Es gibt Lebensmittel mit einer langen Vorgeschichte: solche etwa, die per Schiff, Flugzeug oder Lastwagen grosse Distanzen zurücklegen, bevor sie dann endlich in Regalen eines Grossverteilers landen – für immer mehr Konsumenten ein No-go. Wenn möglich sollen die Produkte frisch sein und aus der Region stammen.

Diesem Wunsch leisten Labels wie «Aus der Region. Für die Region» der Migros (mehr oder weniger) Folge. Will man aber kompromisslose Regionalität vor sich auf dem Teller liegen haben, so bleibt einem meist nur der Gang zum nächsten Hofladen. Gemüse, Früchte und Allerlei aus Eigenanbau – ein verlockendes Angebot. Für einige wohl zu verlockend: Berichte über Diebstähle in Hofläden machen immer wieder die Runde. Was unweigerlich die Frage aufwirft: Kämpfen auch hier in der Region ansässige Hofladenbesitzer mit Langfingern?

Aller schlechter Dinge sind drei

Leider ja, lautet die Antwort im Fall von Landwirt Mathias Anderegg aus Wangen. Mit einer Ausnahme: Der eigentliche Hofladen, welcher bedient und nur zu bestimmten Zeiten geöffnet ist, sei von Diebstahl nicht betroffen, sagt Anderegg. Das Sorgenkind stellt vielmehr eine kleine Holzhütte mit integriertem Kühlschrank oberhalb des Hofes dar: Seit 25 Jahren können dort rund um die Uhr und in Selbstbedienung Äpfel, Kartoffeln, Süssmost oder Eier gekauft werden.

Ein Kässeli steht bereit – oder würde bereitstehen: «Dieses Jahr wurde schon dreimal etwas geklaut, hauptsächlich Eier und ein paar Äpfel im Wert von ungefähr 50 Franken. Da die Diebstähle jeweils zur ungefähr gleichen Zeit und am gleichen Wochentag passierten, gehe ich vom selben Täter aus», schildert Anderegg.

Kam der Langfinger bisher noch ungeschoren davon, wird Anderegg in Zukunft mit härteren Bandagen kämpfen: «Ereignet sich dieser Vorfall noch ein einziges Mal, installiere ich eine Kamera. Dies auch zugunsten der ehrlichen Kunden.» Ein Automat, der gegen Bezahlung Lebensmittel ausspuckt, sei dagegen zu teuer und wäre für viele seiner (oftmals älteren) Kunden zu kompliziert.

Abkehr von der Selbstbedienung

Karin Studer vom Boninger Kreuzplatzhof ist dafür umso zufriedener mit ihrem Automaten, der unter anderem Milchprodukte, Bratwürste und Früchte enthält. Seit zwei Jahren zählt er zum festen Bestandteil des Hofladens, weil man bei gewissen – teureren – Produkten die Bezahlung sicherstellen möchte: «Obwohl er viel Geld kostete und einige Kunden Bedenken in Bezug auf die Bedienung hatten, ist seine Wirkung überaus positiv. Dies nur schon, weil man selbst viel ruhiger ist.»

Grund zur Beunruhigung gibt es bei Studers allerdings nicht; im Hofladen hätten sie noch nie einen Diebstahl verzeichnen können. «Der Laden ist seit drei Jahren bedient und jemand vom Hof somit immer anwesend. Die Abkehr vom Selbstbedienungskonzept nahmen wir vor, da wir damals unser Sortiment erweiterten und das Risiko eines Diebstahls ohne die Anpassung zu gross gewesen wäre», blickt sie zurück. Schliesslich höre man immer wieder von entsprechenden Vorkommnissen.

Jedoch bieten Studers zur Mittagszeit und abends nach 18 Uhr Salat- und Gemüsesorten in Selbstbedienung an – wobei sie schon Unstimmigkeiten registrieren mussten: «Es kommt vor, dass angesichts der bezogenen Ware mehr Geld in der Kasse sein sollte.» Vorfälle, die bis jetzt aber nicht im Übermass aufgetreten seien, so Studer gelassen.

Lückenlose Videoüberwachung

Sporadisch kommen Diebstähle auch im Selbstbedienungsladen auf dem Wolfwiler Schlatthof vor, obwohl der Aussen- sowie Innenbereich videoüberwacht werden. «Wir schauen uns das Band jeden Tag an», so Inhaberin Regina Ackermann. Die Aufzeichnungen ermöglichen es, Ladendiebe schnell und unkompliziert identifizieren zu können: «Handelt es sich um kleinere Beträge, etwa ein nicht bezahltes Joghurt, ist ein Verweis die Folge. Ab einem Betrag von 100 Franken informieren wir die Polizei. Einmal waren wir sogar dazu gezwungen, eine Person anzuzeigen, was zur Überwachung in der heutigen Dimension führte», erklärt sie.

Neben Kameras setzen Ackermanns auf einen Automaten, der bei den Kunden nach anfänglichen Schwierigkeiten beim Handling nun auf Anklang stosse. «Zukünftig werden wir vermehrt damit arbeiten», kündet Regina Ackermann an und ergänzt: «Ausserdem leeren wir die Kasse regelmässig.» Denn befinde sich viel Geld darin, sei die Wahrscheinlichkeit grösser, dass für die Ware nichts oder zu wenig bezahlt werde.

«System basiert auf Vertrauen»

Weniger Vorsichtsmassnahmen werden dagegen auf dem Lostorfer Buechehof getroffen: Eine Kamera ist nur beim Eingangstor, nicht aber im Laden montiert. «Unser System basiert auf Vertrauen», meint Beat Gygax, Administration Buechehof. «Wir wissen nicht, ob in unserem Laden Produkte unterschlagen werden.» Grund dafür ist das herrschende Konzept des rund um die Uhr zugänglichen und nur teilweise bedienten Ladens: Kunden tragen den Gesamtbetrag eines Einkaufs selbstständig in einem Monatsblatt ein. Diese Beträge werden Ende Monat von Mitarbeitern addiert und die Summe davon den Kunden in Rechnung gestellt.

Gygax betont, dass man vom Funktionieren dieser Praxis ausgeht und daran so lange als möglich festhalten möchte. Der Inbetriebnahme eines Automaten erteilt er aufgrund der Sortimentsgrösse eine klare Absage. Dennoch relativiert er: «Es kommt sicherlich vor, dass etwas nicht oder falsch aufgeschrieben wird.»