Solothurn

Kurse helfen, die eigene Beeinträchtigung zu meistern

Am Fest des Bildungsklubs Solothurn im Alten Spital erhielten Interessierte Einblick in ein breites Kursangebot.

Die Trommlerinnen und Trommler sind parat, die 150 Zuschauer wären anwesend. Seit einer Viertelstunde schon. Aber es fehlen noch einige aus der Gruppe. Sie hatten eine Panne bei der Anfahrt, erklärt die Bildungsklubleiterin von Pro Infirmis Aargau-Solothurn, Helga Willimann-Günther. Man wartet halt. In einem andern Umfeld würde dies Ungeduld, gar leichte Verärgerung hervorrufen. Nicht so hier. Man nimmt Rücksicht. Und vor allem: Man ist es gewohnt, mit Unvorhergesehenem umzugehen. Es bleibt Zeit für einen Schwatz, ein freudiges Winken über die Sitzreihen hinweg. «Bisch au chli nervös?», fragt eine Frau mit einer kognitiven Behinderung ihre Kollegin.

Nachdem nun alle Djembes besetzt sind, kann die Gruppe «Trommeln wie in Afrika» starten. «Tam, tam, tara tam», klingt es zuerst leise, dann anschwellend laut. Die Vibration ist im Bauch spürbar. Der Takt erstaunlich exakt. «Anitilopen gumpe, gumpe, gumpe», spricht die Kursleiterin Eva-Maria Fischli-Hof vor. An der Wand leuchtet die passende Zeichnung, die jemand aus dem Kurs gemalt hat. Silben werden zu Trommelschlägen, die konzentriert, aber mit Freude geklopft werden.

Mehr Selbstständigkeit

An diesem Fest des Bildungsklubs Solothurn und Umgebung, welches im Alten Spital Solothurn stattfindet, werden einige Kostproben aus den 25 Kursen des ersten Semesters präsentiert. Kursthemen liegen in den Bereichen Ausdruck und Kreativität, Alltagsbewältigung, Kulturtechnik, Umwelt und Gesellschaft.

«Das Schwierigste ist, nicht aus dem Rhythmus zu fallen», erklärt Käthi nach der Aufführung, «und wenn es passiert, kann ich mich nicht nach allen richten, sondern am besten nach jemandem, der es besonders gut kann.» Sie nimmt seit vielen Jahren am Trommelkurs teil. «Man lernt, aufeinander zu hören», erläutert sie. Die Teilnahme an den Kursen diene der Persönlichkeitsbildung, fördere die Selbstständigkeit im Alltag und biete Kontakte in der Gesellschaft, steht im Beschrieb der Pro Infirmis.

Der Wechsel auf der Bühne beansprucht viel Zeit. Teilnehmende im Rollstuhl muss man erst über die Rampe stossen, und bis alle am richtigen Platz sind, müssen etliche Akteure an der Hand geführt werden. Die Kreistanzgruppe zeigt nun zu Walzerklängen, wie man auch sitzend am Tanz Spass haben und eine Choreografie meistern kann. «Man muss nichts können, wir lernen alles, was es braucht, im Kurs», hält Sebastian Rotzler fest, der Leiter der Gruppe «Musik und Film». Er hat es gut verstanden, die Fähigkeiten der Teilnehmenden zu einer ansprechenden Präsentation zu nutzen. Sie haben sich einen Film ausgedacht und vertonen selbst gemachte Bilder mit diversen Instrumenten. Die Künstler geniessen den tosenden Applaus.

Für die Theatergruppe zeigt Joseph Nicolet eine Video-Zusammenstellung der Proben. Oft unter schallendem Gelächter des Publikums. Als die Technik einen Streich spielt, überbrückt Willimann-Günther die Zeit mit der Ehrung von Kursleiterin Maria Fischli-Hof, die besonders lange beim Bildungsklub mitwirkt.

Im Kurs «Tiere im Solothurner Wald» hat man sich etwas Tolles einfallen lassen. Grosse, aus Fellen gebastelte Tiere werden nach vorne getragen, so ein Bär, eine Wildsau, ein Dachs. Die einzelnen Teilnehmer stellen sie vor Fotoimpressionen. «Zugabe, Zugabe», hört man im Saal, als die Gruppe «Singen im Chor» ihre Volkslieder zum Besten gibt. Auch bei den Tanznummern wird man super unterhalten. Aus dem Englischkurs wird ein Sketch mit einer Hotelszene vorgetragen. Er habe Andrea geholfen, ihre Sprachkenntnisse zu vertiefen. Und Sandra werde er helfen, wenn sie in einem Jahr mit ihrem Freund nach Amerika reisen wird.

Schliesslich werden einige neue Kurse des zweiten Semesters vorgestellt. In einem Jahr wird das Bildungsklubfest 30-Jahr-Jubiläum feiern.

Das neue Kursprogramm: www.pro-infirmis.ch (Aargau-Solothurn)

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