Solothurner Spitäler AG

Kurzes Gastspiel an der Spitze: Der abrupte Abgang des obersten Mediziners wird nicht begründet

Mit der Transparenz ist es bei der Solothurner Spitäler AG je nach Interessenlage unterschiedlich weit her.

Mit der Transparenz ist es bei der Solothurner Spitäler AG je nach Interessenlage unterschiedlich weit her.

Die Solothurner Spitäler AG hält es nicht für nötig, den Knall-auf-Fall-Abgang von Volker Maier als Ärztlichen Direktor zu begründen.

So wortreich der Karriereschritt angekündigt worden war, so dürr war die Mitteilung über den Karriereknick. Dass der Anfang Jahr als Ärztlicher Direktor der Solothurner Spitaler AG (soH) inthronisierte Volker Maier Anfang Woche einen abrupten Abgang hinlegte, war eine veritable Überraschung. Eine unkommentierte zudem.

Die Vorgeschichte liest sich so: Maier stiess 2017 als Leitender Arzt in der Inneren Medizin zur soH und legte eine Blitzkarriere hin. Schon 2019 wurde er zum Chefarzt ernannt, ehe seine Klinik und das Interdisziplinäre Notfallzentrum zusammengeführt wurden. Maier und Gregor Lindner wurden als Co-Leitung installiert.

Anfang dieses Jahres folgte der Schritt zum Ärztlichen Direktor. Maier trat das Erbe des altershalber zurückgetretenen Markus Zuber an. Wie dieser war der neue oberste Mediziner in einem Teilpensum auch klinisch tätig. Ein wichtiger Punkt nicht zuletzt mit Blick auf den Neubau des Bürgerspitals in Solothurn und die damit verbundenen Veränderungen in den Klinikprozessen.

Die Organisation schweigt weiterhin eisern

Und nun: fertig, aus. «Im gegenseitigen Einvernehmen getrennt» lautet der Beziehungsstatus zwischen der soH und Maier. Versehen mit dem branchenüblichen Hinweis, der Verabschiedete strebe «eine neue Herausforderung» an. Eine Berufung wird es aufgrund des Knall-auf-Fall-Abgangs kaum sein. Weder Verwaltungsratspräsidentin Verena Diener noch CEO Martin Häusermann oder Volker Maier selbst mögen sich darüber hinaus zum Abgang äussern. Auch auf Nachfrage wird eisern geschwiegen. Nicht einmal die Frage, ob sich Maier in seiner Tätigkeit allenfalls etwas hat zu Schulden kommen lassen, wird beantwortet. Mit der Folge, dass die wildesten Gerüchte die Runde machen.

Dabei trifft Maiers Abgang die soH in einer heiklen Phase: Erstens sind die Solothurner Spitäler durch die Covid-19-Krise gefordert, zweitens steht der Bezug des Neubaus bevor. Und ein Nachfolger steht nicht einfach auf Abruf bereit – wer auf Maier folgen wird, ist ebenso ein Geheimnis wie das Aufgabenportfolio des Nachfolgers, der sich in einem infrastrukturell und prozedural veränderten Umfeld wiederfinden wird.

Die neue Organisation hielt nicht lange

Ein möglicherweise entscheidender Punkt, denn Maier war neben seiner klinischen Tätigkeit und seinen Funktionen in der Aus- und Weiterbildung von Studierenden, Assistenz- und Oberärzten zwar Mitglied der Geschäftsleitung und Teilnehmer an den Verwaltungsratssitzungen. Doch mit den vor seiner Zeit ebenfalls der ärztlichen Direktion angegliederten Querschnittsbereichen hatte er hierarchisch nichts zu tun. Konkret: Die Institute für Medizinische Radiologie, Labormedizin, Spitalpharmazie und Rettungsdienst unterstehen dem CEO.

Maier blieb also die Führung des standortübergreifenden Rats der ärztlichen Direktion. Potenzielles Konfliktpotenzial gerade in einer Phase der Veränderung. Persönliche Zerwürfnisse in der Hierarchie ebenso wie im Fachlichen inbegriffen. Doch darüber breitet die soH tunlichst den Mantel des Schweigens aus. Es ist im Übrigen nicht das erste Mal, dass das vollständig im Eigentum des Kantons stehende Unternehmen beim Präsentieren von hochdotiertem Personal besser ist als beim Verabschieden desselben.

Autor

Balz Bruder

Balz Bruder

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