Sie galt als Vorzeigebetrieb der Solothurner Wirtschaft und wurde gerne genannt, wenn ein Kantonsvertreter auswärts Imagepflege betreiben wollte: Die Egerkinger Galderma Spirig mit ihrer bekannten Daylong Sonnencreme.

Doch das wird bald vorbei sein. Gestern hat der Mutterkonzern Nestlé Skin Health angekündigt, dass die Produktion in Egerkingen bis Ende 2018 geschlossen wird. 190 Angestellte verlieren ihren Job. Die Produktion soll nach Frankreich und Kanada verlagert werden, erklärt auf Anfrage Mediensprecher Sébastien Cros. Das Verkaufsbüro für die Schweiz und die Abteilung Consumer Business ziehen nach Zürich und in den Kanton Waadt um.

Das Unternehmen kündigt an, Massnahmen zur Unterstützung der Belegschaft zu treffen. Wie diese konkret aussehen, wollte Cros nicht sagen. «In enger Zusammenarbeit mit den Angestellten wird Nestlé Skin Health nach Lösungen für jeden Betroffenen suchen. Die Gespräche dazu beginnen baldmöglichst.» Die völlig überraschte Solothurner Regierung fordert einen grosszügigen Sozialplan.

Die Erklärung von Regierungsrätin Brigit Wyss zur Schliessung der Galderma Spirig AG: «Für uns alle kam die Nachricht sehr überraschend.»

Die Erklärung von Regierungsrätin Brigit Wyss zur Schliessung der Galderma Spirig AG: «Für uns alle kam die Nachricht sehr überraschend.»

Als Grund für den drastischen Schritt nennt Mediensprecher Cros die Auslastung am Standort Egerkingen, die seit längerem sehr tief gewesen sei. So konnten die Produktionsanlagen nicht ausgelastet werden, was den ohnehin schon hohen Druck auf die Kosten zusätzlich erhöhte. Zudem: «Wir erwarten für Egerkingen in den nächsten Jahren kein signifikantes Volumenwachstum.

Auch die Investitionen von bis zu 15 Millionen Franken in die Modernisierung und Automatisierung der Produktionsanlagen in den letzten drei Jahren konnten die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts nicht verbessern.»

Riesiges Wachstum geplant

Noch ganz anders sahen die Pläne aus, als der Nestlé und L’Oréal gehörende Galderma-Konzern die Spirig Pharma Ende 2012 übernommen hatte. «Der Kauf von Spirig durch Galderma ist eine Hochzeit und keine Übernahme. Ein Bekenntnis zum Standort Egerkingen», hiess es damals.

Dank der Übernahme sollten für die Spirig-Produkte neue Vertriebskanäle und Märkte erschlossen werden. Der Absatz der Daylong-Sonnencreme sollte um 50 Prozent erhöht werden und der Umsatz auf dem Schweizer Markt innert dreier Jahre von 40 auf 100 Millionen Franken verdoppelt werden. Vorgaben, die offenbar nicht erreicht werden konnten, wie sich zeigte. Offizielle Zahlen nennen will der Konzern heute nicht mehr.

«Verkauf war nicht weitsichtig»

Einer der Betroffenen ist Bruno Zeltner. Der Niederbuchsiter arbeitet seit 36 Jahren bei der Spirig. «Die Fabrik glich am Donnerstagnachmittag einer Geisterfirma, als ich noch kurz vorbeischaute», sagt er. Denn nach der Ankündigung am Morgen stand es den Mitarbeitenden frei, ob sie nachmittags noch zur Arbeit gehen wollen. Seine Stimmung sei gedrückt, sagt Zeltner am Telefon. Zwar betreffe es ihn wirtschaftlich nicht mehr, weil er nächsten April pensioniert werde, so der 64-Jährige, der zuletzt für den Gebäudeunterhalt verantwortlich war.

Aber ihm tun vor allem die jüngeren Angestellten leid. Besonders betroffen seien auch viele Mittfünfziger, für die es nun nicht einfach werde, einen neuen Job zu finden. Der Entscheid komme allerdings nicht aus heiterem Himmel. Es lag etwas in der Luft. Denn die Galderma hatte angekündigt, alle Standorte einer Analyse zu unterziehen. «Doch mit einer Schliessung hätte ich nicht gerechnet.» In Zeltners Augen war der Verkauf der damaligen Spirig an die Galderma «nicht weitsichtig». Unter der Belegschaft wurde schon damals gesagt, das sei nicht das Beste gewesen.

Bedauern beim Kanton

Jonas Motschi, Chef des kantonalen Amtes für Wirtschaft und Arbeit, bedauert die Schliessung. Für ihn geht ein «Leuchtturm in der Solothurner Wirtschaft» verloren. 

Die Produktion der Galderma Spirig AG in Egerkingen wird geschlossen. Jonas Motschi, Chef Amt für Wirtschaft und Arbeit: «Die Firma Spirig war ein Leuchtturm in der Solothurner Wirtschaft.».

Jonas Motschi, Chef Amt für Wirtschaft und Arbeit: «Die Firma Spirig war ein Leuchtturm in der Solothurner Wirtschaft.».

Die Gewerkschaft Unia verurteilt den Entscheid von Nestlé Skin Health und fordert den Erhalt der Arbeitsplätze. Sie spricht von einem harten Schlag gegen den Industriestandort Solothurn, «der allein der Profitstrategie eines weltweit operierenden Unternehmens zu verdanken ist». Ökonomisch sei die Schliessung nicht zu rechtfertigen, sei Galderma doch Marktleaderin bei dermatologischen Medikamenten. Nicht betroffen ist übrigens die auf dem Generikamarkt tätige, ebenfalls in Egerkingen ansässige Spirig Health Care. Sie ist eine eigenständige Firma.