geschehen. Andererseits auch auf Auftrag der Strafverfolgungsbehörden. Spannend liest sich, was so im vergangenen Jahr herausgekommen ist: 37 Proben wurden im Labor untersucht, weil seitens der Staatsanwaltschaft der Verdacht darauf bestand, es könnte sich um Drogenhanf handeln. Laut Bericht der Lebensmittelkontrolle fielen 18 Proben durch – also knapp die Hälfte. Weil eben zu viel THC drin steckte.

Im Fall von Ermittlungen geht’s ins Labor

Vor rund einem Monat berichtete die Kantonspolizei zudem über einen CBD-Shop in Olten, der kontrolliert worden ist. Dort fand man nicht nur legale Produkte, sondern nebst Kokain und Haschisch auch verbotenes Gras. Dies wirft die Frage auf, ob der Shop in Olten kein Einzelfall war – und es im Kanton mehrfach vorkommt, dass als legal deklarierte Produkte verboten wären.

Abschliessende Antworten darauf gibt es nicht. Wie oft als CBD verkaufte Produkte zu viel THC enthalten, kann weder von Polizei noch von Staatsanwaltschaft beantwortet werden – «mangels Statistik» wie es heisst. Generell heisst es aber, dass sich die Strafverfolgungsbehörden dann um Kontrollen in etwa Shops kümmern, wenn der Verdacht besteht, dass «strafbare Handlungen begangen werden». Wie im zuvor erwähnten Fall von Olten. Wie viele weitere Beispiele es gibt, ist aber nicht zu erfahren.

Die Staatsanwaltschaft informiert zudem darüber, dass Proben immer dann ins Labor geschickt werden, wenn es um Strafuntersuchungen geht. So könne der THC-Gehalt «exakt bestimmt» werden. Deshalb arbeiten die Behörden im Falle von Ermittlungen mit diesen genauen Laboranalysen, und nicht mit den Schnelltests, welche die Polizei 2018 eingeführt hat, um CBD und illegales Gras zu unterscheiden.
Ein Schnelltest, durchgeführt von einer Patrouille vor Ort, kostet weniger als 5 Franken, eine Untersuchung im Labor ist deutlich teurer.

«Die im Labor durchgeführten Untersuchungen übersteigen den Genauigkeitsgrad von Schnelltests und vermitteln damit mehr Erkenntnisse über die Zusammensetzung der Proben. Dies ist insbesondere dann von Bedeutung, wenn ein Betroffener die ihm gemachten Vorhalte bestreitet.» Auf die Frage, ob die Schnelltests die Ansprüche erfüllen, heisst es von Seiten der Polizei, diese seien nach wie vor im Einsatz. Um vor Ort einfach und schnell herauszufinden, ob zu viel THC drin steckt.