Amtsgericht
Landsmann erschossen: Tamile muss 15 Jahre ins Gefängnis – Mord war es aber nicht

Der Tamile, der 2016 in der Solothurner Bahnhofpassage einen Landsmann erschoss, muss für 15 Jahre hinter Gitter. So lautet das Urteil des Amtsgerichts Solothurn-Lebern.

Ornella Miller
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Der Tamile wurde wegen vorsätzlicher Tötung schuldig gesprochen.

Der Tamile wurde wegen vorsätzlicher Tötung schuldig gesprochen.

TeleM1

Der Tamile, der 2016 in der Bahnhofpassage Solothurn einen Landsmann erschoss, muss dafür und für andere Delikte 15 Jahre hinter Gitter und wird für 12 Jahre des Landes verwiesen. Es sei jedoch kein Mord, denn besondere Skrupellosigkeit liege nicht vor, so das Gericht.

Das Amtsgericht Solothurn-Lebern mit Yves Derendinger, Christoph Geiser und Markus Zubler sprach Anil* stattdessen wegen vorsätzlicher Tötung schuldig. Das Gericht habe «sehr intensiv und kontrovers» über diese Frage diskutiert. Es hat auch die Überwachungsvideos genau angesehen. Beispielsweise habe sich gezeigt, dass Anil nach den anfänglichen Streitereien regelrecht gerannt sei, als er von den anderen wegging, doch erst als er von ihnen nicht mehr gesehen werden konnte.

Er brauchte bloss zwei Minuten, um dann in sein damaliges Bürogebäude zu gehen und im Estrich die Pistole zu holen. Wieder zurück vor dem Shop in der Passage habe er die Waffe früh aus seiner Hose gezogen und zielgerichtet eine freie Schussbahn zu Ravi* gesucht. Eine «gewisse Kaltblütigkeit, Geringschätzung des Lebens» liege zwar vor, doch sei ein Motiv nicht wirklich zu erkennen.

Keine Gefährdung des Shopbetreibers

Der erste Schuss sei im Gemenge gefallen und in die Wand eingeschlagen, erst der zweite habe Ravi aus drei Metern Nähe getroffen. Danach habe die Pistole eine Ladehemmung gehabt. Dass er den Fotografen zu ermorden versuchte, wie angeschuldigt, entfällt damit ebenso und weil nicht belegt ist, dass Anil abdrückte. Auch den Shopbetreiber hat er deswegen nicht gefährdet, sondern ihn nur bedroht, als er am Schluss mit der Waffe in der Hand noch zu ihm in den Shop kam, so das Gericht.

Er hat aber alle Herumstehenden und alle im Restaurant gefährdet (mehrfache Gefährdung des Lebens). Er habe aber nur mit der Bierflasche, nicht aber mit dem Stuhl andere zu verletzen versucht. Eine verminderte Schuldfähigkeit liege bei einem Blutalkoholgehalt von 1,19 bis 2,09 Promille nicht vor. Weil das Verfahren zu lange dauerte, schrieb man Anil zehn Prozent der Strafe gut, sonst hätte er 16 Jahre und 9 Monate sitzen müssen.

*Namen geändert

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