Zuchwil
Lebendes Huhn in Kadaver-Container: «Lieferanten kann man kaum ausfindig machen»

Am Montag wurde bei der Tierkadaver-Sammelstelle in Zuchwil ein lebendes Tier gefunden. Die Polizei ermittelt. Nur: Woher das Tier kommt, dürfte laut Kantonstierärztin schwierig herauszufinden sein. Derzeit ist auch noch offen, was genau mit dem gefundenen Tier passiert ist.

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Was mit dem Huhn geschehen ist, dass in der Sammelstelle gefunden worden ist, ist noch nicht wirklich geklärt.

Was mit dem Huhn geschehen ist, dass in der Sammelstelle gefunden worden ist, ist noch nicht wirklich geklärt.

Solothurner Zeitung

Das sei ihm noch nie passiert - am Montag wollte der Wildhüter Hansrudolf Rohrbach bei der Kadaverstelle in Zuchwil ein totes Tier entsorgen, als er es in einem der Container plötzlich gackern hörte. Ein lebendiges Huhn befand sich zwischen den toten Tieren auf der Sammelstelle auf dem Areal der Kebag Zuchwil.

Diese ist aber für die Sammelstelle nicht zuständig - und weiss am Mittwoch auch noch nichts über den Vorfall. Auch bei der Centravo AG aus Lyss weiss man von nichts - die Firma betreibt die Sammelstelle im Auftrag des Kantons. Einmal in der Woche wird die Sammelstelle von Mitarbeitenden des GZM Extraktionswerks (gehört zur Centravo) geleert - die Kadaver werden anschliessend in einer Produktionsstätte gemeinsam mit Schlachtabfällen weiterverarbeitet.

Der Kanton seinerseits bewilligt die Räumlichkeiten in Zuchwil. Vor Ort zuständig ist aber die Gemeinde Subingen, laut Gemeindepräsident Hansruedi Ingold heisst dies, dass jemand regelmässig vorbeigeht, putzt und schaut, dass alles in Ordnung ist. Viel mehr habe man mit dem Ort nicht zu tun. Vom lebenden Huhn habe man gehört, vor Ort sei aber niemand gewesen.

Somit bleibt noch offen, was genau mit dem Huhn geschehen ist. Laut Wildhüter Rohrbach ist dieses vor Ort erlegt worden, weil unklar gewesen sei, ob das Tier krank gewesen sei. Auch bei der Polizei weiss man diesbezüglich noch nicht mehr.

Tötung - Transport: Veterinäramt geht von Tierquälerei aus

Bereits 2015 wurde bei der Entsorgungsstelle ein lebendiges Kaninchen gefunden und in ein Tierheim gebracht. Dass lebende Tiere im Konfiskatraum entsorgt werden, kommt eher selten vor, wie Kantonsärztin Doris Bürgi Tschan auf Nachfrage erklärt. Dreimal habe man das bisher mitbekommen. Man vernehme diese Vorfälle aber eher durch Zufall - es könnte laut Bürgi Tschan also sein, dass es eine Dunkelziffer gibt - was sie «aber nicht hoffen möchte».

Im aktuellen Fall ermittelt die Kantonspolizei wegen Tierquälerei. Man spreche aus verschiedenen Gründen von Tierquälerei, führt die Kantonstierärztin weiter aus. Wenn das Tier nicht fachgerecht getötet worden sei, eben nicht tot war, als es zur Entsorgungsstelle gebracht wurde, dann sei das Tierquälerei. Sei das Tier gar nicht getötet, sondern lebend entsorgt worden, gelte auch dies als Tierquälerei. Auch was den Transport angehe, könne man von Tierquälerei sprechen, wenn das Tier etwa inmitten eines Haufens toter Tiere zur Stammelstelle gebracht worden sei. Ebenfalls Tierquälerei sei es, dass das Tier sich im Container, gekühlt und zusammen mit anderen tierischen Abfällen befand.

«Leider kann man den Lieferanten des Huhnes kaum ausfindig machen», so Bürgi Tschan weiter. Denn Hühner seien nicht markiert. «Somit können wir auch nicht erfolgreich eine Strafanzeige einreichen, weil wir keinen Täter haben.»

Die Kantonspolizei Solothurn ermittelt derzeit dennoch, da es sich um ein Offizialdelikt handelt. (nka)