Kurs in Solothurn
«Sicherheit ist nicht immer freundlich» – so können sich Seniorinnen und Senioren gegen Enkeltrick und Co. schützen

Zusammen mit der Kantonspolizei Solothurn bietet die Pro Senectute Kurse für «Sicherheit im Alter» an. Ein Kursbesuch zeigt: Es gibt eine ganze Palette an perfiden Maschen.

Béatrice Beyeler
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In der Wohnung eines Rentners klingelt das Telefon:

«Burgmann»?

«Herr Burgmann, hören Sie genau zu. Ihr Sohn hatte einen sehr schweren Verkehrsunfall. Er ist bereits im OP und die Ärzte versuchen, sein Leben zu retten. Es geht um jede Sekunde!»

«Oh Gott, Stefan?»

«Ja, Stefan Burgmann. Aufgrund der schweren Verletzungen sind einige lebensrettende Operationen nötig, die nicht von der Krankenkasse übernommen werden. Ich benötige sofort eine Überweisung von 12'000 Franken.»

«Oh Gott, oh Gott. Ich habe die 12'000 Franken hier, geben Sie mir nur die Bankverbindung.»

Zack, und schon schiesst der Zähler im Callcenter der Betrüger in die Höhe. So wird es in einem Video gezeigt, das Jürg Tschanz im Kurs «Sicherheit im Alter» der Pro Senectute Solothurn abspielt. Sieben Seniorinnen und Senioren sitzen im Kurszimmer gegenüber dem Solothurner Hauptbahnhof. Die fünf Frauen und zwei Männer sind hier, um solche Maschen kennen zu lernen – und um zu erfahren, wie sie sich dagegen schützen können.

Mit diesem Video warnt die Polizei Hamburg vor Trickbetrügern.

Youtube / Polizei Hamburg

Im zweistündigen Kurs stellt Jürg Tschanz, Fachverantwortlicher Lokale Sicherheit bei der Kapo Solothurn, eine ganze Palette von Betrugsformen vor. Dabei sei der Enkeltrick einer der gängigsten und auch bekanntesten Methoden, sagt er. Mit unliebsamen Folgen: Man fürchte sich nicht davor.

«Viele Leute denken, mir passiert das bestimmt nicht.»

Tschanz spricht von hämischen Kommentaren, die Opfer über sich ergehen lassen müssen. Dabei seien die Betroffenen in den meisten Fällen überhaupt nicht dement oder dumm. Sondern nur zu gutmütig.

Der Polizist rät: «Lassen Sie Ihre Nummer aus dem Telefonbuch löschen oder kürzen Sie zumindest Ihren Vornamen ab.» Denn in den Telefonbüchern würden die Betrüger meistens fündig: Sie klappern traditionelle Namen ab. Jüngst habe es im Kanton Solothurn viele Anrufe bei Elisabeths gegeben, an einem Tag seien bei der Polizei neun Meldungen eingegangen.

Ein simpler Tipp von Tschanz, der aber vielleicht doch etwas Überwindung braucht: «Legen Sie einfach auf.» Man sei manchmal zu höflich, doch Sicherheit sei nicht immer freundlich.

Weitere Tipps:

  • Geben Sie keiner unbekannten Person irgendwelche Informationen zu Ihren familiären oder finanziellen Verhältnissen, auch nicht über das Internet.
  • Nie auf Forderungen eingehen!
  • Nehmen Sie nach einem Anruf mit finanziellen Forderungen bei Familienangehörigen oder Vertrauenspersonen Rücksprache.
  • Übergeben Sie niemals Bargeld oder Wertsachen an unbekannte Personen.
  • Wenn Ihnen ein Anruf verdächtig vorkommt, informieren Sie sofort die Polizei (Notruf 112/117).

Die Notrufnummer bringt Jürg Tschanz zu einer weiteren Masche: die des falschen Polizisten. Doch: «Die Polizei ruft Sie niemals mit der Nummer 112 oder 117 an.» Heutzutage gibt es technische Möglichkeiten, dass bei einem Anruf eine andere Nummer auf dem Display erscheint. Diese Methode nennt sich «Spoofing», zu Deutsch Manipulation oder Verschleierung.

Schweizerische Kriminalprävention

Im Kurs wird mit Unterlagen der Schweizerischen Kriminalprävention gearbeitet. Dabei handelt es sich um eine interkantonale Fachstelle, die von der Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektorinnen und -direktoren getragen wird. Zu den wichtigsten Aufgaben der Fachstelle gehört nach eigenen Angaben die Stärkung der interkantonalen Polizeizusammenarbeit im Bereich Kriminalprävention. Auf der (sicheren!) Website der Schweizerischen Kriminalprävention finden sich weitere Informationen.

Im Kurs wird viel Material zur Verfügung gestellt.

Im Kurs wird viel Material zur Verfügung gestellt.

bey

Beim Thema Cyberkriminalität warnt Tschanz vor dem «Phishing», dabei wird im Internet nach Passwörtern «gefischt». Kriminelle verschicken etwa gefälschte E-Mails und geben sich als Mitarbeitende von Dienstleistern oder Finanzinstituten aus. Deshalb sollten nie Links verwendet werden, die per Mail verschickt oder per QR-Code eingescannt wurden, um sich bei einem Online-Dienstleister oder einer Bank anzumelden.

Die Sicherheit von Internetseiten kann mit einem Klick auf das Schlösschen in der Adresszeile überprüft werden:

Der Klick auf das Schloss ist denn auch einer der Hinweise, der bei den Kursteilnehmenden hängen bleibt, wie die Abschlussrunde zeigt. Grundsätzlich nehmen die Seniorinnen und Senioren mit, misstrauisch zu sein. Und im Fall der Fälle auch mal unfreundlich zu reagieren und den Hörer einfach aufzulegen oder ein Mail unbeantwortet zu löschen.

Ein weiterer Kurs «Sicherheit im Alter» findet im November in Solothurn statt. Dieser ist auch bereits ausgebucht. 2022 will die Pro Senectute weitere kostenlose Kurse in Zusammenarbeit mit der Kantonspolizei Solothurn organisieren. Informationen dazu auf der Website von Pro Senectute Solothurn.

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