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Läufelfingerli und Moutier-Bahn fahren hart am Abgrund in die Zukunft

Der Bundesrat findet zurück zum Augenmass: Nur noch bei Bahnlinien mit einem Kostendeckungsgrad von unter 30 Prozent will er mittelfristig die Umstellung auf Busbetrieb prüfen. Dazu gehören das Läufelfingerli (S 9) und die Linie Solothurn–Moutier.

Christian von Arx
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Mehr Zugpassagiere dringend erwünscht: Die S9 Olten–Läufelfingen– Sissach («Läufelfingerli») wartet auf Gleis 1 am Bahnhof Olten.

Mehr Zugpassagiere dringend erwünscht: Die S9 Olten–Läufelfingen– Sissach («Läufelfingerli») wartet auf Gleis 1 am Bahnhof Olten.

Christian von Arx

Der landesweite Aufschrei hat gewirkt: Nicht mehr bei 50 Prozent, wie im letzten Oktober in die Vernehmlassung gegeben, sondern erst bei weniger als 30 Prozent Kostendeckungsgrad muss eine Umstellung von regionalen Bahnlinien auf Busbetrieb geprüft werden. Das hat der Bundesrat gestern mit einer Verordnungsänderung auf den 1. Juli 2013 geregelt.

Der ursprüngliche Vorschlag mit 50 Prozent hätte bis auf die S3 Olten–Basel und die BLT-Tramlinie 10 Dornach–Basel–Rodersdorf sämtliche Regionalverkehrslinien im Kanton Solothurn mit der potenziellen Umstellung auf Busbetrieb bedroht. Sogar für den regionalen Bahnverkehr am Jurasüdfuss (Olten–Aarau und Olten–Solothurn–Biel) hätte die Umstellung auf Busse geprüft werden müssen – ein offensichtlicher Unsinn.

Mit den jetzt vom Bundesrat festgelegten Kriterien stehen nur noch zwei regionale Bahnlinien im Kanton Solothurn auf der «roten Liste»: Die S 9 Sissach–Läufelfingen–Olten und die Linie Solothurn–Moutier (via Gänsbrunnen). Die gesamtschweizerische Liste des BAV umfasst noch 17 Bahnlinien, viele davon im Jurabogen. Auch bei den 17 gefährdeten Linien wird aber eine Überprüfung erst dann vorgenommen, wenn neues Rollmaterial beschafft werden muss oder grössere Infrastrukturinvestitionen anstehen. Auch ist die Wirtschaftlichkeit nicht allein ausschlaggebend. Vielmehr sind auch die Qualität der Erschliessung der betroffenen Gebiete und eine Reihe weiterer Punkte zu berücksichtigen.

Laut Ludwig Dünbier, Leiter der Abteilung Öffentlicher Verkehr des Kantons Solothurn, ist für die Fahrplanjahre 2014 und 2015 der Bahnbetrieb auf den beiden kritischen Linien nicht gefährdet. Die Linie Solothurn-–Moutier leide massiv unter dem Ausfall der Seilbahn auf den Weissenstein. Ein Problem zeichne sich ab, wenn in nächster Zeit der Weissensteintunnel saniert werden müsse.

Beim «Läufelfingerli» diene die alte Hauensteinlinie auch als Umleitungsstrecke bei Problemen im Hauenstein-Basistunnel; erst ein zukünftiger neuer Juradurchstich könnte sie entbehrlich machen. So lange müsse die Infrastruktur jederzeit in gutem Zustand gehalten werden. Bahnhöfe und Rollmaterial seien erst kürzlich erneuert worden, und ein Bus würde von Läufelfingen nach Olten viel länger brauchen als die Bahn. Aus diesen Gründen sieht Ludwig Dünbier die Voraussetzungen für eine Umstellung auf Busbetrieb beim «Läufelfingerli» derzeit nicht gegeben.