Energiewende
LED-Beleuchtung: In Solothurn haben es die Gemeinden in der Hand

Um Strom und Geld zu sparen, ersetzen immer mehr Gemeinden ihre Lampen. Weil sich die Technologie wandelt, und der Kanton nichts zu sagen hat, fehlt jede Koordination.

Samuel Thomi
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Wie energieeffizient die Gemeinde- und Kantonsstrassen im Kanton Solothurn beleuchtet werden, entscheiden alleine die Gemeinden. (Archiv)

Wie energieeffizient die Gemeinde- und Kantonsstrassen im Kanton Solothurn beleuchtet werden, entscheiden alleine die Gemeinden. (Archiv)

Daniel Boschung

Von 160 Strassenlampen leuchtet in Obergerlafingen bereits ein Viertel mit LED-Technik; 60 weitere Quecksilberdampflampen sollen dieses Jahr ersetzt werden. Denn ab April dürfen sie nicht mehr verkauft werden. Auch Halten will bald 14 herkömmliche Strassenlampen im Dorfkern umrüsten. Ebenso Horriwil: Nachdem letztes Jahr dank LED-Lampen 60 Prozent der Stromkosten und der Einsatz der Hebebühne eingespart konnten, sollen dieses Jahr weitere Strassenzüge umgerüstet werden.

Gemeinsam einkaufen?

Die Beispiele aus Artikeln der letzten Monate in dieser Zeitung zeigen: Überall rüsten Gemeinden derzeit Strassenlampen um und sparen damit nicht nur Strom, sondern beim Unterhalt auch viel Geld (siehe auch Kasten unten). Denn anders als in anderen Kantonen sind in Solothurn die Gemeinden für die ganze Strassenbeleuchtung verantwortlich: «Innerorts betreibt der Kanton nur wenige Lampen und ausserorts ist die Beleuchtung meist sinnlos», erklärt Walter Kissling. Der Leiter Kreisbauamt I ergänzt: «Darum reden wir den Gemeinden bei der Art der Beleuchtung auch nicht drein.» Die Vorschriften dazu kommen vom Bund.

Neue Strassenlampen: Über 90 Prozent weniger Strom

Lichtemittierende Halbleiter – sogenannte Leuchtdioden oder LEDs – boomen seit bald zehn Jahren als Glühbirnenersatz. Während die Quecksilberdampflampen mit dem fahlen Weisslicht ab Frühling aus dem Verkauf verschwinden müssen, dürfen die orange-gelb leuchtenden Natriumdampflampen weiter verkauft werden. Schweizweit kommen sie etwa in 90 Prozent der Strassenlampen zum Einsatz. Insgesamt werden jährlich geschätzte 150 Millionen Franken für Strom für die Beleuchtung ausgegeben. Dabei könnte allein der Ersatz der Quecksilberdampflampen laut Branchenmagazin «Schweizer Gemeinde» die Kosten um einen Drittel senken. So fördert das Bundesamt für Energie ab April jeden auf LED umgerüstete Kandelaber mit 100 Franken.

In der Oberaargauer Gemeinde Wynau zum Beispiel ergaben vorletztes Jahr Tests des Kantons Bern, dass der Energieverbrauch von LED-Leuchten mit Bewegungsmelder-Steuerung um über 90 Prozent sank. Zudem leben diese Leuchten länger, weil sie sich weniger stark erhitzten. Ohne Steuerung benötigen die LED-Leuchten in Wynau zwei Drittel des sonst üblichen Stroms. Zu ähnlichen Resultaten kommen Tests im Ausland: In einer Musteranlage in Holland konnte mit LED unlängst bis zu 80 Prozent Strom eingespart werden. Bei einem Versuch in Langenhagen in Deutschland wurde zudem die Zufriedenheit von Anwohnern abgeklärt. Diese würden sich freuen, hiess es nach Abschluss des Versuches, nicht mehr durch Streulicht im Schlafzimmer gestört zu werden. (sat)

Dass das Umrüsten der Strassenlampen auf LED-Technologie beim Kanton «leider kein Thema» ist, bestätigt auch Markus Chastonay vom Amt für Umwelt: «Eigentlich sollte man zumindest in der Verwaltung einmal darüber diskutieren», so der Verantwortliche Luft/
Lärm beim Kanton. Aufgrund von Bundesvorschriften über die Strassensicherheit oder Vorgaben des Kantons zur Verminderung der Lichtverschmutzung gebe es zwar Einschränkungen. Diese genügten jedoch kaum noch, da sich die Technologie extrem schnell entwickle und damit auch die Angebote. Um darüber zu informieren, lädt zum Beispiel der Kanton Bern demnächst die Gemeinden zu einer LEDInfo ein. «So etwas wäre wohl auch im Kanton Solothurn gut», sagt dazu Markus Chastonay vom Amt für Umwelt.

Alles auf einmal ...

«Das wäre sicher eine Möglichkeit», kommentiert Kuno Tschumi. Als Präsident des Verbandes Solothurnischer Einwohnergemeinden sei er bislang jedoch noch von keiner Gemeinde darauf angesprochen worden. Allerdings funktioniert der Gemeindeverband im Solothurnischen bis jetzt kaum als Drehscheibe für den Austausch oder sogar den gemeinsamen Einkauf von Produkten. «Wenn schon, organisieren sich Gemeinden freiwillig und holen so günstigere Preise heraus.» In seiner eigenen Gemeinde Derendingen beispielsweise habe der Gemeinderat entschieden, auf eine konzentrierte Umrüstung der Strassenlampen auf LED zu verzichten. «Um vom technologischen Fortschritt und damit vom stetigen Preiszerfall zu profitieren, ersetzt unser Energiewerk immer nur, was gerade defekt ist.»

... oder Lampe für Lampe

Ähnlich sieht es Georges Gehriger. Nach dem Ja der Gemeindeversammlung letzten Herbst zu einem 90 000 Franken teuren Kredit evaluiert der Gemeinderat von Stüsslingen derzeit mit der Aare Energie neue Strassenlampen. Weil die LED-Frage im Kanton Solothurn bislang kaum koordiniert wird, forderte der erfolglose GLP-Kandidat Gehriger im Kantonsratswahlkampf vor zwei Jahren, dass der Kanton drei verschiedene LED-Strassenlampentypen für die Gemeinden gemeinsam und damit günstiger einkauft. Im Rahmen der nationalen Energiewende-Debatte argumentierten AKW-Gegner nämlich immer wieder, die vollständige Umstellung auf LED könne die Leistung eines Atomkraftwerks einsparen. Nun wischt Gehriger in einem ersten Schritt vor seiner eigenen Tür und will bis in drei Jahren 90 Strassenlampen umrüsten. «Wir rechnen damit, bis maximal in zehn Jahren alles zu amortisieren.»

Weniger Strom, mehr Licht

Den gegenteiligen Weg geht Recherswil: Nachdem die Gemeinde im Wasseramt letztes Jahr bereits rund 90 LED-Leuchten bestellte, sind im Budget 2015 150 000 Franken für die restlichen Lampen reserviert. «Bis Ende Jahr werden wir alle unsere insgesamt 280 Strassenlampen auf LED umrüsten», erklärt Gemeindepräsident Hardy Jäggi. Im Vordergrund gestanden sei bei der Debatte, wie viel Strom man damit einsparen könne, weniger die Dauer der Amortisation. «Weil man die neuen Lampen dimmen kann, ist dies hoffentlich auch fast wie ein Entgegenkommen für all jene Einwohner, die immer noch Mühe haben mit unserer Nachtabschaltung.» Die Reduktion zwischen 22 und 5 Uhr werde künftig jedoch direkt vom Energiewerk gesteuert; Bewegungsmelder seien keine vorgesehen.

Dass Lampen nur angehen, wenn Menschen oder Autos sich dem betreffenden Strassenabschnitt nähern, ist nämlich die jüngste Entwicklung. Erste zahlbare Serienprodukte sind seit letztem Jahr auf dem Markt; verschiedene Gemeinden und Kantone wollen diese ab diesem Jahr grossflächig testen.

Oder alles ausschalten?

«Passen wir nicht auf, haben wir sonst mit weniger Strom plötzlich viel mehr Licht», warnt Markus Chastonay vom Amt für Umwelt. Und das bringe nicht unbedingt mehr Sicherheit: «Richtig zu beleuchten wird mit LED-Technologie schwieriger, denn die grössere, gezieltere Blendwirkung kann auch schnell Widerstand provozieren.»

In Kriegstetten werden als Versuch dieses Jahr die Bachstrasse, die Grabackerstrasse und die Moosackerstrasse auf LED umgerüstet. Im Gemeinderat war die Frage unbestritten. In Härkingen ist dieses Jahr die Hauptstrasse dran. Etwas anders ging der Umrüstungsversuch bisher einzig in Aeschi aus: Dort wollte die Gemeinde bereits vor Jahren einen Versuch mit LED durchführen. Statt für teures Geld die Kandelaber auszuwechseln, verzichteten die Anwohner schliesslich lieber gleich auf jegliche Beleuchtung.