Auftragsvergabe

Landen Solothurner Steuererklärungen zum Scannen im Aargau?

Werden wohl bald im Aargau erfasst: Solothurner Steuererklärungen.

Werden wohl bald im Aargau erfasst: Solothurner Steuererklärungen.

Eine Firma aus Spreitenbach soll künftig die Solothurner Steuerdaten einscannen. Das letzte Wort in dieser Sache ist allerdings noch nicht gesprochen.

Es sind die Nachwehen einer politischen Affäre, mit denen sich die Kantonsverwaltung noch immer herumschlagen muss: Die Digitalisierung der Solothurner Steuererklärungen ist ein heikles Thema. Seit Jahren schon scannt die Firma Tessi Document Solutions im zürcherischen Urdorf die Steuerdaten aus dem Solothurnischen – ohne dass die Millionen-Aufträge rechtmässig ausgeschrieben worden waren und ohne dass die Datensicherheit hundertprozentig gewährleistet war. Dies legten Recherchen dieser Zeitung vor zwei Jahren offen (siehe Kontext). Das Urdorfer Unternehmen gehörte lange zum amerikanischen Konzern RR Donnelley und befindet sich nun im Besitz der französischen Tessi-Gruppe.

Nun könnte erneut ein ausserkantonales Unternehmen mit dem Scanning der 185 000 Solothurner Steuererklärungen betraut werden. Per öffentlicher Ausschreibung suchte das kantonale Finanzdepartement ab 2018 für mindestens fünf Jahre einen neuen Anbieter. Fünf Unternehmen haben sich für den Auftrag beworben. Den Zuschlag erhält die Firma Dumo Informatik und Scanning AG mit Sitz im aargauischen Spreitenbach, wie die Behörden soeben auf der Beschaffungsplattform Simap publik gemacht haben.

Das siegreiche Unternehmen hat demnach das wirtschaftlich günstigste Angebot eingereicht. Gemäss amtlicher Publikation beläuft sich das Auftragsvolumen auf knapp sechs Millionen Franken.

Nicht bekannt ist, ob sich die bisherige Auftragnehmerin, die Tessi-Gruppe, erneut beworben hat. Die Kantonsbehörden sind diesbezüglich zur Geheimhaltung verpflichtet. Klar ist aber, dass sich auch die Stadt Winterthur mit ihrem Scanning-Center beworben hat. Dies hatte die dortige Stadtverwaltung im Juni offiziell mitgeteilt.

Firma im Familienbesitz

Die Firma Dumo ist ein Schweizer Unternehmen und befindet sich seit 2004 im Besitz der Familie Haller. Eigenen Angaben zufolge digitalisiert sie «jedes Jahr Millionen Dokumente für KMU, grössere Firmen und öffentliche Verwaltungen». Schon heute zählt die Firma mehrere Kantone zu ihren Kunden. Für den Aargau verarbeitet sie jährlich 420'000 Steuererklärungen, deren 170'000 sind es für den Thurgau. Das Unternehmen verweist stolz auf seine umfassenden Datenschutzmassnahmen: Steuererklärungen oder Belegkopien etwa würden niemals extern gespeichert.

Andere Lösungen möglich

Ob die Firma Dumo tatsächlich mit dem Scanning beauftragt wird, steht freilich noch nicht endgültig fest. Die Ausschreibung sollte zuerst einmal aufzeigen, wie hoch die Kosten bei einer Auslagerung wären. Das letzte Wort hat der Kantonsrat. Der Regierungsrat wird dem Parlament voraussichtlich drei Varianten vorlegen, bestätigt Thomas Burki vom zuständigen Amt für Informatik auf Anfrage: Zur Diskussion steht auch das Scanning durch eine Firma in den Büros der Kantonsverwaltung. Bei dieser Variante käme die Firma Dumo ebenfalls zum Handkuss.

Quasi als «Luxus-Lösung» kommt zudem der Aufbau eines eigenen Scanning-Centers infrage. Eine Vorstudie zeigte, dass diese Variante viel teurer ausfallen würde als die Auslagerung. «Aus betriebswirtschaftlicher Sicht wäre die Lösung nicht konkurrenzfähig», sagt Amtschef Burki. Letztlich gehe es um einen politischen Entscheid.

Noch ist nicht bekannt, wie gross der preisliche Unterschied wirklich ausfällt. Aufschluss geben wird erst die Vorlage an den Kantonsrat, die in den nächsten Monaten vorgelegt werden soll. Unabhängig davon muss beachtet werden, dass sich die einzuscannende Datenmenge ab dem Jahr 2020 erheblich verringern könnte. Dann ist die Einführung eines neuen Informatik-Systems geplant – die elektronische Steuererklärung soll endlich Realität werden.

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